Fertigungstechnologien

Andreas Mühlbauer,

Ein Roboter für alle Fälle

Industrieroboter übernehmen viele Aufgaben. Sogar das Fräsen mit Genauigkeiten im Submillimeterbereich ist inzwischen möglich. Ausschlaggebend dafür sind Konzepte mit optimierter Kinematik und hoher Steifigkeit. In Zusammenarbeit mit Siemens und dem Fraunhofer IFAM hat Weiss Spindeltechnologie speziell dafür Frässpindeln entwickelt, die es ermöglichen, das Potenzial der Hybridtechnologie voll auszuschöpfen.

Die Roboter-Fräs-Kombination ist mobil einsetzbar und kann beispielsweise Instandhaltungs-Bearbeitungen am Werkstück vor Ort erledigen. © Weiss Spindeltechnologie

Um herauszufinden, welche Anwendungen von einer verbesserten Robotertechnologie profitieren könnten, führte Siemens gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten im Jahr 2019 eine umfassende Marktanalyse durch. Dabei rückte neben Bearbeitungsverfahren wie dem Laserschneiden und Auftragsschweißen vor allem das präzise Fräsen in den Fokus. Was für einen breit angelegten, erfolgreichen Einsatz fehlte, war die erzielbare Genauigkeit. Eine Herausforderung, die inzwischen gelöst ist.

Die Kombination aus Mobilität, Flexibilität und Präzision eröffnet damit Anwendungsfelder (siehe Kasten), die bislang unwirtschaftlich oder technisch nicht umsetzbar waren. Ob mobile Instandhaltung, Großteilbearbeitung oder flexible Fertigungszellen, die neue Generation der Fräsroboter mit speziell entwickelter Spindeltechnologie steht bereit, um Fertigungsprozesse grundlegend zu verändern.

Doch wie und wodurch ist dies jetzt möglich? Die Basis liegt in der stark verbesserten Kinematik, den leistungsfähigen Antriebsmotoren und in der intelligenten Regelungstechnik des patentierten Konzepts Sinumerik Machine Tool Robot (MTR). So erreichen Fräsroboter mit der MTR-Technologie inzwischen eine um den Faktor zehn verbesserte Präzision gegenüber konventionellen Industrierobotern. Das heißt, sie arbeiten im Submillimeter-Bereich und setzen damit neue Maßstäbe für die robotergestützte Zerspanung. Um diese Genauigkeiten an Werkstücken praktisch umzusetzen, ist jedoch noch eine weitere Kernkomponente entscheidend: die Frässpindel. Sie zu entwickeln und zu bauen ist Weiss Spindeltechnologie gelungen, einem Fachbereich von Innomotics.

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Leichtigkeit der Spindel ist entscheidend

Die Herausforderungen waren laut Weiss-Projektleiter Georg Sauer vielfältig und hoch. Besonders wichtig war es, die Spindel so leicht wie möglich zu bauen und dabei dennoch maximale Stabilität und Leistung zu erreichen. Der Ingenieur erklärt: "Im Gegensatz zu stationären Werkzeugmaschinen spielt bei Roboteranwendungen jedes Kilogramm eine entscheidende Rolle, da die Spindel am Ende des Arms sitzt und sich dort das Gewicht vervielfacht." Dementsprechend war konsequenter Leichtbau angesagt. Durch eine angepasste Konstruktion und optimierte Materialauswahl ließ sich dies erreichen.

Die Fräsroboterspindel ist besonders leicht konstruiert und verzichtet auf zahlreiche Peripheriegeräte. © Weiss Spindeltechnologie

Ebenso bedeutend ist es, dass es den Ingenieuren von Weiss gelungen ist, die Peripherieausstattung gering zu halten. Denn Robotersysteme sind in der Anschaffung deutlich kostengünstiger als die meisten Werkzeugmaschinen, "und diesen Kostenvorteil wollten wir natürlich nicht durch teure Zusatzaggregate zunichte machen", erläutert Sauer: "Wir haben unsere Spindel-Baureihe daher bewusst als Asynchron-Variante ausgelegt. Damit werden automatisch eine einige Komponenten überflüssig, die bei Synchronmotoren erforderlich wären. Auch auf eine Drossel konnten wir durch intelligente Motorauslegung verzichten."

Preisbewusste Spindel-Konstruktion

Zudem ist die Betätigung der Spindel-Werkzeugwechseleinheit konsequent pneumatisch ausgelegt, und nicht – wie in Werkzeugmaschinen üblich – hydraulisch. Hintergrund dafür: Roboter verfügen typischerweise über keine Hydraulikaggregate, während ein Druckluftanschluss stets vorhanden ist. Auch diese etwaigen Zusatzkosten wurden so eliminiert. Bei der Kühlung fiel die Entscheidung wiederum auf eine Wasserkühlung, da diese bei vergleichbarer Leistung die geringsten Abmessungen benötigt.

Die neu entwickelten Frässpindeleinheiten für Roboter gibt es zurzeit in fünf Varianten – von der kleinen RS1 (6,6 kW, HSK-A32, 25,7 kg) bis zur den großen RS4 und RS5 (16,5 kW, HSK-A63, 58 kg). Letztere unterscheiden sich lediglich durch die erreichbare Drehzahl. Während die RS4 für bis zu 16.000 min-1

ausgelegt ist, erreicht die RS5 bis zu 21.000 min-1.

Abgestimmte Fräsroboterlösung

Optional lassen sich alle Weiss-Spindeln mit der nach ISO 9409-1 genormten Schnittstelle zum Roboter ausstatten. Damit lassen sich die Frässpindeln grundsätzlich an verschiedenen Robotersystemen einsetzen. Ihr volles Potenzial entfalten sie jedoch vor allem in einer abgestimmten Fräsroboterlösung. In dieser kommen die Kinematik von Autonox Robotics, die CNC-Antriebs- und Steuerungstechnik von Siemens und die Weiss-Frässpindeltechnologie zum Einsatz.

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