Wartung statt Ersatz

Helena Dreyhaupt | Redaktion: Melanie Steinbeck,

Kreislaufwirtschaft beginnt im Maschinenpark

Im Diskurs rund um Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft liegt der Fokus meist auf Konsumgütern: recyclingfähige Verpackungen, biobasierte Materialien oder textile Wiederverwertung dominieren die Debatte. Dabei beginnt Ressourcen schonen viel früher – nämlich bereits im Maschinenpark. Denn wer Maschinen instand hält, modernisiert und langfristig nutzt, leistet einen wirksamen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.

Ein Walzwerk vor der Modernisierung: Ausfallzeiten, CO2-Ausstoß sowie Energie- und Wartungsaufwand sind hoch. © Deguma

Maschinen sind die zentralen Stellschrauben für einen nachhaltigeren Umgang mit Energie und Rohstoffen: Sie gehören sowohl in der Herstellung als auch der Entsorgung zu den ressourcenintensivsten Investitionsgütern in der Industrie – obwohl sie grundsätzlich für jahrzehntelangen Einsatz ausgelegt sind. Genau hier setzt ein Umdenken an: Die Lebensdauer von Maschinen zu verlängern ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch ein aktiver Beitrag zur Ressourcenschonung. Denn: Jede länger genutzte Maschine spart wertvolle Rohstoffe, Energie und CO₂ ein.

Die 5R-Strategie: Nachhaltigkeit für Investitionsgüter

Ein Walzwerk nach der Überholung durch Deguma: Mit dem Deguma efficiency Konzept werden Sicherheit, Energieeffizienz und Langlebigkeit deutlich gesteigert. © Deguma

Im Konsumbereich liest man häufig vom Prinzip der 5R – Refuse, Reduce, Reuse, Repair, Recycle. Dort wird es längst angewendet, doch das Prinzip lässt sich ebenso gut auf Investitionsgüter wie industrielle Maschinen übertragen: Übergeordnetes Ziel ist es, den Ressourcenverbrauch zu minimieren und Abfall zu vermeiden, indem Produkte so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf verbleiben. Statt Maschinen zu ersetzen (Refuse), sollte der Fokus stärker auf der Reduzierung von Ressourcenverschwendung (Reduce) durch regelmäßige Wartung, Reparatur und Modernisierung (Repair) liegen. So kann die Maschine auch weiterverkauft und -verwendet werden (Reuse). Erst irreparable Maschinen sollten fachgerecht für das Recycling entsorgt werden (Recycle).

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Das Prinzip der 5R – auf Investitionsgüter angewendet

  • Refuse: Nicht jede Neuanschaffung ist nötig. Oft lohnt sich eine Weiterverwendung bestehender Anlagen.
  • Reduce: Regelmäßige Wartung reduziert Ausfälle und vermeidet unnötige Ersatzinvestitionen.
  • Repair: Defekte Komponenten lassen sich gezielt instand setzen – effizienter als ein vollständiger Austausch.
  • Reuse: Gut gewartete Maschinen sind besser wiederverkaufbar und bleiben im Wirtschaftskreislauf.
  • Recycle: Erst am Ende des Lebenszyklus steht die fachgerechte Verwertung.

Veraltete Anlagen gelten jedoch schnell als wirtschaftlich unattraktiv: zu hohe Energiekosten, zu hohe Ausfallzeiten, zu hoher CO₂-Ausstoß. In der Praxis, in der wirtschaftliche Argumente oft über umwelttechnischen stehen, wird daher immer noch häufiger an Neuanschaffung gedacht, als an Instandhaltung und Modernisierung. Dabei können mit nur geringem Aufwand auch jahrzehntealte Maschinen auf den aktuellen Stand der Technik und wirtschaftlichen Effizienz gebracht werden.

Schätzen statt Ersetzen: Wartung und Pflege schonen Ressourcen

Trotz der hohen Anschaffungskosten für Neumaschinen wird häufig der Fehler gemacht, Maschinen nach einigen Jahren auszutauschen, ohne den Wert der bestehenden Infrastruktur zu berücksichtigen. Zusätzlich wird der Kauf einer Neumaschine als einmalige Investition betrachtet und Service- und Wartungsverträge als Kostenfalle abgetan. Doch im Gegenteil: Regelmäßige Pflege, Wartungen und Modernisierungen erzielen bei kleinen Kosten langfristige Einsparungen und erhöhte Lebensdauer. Wer investieren will, sollte also vorausschauend denken.

Schon beim Kauf einer Maschine sollten daher bestimmte Aspekte für die Instandhaltung des Investitionsguts beachtet werden. Modulare Bauweisen ermöglichen beispielsweise nachträgliche Erweiterungen und bedarfsgerechte Anpassungen, ohne eine gesamte Anlage ersetzen zu müssen. Das spart nicht nur Kosten und Ressourcen, sondern trägt auch zu einem flexiblen und zukunftssicheren Maschinenpark bei. Komponenten wie Filter oder Schmierstellen, die regelmäßig geprüft werden müssen, sollten gut zugänglich sein, um Wartungs- und Pflegearbeiten effizient durchführen zu können. So werden teure Reparaturen und Ausfälle vermieden werden. Die erhöhte Verfügbarkeit der Maschine führt zu einer höheren Produktivität und damit zu einer höheren Planungssicherheit.

Regelmäßige Wartungen durch Experten bieten außerdem den Vorteil, frühzeitig auf Modernisierungspotenziale aufmerksam zu werden und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Sollte die Maschine doch nicht mehr zum Bedarf passen, kann sie in einem gut gepflegten Zustand zu einem höheren Preis wiederverkauft werden. Gebrauchte Maschinen, die von Unternehmen wie Deguma angekauft werden, bleiben durch gezielte Upgrades weiterhin im Wirtschaftskreislauf und werden nach entsprechender Anpassung an aktuelle Standards wieder zum Verkauf angeboten.

Die EU-Maschinenverordnung als Treiber für Modernisierung

Spätestens zum und mit Inkrafttreten der neuen EU-Maschinenverordnung (2023/1230/EU) im Januar 2027 werden Unternehmen gezwungen sein, sich mit dem Zustand ihrer Maschinenparks auseinanderzusetzen. Mit der Verordnung wird eine wichtige Grundlage für europaweite Sicherheitsstandards von Maschinen geschaffen. Sie ersetzt die bisherige Maschinenrichtlinie (2006/42/EG) und führt im Hinblick auf KI und digitale Technologien neue Anforderungen an die Sicherheit sowie an die Energieeffizienz von Maschinen ein. Die neue Verordnung setzt damit einen zusätzlichen Anreiz, nicht nur auf Neuanschaffungen zu setzen, sondern Wartung und Modernisierung als langfristige Strategie zu betrachten; nicht mehr nur als eine Frage der Kostensenkung, sondern der Betriebsfähigkeit und Rechtskonformität.

Praxisbeispiel: Energieeffizienz durch Modernisierung

Wer in die Modernisierung seiner Maschinen investiert und diese auf den neuesten Stand bringt, kann von Wettbewerbsvorteilen, langfristigen Einsparungen und erhöhter Effizienz profitieren. Ein Beispiel für solche Modernisierungslösungen für Walzwerke ist das Deguma efficiency Konzept.

Nachgerüstete Torquemotoren liefern konstante Drehmomente bei niedrigen Drehzahlen und senken den Energieverbrauch enorm. © Deguma

Ein zentraler Bestandteil dieser Modernisierung ist der Einsatz von Torquemotoren, die besonders bei niedrigen Drehzahlen eine hohe Energieeffizienz bieten. Sie reduzieren den Energieverbrauch, indem sie konstante Drehmomente liefern und so für eine besonders produktive und optimierte Maschinenleistung sorgen, was den Energieverbrauch deutlich senkt. Mit der Reduzierung des Ölverbrauchs als umweltschädlicher Betriebsstoff durch Planetengetriebe minimiert sich außerdem der Wartungsaufwand enorm. Neben den Antrieben spielen die Steuerungs- und Sicherheitstechniken eine ebenso wichtige Rolle bei der Modernisierung von Maschinen für die Kreislaufwirtschaft, insbesondere im Hinblick auf die neue MVO. Moderne Antriebsregler und -systeme wie Frequenzumrichter optimieren den laufenden Betrieb, indem sie bedarfsgerechte Anpassungen der Maschinenparameter vornehmen und überschüssige Energie zurück in den Produktionsprozess führen.

Moderne Sicherheitsnachrüstungen spielen eine wichtige Rolle bei der Modernisierung von Maschinen, insbesondere im Hinblick auf die neue MVO. © Deguma

In Kombination mit neuer Sicherheitstechnik, Steuerungssystemen und mechanischer Generalüberholung kann so der CO₂-Ausstoß, der Wartungsaufwand und die Stillstandsdauer signifikant gesenkt werden. Bis zu 30 % Energieersparnis und bis zu 80 % weniger Wartungskosten sind realistisch – bei einer Lebensdauerverlängerung von bis zu 40 Jahren.

Fazit: Alte Maschinen, neue Verantwortung

Kreislaufwirtschaft muss bei den Maschinen und Produktionsanlagen anfangen – nicht erst bei den Endprodukten und Konsumenten. Prinzipien wie die 5R müssen allgemeingültig gedacht und angewendet werden, um eine wirklich nachhaltige Produktion zu erzielen. Neue Gesetzgebungen und Vorschriften wie die neue EU-Maschinenverordnung unterstützen dieses Umdenken und drängen Betreiber immer mehr zum Handeln.

Dafür müssen Maschinen als erhaltenswerte Investition betrachtet und langfristig gepflegt, regelmäßig gewartet und gezielt modernisiert werden, andernfalls verschwenden Betreiber enormes finanzielles Potenzial. Denn die Energieeffizienz und Einsparungen, die durch modernisierte Antriebssysteme, Steuerungen und Sicherheitstechniken erzielt werden, tragen nicht nur zur Werterhaltung für den Verkauf bei und steigern die Effizienz und Produktivität der Anlagen. Unternehmen, die frühzeitig in die Modernisierung und regelmäßige Wartungen investieren, sichern sich ökologische und ökonomische Vorteile und tragen aktiv zu einer wirklich nachhaltigen Produktion und ganzheitlichen Kreislaufwirtschaft bei.

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