Grüne Werkzeuge

Walter produziert mit Umwelt-Siegel

Unter dem Begriff „Walter Green“ treibt das Unternehmen Walter seit einigen Jahren den Klimaschutz in allen relevanten Bereichen voran. Jetzt hat das Unternehmen eine neue Werkzeugreihe entwickelt und komplett CO2-kompensiert hergestellt.

Die von Walter selbst entwickelten Beschichtungen und die hochpositiven Geometrien der Werkzeuge der M4000-Fräserfamilie bieten hohe Leistungsdaten bei geringem Leistungsbedarf. Bild: Walter AG

Das Thema ist komplex. Bei Walter reicht es vom Einsatz stromsparender LED-Leuchtmittel und der gezielten Leckage-Suche im Druckluftsystem über das Recycling von Rohstoffen bis hin zur Herstellung von Fräskörpern mit ausgeglichener CO2-Bilanz, um nur einige Beispiele zu nennen.

Entscheidend dabei: „Walter Green“ dient nicht nur dem Erhalt eines gesunden Klimas, es rechnet sich auch, wie Gerhard Schüßler erklärt. Als Director Quality & Risk Management verantwortet er bei der Tübinger Walter AG unter anderem die Bereiche Umwelt- und Energiemanagement.

CO2-Bilanz wird Standard

„Zum einen erfordert die Wettbewerbsfähigkeit, dass wir als modernes Unternehmen in der Lage sind, unseren Auftraggebern eine klare Energie- und CO2-Bilanz für unsere Produkte vorzulegen. Das wird nicht zuletzt in der Automobilindustrie immer mehr zum Standard. Wir haben schon vor Jahren damit begonnen, eine Systematik dafür aufzubauen. Zum anderen lassen sich durch den effizienten Umgang mit Energie und Rohstoffen viele Einsparpotenziale ausschöpfen.“

So senkt allein der Austausch der bisher verwendeten Neonröhren in Büros und Produktionshallen gegen moderne LED-Leuchtröhren die Stromrechnung des Unternehmens um mehrere zehntausend Euro im Jahr. „Mit dem Hersteller konnten wir eine Garantie gegen den Ausfall der Leuchtmittel für fünf Jahre vereinbaren. Die Investitionskosten aber amortisieren sich bereits nach weniger als drei Jahren.“

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Auch das Druckluftsystem seines Unternehmens hat Gerhard Schüßler unter die Lupe genommen. „Druckluft ist die teuerste Energie, die wir generieren. Deshalb haben wir vor einiger Zeit begonnen, das System regelmäßig auf Leckagen zu überprüfen und diese zu schließen. Dadurch konnten wir den Druck von 7 auf 5,6 bar senken und sparen damit jährlich Energie für einen hohen fünfstelligen Betrag.“

Wirksame Stellschraube: Recycling

Zu den besonders wirksamen Stellschrauben, um die Energieeffizienz zu steigern und die Umwelt zu schonen, gehört das Rohstoff-Recycling. Dies baut Walter seit einigen Jahren systematisch auf. Das bringt gleich mehrere Vorteile: Der Einsatz wiederaufbereiteter Rohstoffe, allen voran Wolframoxid-, Wolframmetall- und Wolframcarbidpulver, stärkt die Unabhängigkeit des Unternehmens von chinesischen Zulieferern, die den Weltmarkt für Wolfram dominieren. Außerdem schont er die natürlichen Ressourcen und senkt die Kosten.

Auch die Walter Kunden profitieren. Gerhard Schüßler: „Wir bieten unseren Kunden ein Erlösmodell, indem wir ihre gebrauchten Werkzeuge kaufen. Das ist verbunden mit einem Rundum-Service, bei dem Walter die komplette Logistik inklusive Frachtkosten übernimmt.“

Kein Wunder, dass schon jetzt viele Kunden diesen Service gern in Anspruch nehmen. Schließlich verbessern sie damit nicht nur ihre finanzielle, sondern auch ihre CO2-Bilanz und ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Neu in der universellen Mile4000-Fräserfam von Walter: der Bohrnutenfräser M4792.

Aber das Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft. „Wir können noch wesentlich mehr Wolfram recyceln, und das Volumen steigt rasch an. Bis 2020 wollen wir eine ausgeglichene Bilanz haben, das heißt, die gleiche Menge an recyceltem Material einkaufen wie wir fertige Werkzeuge verkaufen.“

Um das Thema voranzutreiben, hat Walter schon früh eine wichtige Weiche gestellt: Seit 2009 gehört die Wolfram Bergbau und Hütten AG (WBH) im österreichischen St. Martin zum Konzern – eine der „Perlen der österreichischen Wirtschaft“, wie das Wiener Wirtschaftsblatt angesichts der Übernahme anmerkte. Seither findet das Recycling im konzerneigenen Vertrieb statt.

Die WBH baut in Mittersill nahe Kitzbühel das mächtigste Wolframvorkommen Europas ab und hat zusätzlich große Recycling-Kapazitäten aufgebaut. „Die Qualität des wiederaufbereiteten Materials, das wir aus Österreich bekommen, ist hervorragend“, sagt Gerhard Schüßler.

M4000 – CO2-kompensiert hergestellt

Doch Walter nutzt noch einige andere Hebel, um seine Produktion nachhaltig zu gestalten. Jüngstes Beispiel ist die neue Fräserfamilie M4000, die in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe setzt. So sind die Werkzeuge der Fräserfamilie M4000 durchweg CO2-kompensiert hergestellt und tragen das Umwelt-Label „Walter Green“.

Für die CO2-kompensierte Produktion hat der Hersteller lückenlos sämtliche Kohlendioxid-Emissionen ermittelt, die im Zusammenhang mit den Produkten entstehen – vom Rohmaterial über die Produktion des Werkzeugs und seiner Verpackung bis hin zur gesamten Logistik-Kette. „Das Ganze haben wir gemeinsam mit unserem Partner FirstClimate nach ISO 14064 umgesetzt.“

Im zweiten Schritt sorgt Walter dafür, dass das entstandene Kohlendioxid wieder in gleicher Menge abgebaut wird. „Dazu investieren wir nach einem genauen Schlüssel in ein Aufforstungsprojekt auf Borneo.“

Wirtschaftliche Vorteile

Natürlich bringt die neue Fräserfamilie M4000 dem Kunden auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Die von Walter selbst entwickelten Beschichtungen und die hochpositiven Geometrien der Werkzeuge bieten hohe Leistungsdaten bei geringem Leistungsbedarf. Das dient auch der Energiebilanz des Anwenders. Jede Systemwendeplatte verfügt über vier Schneidkanten und lässt sich universell für die meisten gängigen Fräsoperationen in fast allen Werkstoffen einsetzen. Dies verringert den Aufwand in der Beschaffung und Lagerhaltung und erhöht die Wirtschaftlichkeit der Werkzeuge.

Die M4000-Reihe ist im Januar 2015 in den Markt gestartet. Ab 1. September 2015 bietet Walter weitere Wendeschneidplatten und Werkzeugkörper aus der M4000 Fräserfamilie an. Mehr Produkte und Produktreihen mit dem Siegel „Walter Green“ sollen folgen.

Darüber hinaus arbeitet Schüßler ständig an weiteren Maßnahmen, um die hauseigene Energiewende voranzutreiben. So wird im Zusammenhang mit dem entstehenden Neubau auf dem Tübinger Firmengelände an der Planung einer hoch wirksamen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage und einem Wärmerückgewinnungs-System gearbeitet. „Den hierüber generierten Strom und die Wärmeenergie werden wir selbst nutzen.“

Schneller als Sebastian Vettel

Auszubildende der Walter AG unterstützten 2013 das GreenTeam der Universität Stuttgart mit mehr als 50 verschiedenen Bauteilen für einen Electric-Rennwagen der Formula Student Electric, einem internationalen Konstruktionswettbewerb für Studenten.

Von Null auf Hundert in 1,779 Sekunden. Das ist schneller als ein Formel-1-Rennwagen, der braucht nämlich rund 2,5 Sekunden. Und es ist Weltrekord für elektrisch betriebene Fahrzeuge. Aufgestellt hat ihn am 18. Juli 2015 das „Green Team Uni Stuttgart“, eine Gruppe von Studenten. Mit dabei: rund 700 Einzelteile von Walter. Das Unternehmen unterstützt die Studenten seit ihrem ersten Start in der „Formula Student“ vor sechs Jahren. Seither haben die Stuttgarter mit ihren E-Boliden zwei Siege eingefahren und sind durchgängig in den Top 10 der Weltrangliste platziert.

Walter auf der EMO

Ganz im Sinne des EMO-Mottos „Let’s build the future“ wird die Walter AG in Mailand Produkte, Prozesse und Lösungen für die Zerspanung in einer modernen Produktionswelt präsentieren. „Engineering Kompetenz im Drei-Klang“: Auf mehr als 400 Quadratmetern macht das Unternehmen sein Angebot für die Komplettbearbeitung erlebbar. Ein besonderer Eyecatcher ist die „Gläserne Produktion“ – mit smart tools von der Simulation bis zur Werkzeugverwaltung. An Beispielen, unter anderem aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, weist der Zerspanungsspezialist seine Kompetenz als Lösungspartner für die Zerspanung praxisnah nach.

EMO 2015 in Mailand, Halle 10, Stand C04 D05

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