Jörg Schulden von Rodriguez über Lineartechnik

Eigenkonstruktionen bedeuten Trial & Error

Versierte Lineartechnik-Anbieter kümmern sich neben Standardlösungen auch um problemspezifische Entwicklungen, erläutert Rodriguez-Geschäftsführer Jörg Schulden im Interview. Dagegen stehen Kosten, die sich aus Zeit und Manpower addieren, bei Eigenlösungen in der Lineartechnik.

Kleiner, leichter, besser: Das sind die Trends in der Lineartechnik. (Fotos: Rodriguez)

 handling: Im Rahmen der verstärkten Automatisierung gibt es auch im Bereich der Lineartechnik einen Trend zu „kleiner und leichter bei gleicher oder besserer Leistung.“ Sind hier die Grenzen nicht eigentlich schon erreicht?
Jörg Schulden: Gerade im Bereich der Werkstoffe und bei der Produktionstechnologie geht die Entwicklung immer weiter. Gewicht und Bauraum sind im Rahmen des immer mehr in den Vordergrund rückenden Themas Energieeffizienz wichtige Aspekte. Vielfach führte die Weiterentwicklung von bestehenden Produkten dazu, dass kleinere Abmessungen eingesetzt werden können. Ein Beispiel ist die Tragfähigkeit von Linearführungen und Linearantrieben. Durch den Einsatz von leistungsfähigeren Produkten, beispielsweise eines Rollengewindetriebs anstelle eines Kugelgewindetriebs, ist eine Optimierung des Bauraums möglich und von den Kunden eine gerne in Anspruch genommene Option.

handling: Rodriguez bietet im Bereich der Lineartechnik ein umfangreiches Portfolio. Wo sehen Sie die Schwerpunkte?
Schulden: Unser Fokus liegt schon seit jeher auf der optimalen Umsetzung von Kundenwünschen. Unsere langjährige Erfahrung in der Realisierung von Lösungen solcher Aufgabenstellungen kommt uns dabei zugute. Oftmals ist die Entwicklung einer kundenspezifischen Lösung einfach und führt sehr schnell zu einem nachhaltigen Erfolg in Anwendungen. Solche lineartechnischen Baugruppen und Linearsysteme werden im Rahmen unserer Value-Added-Products entwickelt. Natürlich vernachlässigen wir dabei nicht unser Komponentengeschäft. Hierzu zählen neben komplett bearbeiteten Führungswellen inklusive Zubehör beispielsweise auch Kugelumlaufführungen und Kugelgewindetriebe.

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handling: Was sind die Gründe für den Schwerpunkt auf solche kundenspezifischen Lösungen?
Schulden: Das lässt sich einfach beantworten: Die Nachfrage nimmt schon seit Jahren stetig zu. Der Hintergrund ist, dass gerade lineartechnische Subsysteme bei einer Eigenkonstruktion oft mit einem zeit- und kostenintensiven Trial-&-Error-Prozess verbunden sind. Summiert man die Kosten für Zeitaufwand und Manpower, so lohnt sich der Einkauf einer maßgeschneiderten Lösung. Kunden, die eine Baugruppe oder ein komplettes System von Rodriguez beziehen, profitieren außerdem von zahlreichen technischen Vorteilen. Grundlage der kundenspezifischen Lösungen sind die durch die Anwendung definierten mechanischen und steuerungstechnischen Rahmenbedingungen. Rodriguez übernimmt die Auswahl der geeigneten Komponenten sowie die Konstruktion der Baugruppe. Somit ist gewährleistet, dass die Lösungen auch wirklich sämtliche Anforderungen des Kunden erfüllen.

Rodriguez-Geschäftsbereichsleiter Jörg Schulden sieht Vorteile für die Fremdfertigung von Lineartechniken.

handling: Stichpunkt Materialien: Gibt es hier Innovationen, die für die Lineartechnik relevant sind?
Schulden: In der heutigen Zeit spielt die Auswahl von geeigneten Materialien eine entscheidende Rolle. Um dem Streben nach fortschreitender Automatisierung bei steigender Produktivität gerecht zu werden, ist eine hohe Dynamik erforderlich. Wir legen daher in der Entwicklung von Baugruppen und Systemlösungen Wert darauf, möglichst leichte Werkstoffe einzusetzen. So wird zum Beispiel in unserer Linearachse RLA Aluminium als Kernwerkstoff verwendet. Lediglich die Laufbahnelemente von Linearführungen oder Kugelgewindetrieb sind aus Stahl.

Darüber hinaus haben wir in der jüngsten Vergangenheit Entwicklungen betrieben, die sich unter anderem mit dem Schweißen unterschiedlicher Edelstähle beschäftigen. Wir haben den Bedarf u.a. in der Lebensmittelindustrie und in der Medizintechnik erkannt und uns erfolgreich mit diesem Thema beschäftigt. Wir setzen uns immer wieder anwendungsgetrieben mit solchen Aufgabenstellungen auseinander.

handling: Moderne lineartechnische Lösungen müssen besonders wartungsarm sein. Wie begegnet Rodriguez dieser Anforderung?
Schulden: Produktdesign und Schmierstoffe waren für uns schon immer ein wesentlicher Faktor bei der Produktentwicklung. Wir bieten beispielsweise eine Kugelumlaufführung an, bei der im Standard eine erweiterte Schmierstoffaufnahme gewährleistet ist. Es handelt sich dabei nicht nur um eine kostenpflichtige Option, sondern ein standardisiertes Produktfeature. Dadurch sind wir in der Lage, die übliche Lebensdauer des Produkts deutlich zu erhöhen und parallel die Wartungsintervalle zu verlängern. Diesen Gedanken verfolgen wir auch bei der Entwicklung von Baugruppen und Systemen.

In der Lineartechnik werden verstärkt auch Bedürfnisse der Medizin- und Foodtechnik berücksichtigt.

handling: Die Lineartechnik hat in den vergangenen Jahren immer neue Anwendungsbereiche erobert. Wo sehen Sie hier noch Potenzial und auf welche Branchen konzentriert sich Rodriguez?
Schulden: Wir beobachten natürlich Trends und aktuelle Marktentwicklungen. Zum einen stehen Entwicklungen, die von den Gedanken Energieeffizienz und Umweltbewusstsein gesteuert sind, im Vordergrund. Beispielsweise werden immer häufiger hydraulische Antriebssysteme durch elektromechanische Systeme ersetzt. Zudem setzen sich unsere Kunden heute noch intensiver mit dem Thema Factory-Automation auseinander. Immer mehr Produktionslinien werden automatisiert, selbst in Regionen, die weitläufig als günstige Produktionsstandorte bekannt sind. Außerdem werden in letzter Zeit immer wieder interessante Projekte aus dem Bereich 3D-Druck an uns herangetragen. bw

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