Editorial

High-Five mit Cobot

Wenn Angela Merkel in diesem Jahr auf der Hannover Messe Industrie am Stand von Festo aufschlägt, wird ein neuer Kollege des Familienunternehmens sie begrüßen: Bionic Cobot. In seinen Bewegungsmustern ist der Roboter dem menschlichen Arm nachempfunden. Er macht sich dabei den natürlichen Wirkmechanismus von Bizeps- und Trizeps-Muskel zunutze. Dadurch kann er wie sein biologisches Vorbild sehr feinfühlige Bewegungen ausführen. Und Angela Merkel möglicherweise die Hand geben. Oder wird er sie eher mit High-Five begrüßen?

Der Clou des Ganzen: Der Roboter ist wie alle Projekte des Bionic Learning Networks von Festo pneumatisch angetrieben.

Die Frage aller Fragen aber, nämlich die nach den Kosten, bleibt bei allem Erfindergeist erstmal unbeantwortet. Bei schnellen Bewegungen sei ein elektrisch betriebener Roboter natürlich günstiger im Betrieb, heißt es aus dem Hause Festo, der Bionic Cobot punkte bei Anwendungen, in denen bei hoher Kraft etwas im Stillstand gehalten werden muss – ein selbstständiger Schraubstock quasi. Das Konzept sei dazu gedacht, zu zeigen, wie eine ungefährliche Mensch-Roboter-Kollaboration in Zukunft aussehen könnte.

Die Betonung liegt auf „in Zukunft“, denn im Moment noch sind die Kosten für die Drucklufterzeugung das Zünglein an der Waage und bei vielen Betrieben ein unüberschaubarer Faktor. In vielen kleineren und mittleren Unternehmen wissen die Entscheidungsträger nicht, wie viel ein Kubikmeter Druckluft kostet. Die Unternehmen, die auf der Internationalen Leitmesse für Druckluft- und Vakuumtechnik, der ComVac nämlich, ausstellen, schaffen dem Abhilfe.

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Ein Trend, der sich in Hannover in den Hallen 26 und 27 abzeichnet, ist das Kaufen von Luft, das Druckluft-Contracting. „Dadurch werden liquide Mittel geschont“, erklärt Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Kaeser Kompressoren, gegenüber SCOPE. „Fixkosten gehen in variable Kosten über, der Kunde kauft lediglich die Druckluft, die er wirklich verbraucht.“ Der Hersteller der Kompressoren betreibe die Anlage. „Die Verantwortung für Effizienz und Verfügbarkeit geht vom Kunden auf den Betreiber über.“ Darüber hinaus erlauben Datenüberwachungsprogramme, wie sie beispielsweise Atlas Copco Airpower anbietet, die Produktivität einer Druckluftcontracting-Anlage rund um die Uhr zu überwachen. Industrie 4.0 lässt grüßen.

Ob Druckluft-Contracting oder eigene Anlage, das entscheidet lediglich der Rechenschieber. Für die Gesenkschmiede Bharat Forge CDP im nordrhein-westfälischen Gevelsberg ist eine eigene Anlage günstiger. Denn die Branche hat an der Energieschraube gedreht: Die neuesten Pumpen und Kompressoren brauchen nur halb so viel Energie wie ihre Vorläufer.

Sie sehen: Es wird hart daran gearbeitet, dass Bionic Cobot bald auch Ihren Mitarbeitern zur Hand gehen kann.

Evelin Eitelmann

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