Pumpen-Wartung
Nie wieder volles Rohr
Eigentlich erfordern Brunnen wenig Wartung. Eigentlich. Doch ihre Pumpen verschleißen systematisch. Anwender bemerken es meist erst, wenn es lästig wird, zum Beispiel beim Rückgang der Wasserförderung, bei Sediment im Wasser oder dem Absinken des Wasserspiegels. Regelmäßige Kontrollen schützen vor teuren Ausfällen.
Kaum ein Brunnen bleibt lange im Neubauzustand: „Rohre, Filterschlitze und Kiesfilter sowie angrenzendes Locker- und Festgestein versintern oder verockern“, erklärt Martin Knobbe, Experte vom Brunnen-Service in Essen. Die häufige Verockerung könnten auch Laien erkennen: Ein rostbrauner Belag überzieht alle wasserführenden Teile der Anlage. Er entsteht durch die Ausfällung von Eisen- und Manganoxiden. Zunächst ist er schleimig weich, verhärtet jedoch im Zeitverlauf zu steinähnlichen Inkrustierungen. Diese lassen sich später weder mechanisch noch chemisch lösen, so dass umfassende Neuinvestitionen anstehen.
Eine Versinterung mit ähnlichem Ausgang wird meist bei kalkhaltigem Wasser beobachtet. Neben Belägen gibt es Versandungen, Verschleimungen und Aluminiumausfällungen, die dem Brunnen ebenso zusetzen können. „Kaum einer sprudelt ewig“, bilanziert Knobbe nach 18 Jahren Berufserfahrung.
Schnell ins Geld geht es bei der Pumpe als Herzstück der Anlage. Kommen Ablagerungen ins Spiel, so läuft sie alsbald hydraulisch, mechanisch oder elektrisch außerhalb der Sollwerte: ein technisch wie finanziell ungünstiger Zustand. Hersteller empfehlen daher, Brunnenpumpen stets eine Nummer größer auszulegen. Ihre Begründung: „Durch den Leistungsüberschuss werden die negativen Effekte der Verockerung über lange Zeit kompensiert“, sagt etwa Holger Berg, Anwendungsberater bei Caprari in Fürth. Größere Pumpen seien zudem vergleichsweise effizienter in puncto Strömungsverhalten, Wirkungsgrad und Energieverbrauch.
Wie läuft eine Regenerierung ab? Knobbe schildert verkürzt den typischen Umfang: Nach der Bestandserfassung beginnt die praktische Arbeit mit der Demontage des Brunnenkopfes und dem Ausbau der Pumpe. Dann folgen Wasserproben, die mineralogische Diagnose der Ablagerungen sowie geophysikalische Untersuchungen. Per Schwenkkopfkamera wird die gesamte Rohrtour in Augenschein genommen. Danach läuft die eigentliche Sanierung an. Zunächst wird der gesamte Brunnenausbau mechanisch mit Bürsten oder Düsen vorgereinigt.
Dann folgt ein hydromechanisches Verfahren als wichtigste Maßnahme: Zum Beispiel Hochdruckinnenspülung, Druckimpuls-, Intensiv- oder Hochleistungsentsandung sowie die chemische Regenerierung mit Kieswäscher. Ist letztere erforderlich, wird eine wasserrechtliche Erlaubnis benötigt. Manchmal ist eine Kombination angezeigt, um das beste Ergebnis zu erzielen.
Wichtig ist das gleichzeitige Lösen, Mobilisieren und Abfördern der unerwünschten Partikel unter Aktivierung der Schleppkräfte. So werden sie aus den Filterschlitzen, dem Filterkies und dem Radbereich des Gebirges sowie der Filterschüttung entfernt. Durch Klarpumpen wird auch der Pumpensumpf gesäubert. Nach Erfordernis kann nun eine Desinfektion erfolgen. Die Abschlussuntersuchung per Kamera, Geophysik und gegebenenfalls Laborprobe belegt den Erfolg der Arbeiten. Zuletzt wird die Pumpe eingebaut.
Hier empfiehlt sich zumeist eine Neuanschaffung aus vorgenanntem Grund. Die alte Pumpe kann als Reserve gehalten werden. Knobbes Team setzt oft auf Caprari, einen führenden Hersteller mit Fokus auf Brunnenanwendungen. Für mittelgroße Brunnen mit 45 m³/h zum Beispiel rät Knobbe zu 6-zölligen Tauchmotorpumpen mit 5,5 kW Motorleistung, die auch bei einigen Hundert Gramm Sand im Wasserkubikmeter keinen Schaden nehmen. Dann ist beim ersten Auftreten von Verfall nicht gleich eine neue Pumpe fällig, zumal die größeren Gehäuse die Motorwärme effizienter ableiten können.
Ein Drucksensor, der den Ruhe- und den Betriebswasserspiegel kontinuierlich erfasst, ist ebenfalls ratsam. Zusammen mit den aufgezeichneten Leistungsdaten der Pumpe wie Durchflussmenge und Stromaufnahme könne der Alterungsprozess des Brunnens registriert werden. Hilfreich sei auch ein Temperatursensor, der vor drohender Überhitzung warnt. „Wärme ist ein typisches erstes Anzeichen von Ablagerungen“, ergänzt Berg.
Wie sicher ist der Brunnen?
Knobbe verweist zudem auf die Abdichtung des Brunnenkopfes gegen Sauerstoffeintrag, um eine hygienisch einwandfreie Wasserqualität zu gewährleisten. Auch sollte der Brunnenschacht mit einer funktionierenden Be- und Entlüftung versehen werden. Eine Tauchpumpe auf der Schachtsohle könne Kondenswasser im Schacht verhindern – dies sei ein häufiger Mangel. Für die Arbeiten seien etwa drei Tage zu veranschlagen. „Die Wochenenden bieten sich an.“
Am wichtigsten jedoch sei der allererste Schritt, die Zustandsbeurteilung des fraglichen Brunnens: „Manchmal sind nämlich weder Sanierung noch Regenerierung erfolgversprechend, weil der Brunnen falsch geplant und oder ausgeführt wurde“, so Knobbe. Frühere Baumeister hätten nicht die umfassenden Kenntnisse von heute gehabt. Expertise sei bei der Ertüchtigung gefragt: Ein Brunnen sei ein komplexes Bauwerk mit erheblichen physikalischen Wechselwirkungen, bei der nicht jede Maßnahme zielführend sei. Allerdings sei ein
bestehender Brunnen ein schützenwertes Investitionsgut darstellt, dessen Weiterbetrieb durch eine zeitig richtige Wartung kostengünstig gewährleistet werden kann. ee













