Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie

VDW hebt Produktionsprognose an

Die Investitionslust der Industrie in Deutschland und Europa zeige sich trotz Brexit, Flüchtlingskrise, Unruhen in der Ukraine und politische Verwerfungen in der Türkei erstaunlich robust, erklärte Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), anlässlich der heutigen AMB-Eröffnungspressekonferenz in Stuttgart. Die Prognose für die Werkzeugmaschinenproduktion wurde für 2016 auf 2 Prozent angehoben.

Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken).

Im ersten Halbjahr 2016, so Schäfer weiter, liefen die Geschäfte für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie besser als erwartet. Der Auftragseingang legte mit 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr kräftig zu. In- und Auslandsbestellungen trugen gleichermaßen dazu bei. Die Inlandsnachfrage notierte ein Zehntel höher, die Auslandsorders legten sogar um 13 Prozent zu.

Die höhere Nachfrage resultierte vor allem aus dem guten Inlands-geschäft und aus Großprojekten der Automobilindustrie in China und Mexiko. Davon profitierten Bearbeitungszentren und Fräsmaschinen. Alle anderen Technologien der Zerspanung, aber auch wesentliche Bereiche der Umformtechnik, schneiden unterdessen bei der Auslandsnachfrage schwächer ab. Im Inland hingegen liegt die Zerspanung insgesamt zwar nur mit 2 Prozent im Plus. Jedoch profitiert die ganze Breite der Technologien vom Nachfragezuwachs. Die Inlandsbestellungen in der Umformung stiegen sogar um 31 Prozent. Dem liegen Sondereffekte im Pressenbau zugrunde, die ebenfalls von der Automobilindustrie initiiert sind.

Anzeige

Auch andere Kennzahlen für die Branche haben sich im Laufe des Jahres positiv entwickelt. So stieg die Kapazitätsauslastung zuletzt wieder leicht an, von 86,3 Prozent im April auf 86,6 Prozent im Juli dieses Jahres. Der Auftragsbestand wuchs von 6,8 Monaten im Februar auf 7,1 Monate im Juni dieses Jahres. Die Beschäftigung schließlich zog im ersten Halbjahr um knapp ein Prozent an auf 68 700 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Produktionsprognose nach oben revidiert

Die Produktion war im ersten Halbjahr 2016 mit minus 1 Prozent leicht rückläufig. 7 Prozent Zuwachs verbuchten jedoch Service und Instandhaltung, ein kontinuierlich wachsendes Geschäft, das den Maschinenabsatz hervorragend ergänzt. Angesichts der positiven Bestellentwicklung in den ersten sechs Monaten geht der VDW davon aus, dass mindestens ein Teil der Aufträge noch im laufenden Jahr produziert wird. Deshalb erwarten wir nunmehr 2 Prozent Plus für die Werkzeugmaschinenproduktion. Zu Beginn des Jahres stand an dieser Stelle noch 1 Prozent Plus. Von den beiden Messen AMB und IMTS, die zeitgleich in den USA stattfindet, werden ebenfalls Impulse aus zwei wichtigen Märkten erwartet.

Export bleibt im Minus

Die Ausfuhren der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie blieben im ersten Halbjahr 4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Rückläufig sind vor allem die Exporte nach Europa mit minus 8 Prozent. Während große Märkte wie Italien, Polen und die Schweiz stabil bleiben, ziehen der Brexit in Großbritannien und die schwierige Lage in der Türkei die Ausfuhren nach unten. Die Lieferungen nach Russland sind weiter um mehr als ein Drittel gesunken. Lichtblicke unter den Top-15-Absatzmärkten sind Frankreich, Ungarn, Spanien und die Niederlande.

Entwicklungsperspektive gut

Betrachtet man die Bestellungen nach Ländern im ersten Halbjahr, wird sich das Bild bei Export und Umsatz im zweiten Halbjahr wandeln. Der Auftragseingang aus allen drei Regionen in der Triade ist zweistellig im Plus. Asien hat erneut die Führungsrolle übernommen, getrieben durch China. Europa steht mit 14 Prozent Plus auf Platz 2. Italien, Frankreich, Spanien und Polen laufen gut. Die Bestellungen aus Schweden haben sich sogar fast verdreifacht. Großbritannien scheint den Brexit bereits verdaut zu haben. Der Rückgang der Bestellungen ist deutlich abgeflacht. Auch die Türkei ist leicht im Plus. Unklar ist jedoch, wie sich die politischen Turbulenzen auswirken, sollten sie weiter andauern. Selbst die Bestellungen aus Russland haben offenbar die Talsohle durchschritten. Sie ziehen zweistellig an.

In anderen europäischen Ländern, Wettbewerbern der deutschen Anbieter, ist die Lage durchaus zwiespältig. Etliche Länder kämpfen mit Bestellzurückhaltung. So war der Auftragseingang im ersten Quartal – aktuellere Zahlen gibt es für die meisten Länder derzeit nicht – in Frankreich, Spanien, der Schweiz und Großbritannien rückläufig. Im zweiten Quartal drehte auch Italien ins Minus. Verantwortlich dafür ist vorrangig die Auslandsnachfrage. In Italien und Spanien selbst hingegen wird nach wie vor kräftig investiert.

Der Einkaufsmanagerindex in Spanien, der Schweiz und aktuell auch wieder in Großbritannien liegt mit einem Wert von über 50 im Wachstumsbereich. Das gilt auch für die gesamte Eurozone. Deutschland ist hier der Leuchtturm.

Das wird gestützt durch die Prognosen zu den Investitionsabsichten in Europa und zum Werkzeugmaschinenverbrauch, die das britische Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, für das laufende Jahr abgegeben hat. Demnach sollen die Investitionen in Europa um 2,6 Prozent steigen. Das geht jedoch nicht alles in die Produktionsausrüstung. Beim europäischen Werkzeugmaschinenverbrauch kalkulieren die Experten mit 2,1 Prozent Plus.

Exkurs: Geschäfte mit dem Iran entwickeln sich vielversprechend

Aus gegebenem Anlass will ich einen kurzen Exkurs zum Iran einschieben. Die Messe Stuttgart und der VDW haben im Mai dieses Jahres erstmals gemeinsam in Teheran eine Ausstellung mit Symposium, die AMB Iran Exhibition & Conference, veranstaltet. Der Zuspruch von Aussteller- und Besucherseite übertraf alle Erwar­­tungen. Das große Interesse wird nun auch durch die Zahlen zum bilateralen Geschäft mit dem Iran gestützt. Die Exporte haben sich im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt, die Bestellungen sogar mehr als verfünffacht. Natürlich starten wir von niedrigem Niveau. Jedoch bieten diese Zahlen eine gute Vorlage für die nächste Veranstaltung vom 23. bis 26. Mai 2017.

VDW präsentiert Attraktionen für den Nachwuchs und Prozesskette im Rahmen des Innovationpark

Die VDW-Nachwuchsstiftung unterstützt auf der AMB die Nachwuchswerbung der Unternehmen. Im Atrium am Eingang Ost befindet sich die Sonderschau Jugend unter dem Motto „Mach was mit Zukunft. Deine Chance im Maschinenbau.“ 14 namhafte Partner wollen gemeinsam mit der VDW-Nachwuchs­stiftung junge Menschen für Berufe in der Metallbearbeitung be-geistern. Darüber hinaus haben Ausbilder und Lehrer die Möglichkeit, sich bedarfsorientiert über die rechnergestützte Fertigung und die Vielfalt einer zukunftsorientierten Ausbildung beraten zu lassen. Im Fokus stehen u.a. digitale Fertigungsprozesse in der Ausbildung, CAD-Technologie mit 3D-Druckver­fahren, Qualifizierungsmaßnahmen für Ausbildungsverantwortliche, Industrie 4.0 und digitale Medien in der beruflichen Bildung sowie die handlungsorientierten Schulungsunterlagen. Mit ihnen unterstützt die VDW-Nachwuchsstiftung die Ausbildung auf dem neuesten Stand der Technik.

In Halle 4 zeigt die IndustryArena, eine Tochtergesellschaft des VDW und ehemals CNC-Arena, die sich 2015 umbenannt hat, im so genannten Innovation Park „Competence in production“. Elf Partner präsentieren in täglichen Livevorführungen ihre Innovationen. Im angeschlossenen Fachforum informieren die beteiligten Aussteller über software-technische Aspekte der Produktion.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Digitalisierte Produktion

Gut verzahnte Softwarelösung

Liebherr-Verzahntechnik fertigt am Standort Kempten seit Jahren bereits mannlos. Und das, obwohl keine ihrer Maschinen in Serie vom Band läuft. Dass die Firma trotz des hohen Individualisierungsgrades ihrer Produkte effizient, termingerecht und mit...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige