Technologietreffen

Melanie Steinbeck,

Softwaredefinierte Fertigung erreicht die industrielle Praxis

Mehr als 100 Fachleute aus Industrie und Technologie sind Anfang Juli in München zum zweiten Xentara Connection Day zusammengekommen. Die Veranstaltung des Münchner Software- und Lösungsanbieters machte deutlich, wie sich softwaredefinierte Fertigung und Physical AI zunehmend vom Zukunftsbild zum praktischen Einsatz in der Industrie entwickeln.

© Xentara

Zu den Referenten und Ausstellern gehörten Roland Berger, Omdia, WAGO, Advantech, Prognostica, Studio Fluffy, ValueMiner, Benthor Automation, IMACS und Hilscher. Unter den Teilnehmern waren außerdem Vertreter von Unternehmen wie DMG MORI, SACMI, Red Hat, Intel, Phoenix Contact, Capgemini, HCLTech, Concept Reply und Carbyte. Das Interesse an softwaredefinierter und KI-gestützter Fertigung wächst damit über die klassischen Automatisierungsanbieter hinaus.

Software als Grundlage für die Fabrik der Zukunft

In Keynotes, Kundenbeispielen und Live-Demonstrationen ging es vor allem um die Frage, wie sich bestehende Produktionssysteme mit KI, Robotik und intelligenter Automatisierung modernisieren lassen, ohne installierte Anlagen ersetzen oder sich an proprietäre Hardware binden zu müssen. Der Gedanke dahinter: Softwaredefinierte Architekturen sollen vorhandene Maschinen um neue Funktionen erweitern, die digitale Transformation beschleunigen und zugleich bestehende Investitionen sichern.

Von der Strategie zur industriellen Anwendung

Im Rahmen der Veranstaltung gab Xentara außerdem die Ernennung von Andreas Geiss zum Chief AI Officer bekannt. Geiss, der zuvor Führungspositionen bei Siemens und Aleph Alpha innehatte, wird die KI-Strategie des Unternehmens verantworten und die Einführung von Physical AI in der softwaredefinierten Fertigung vorantreiben.

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Das Konferenzprogramm eröffnete Patrick Ruthardt, Principal bei Roland Berger. Er erläuterte, weshalb softwaredefinierte Fertigung aus seiner Sicht die Grundlage für Physical AI bildet. Andreas Geiss sprach über den wachsenden Wettbewerbsdruck auf die europäische Industrie. Anna Ahrens, Principal Analyst bei Omdia, zeigte auf, wie Erkenntnisse aus der Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge künftig auch die industrielle Automatisierung prägen dürften.

Ein Schwerpunkt lag auf der praktischen Umsetzung. Armin Grozinger, CEO von Benthor Automation, demonstrierte ein Lasersystem, das mithilfe softwaredefinierter Automatisierung auf einer echtzeitfähigen Plattform betrieben wird. Damit wurde veranschaulicht, wie sich bestehende Industrieanlagen durch Software modernisieren lassen, ohne Hardware austauschen zu müssen. Jürgen Pfeifer und Alexander Fugmann von WAGO zeigten die Verbindung industrieller Echtzeitsteuerung mit lokaler KI-Inferenz. Kristina Krebs, Mitbegründerin von Prognostica, erläuterte anhand eines Kundenbeispiels, wie KI bereits heute die Qualitätskontrolle in optischen Sortiersystemen verbessert.

Technologie-Ökosystem setzt auf Zusammenarbeit

Auch das breitere Technologie-Ökosystem war vertreten. Dr. Johannes Riesterer von Studio Fluffy zeigte, wie sich wissenschaftliches Rechnen über das Xentara-Ökosystem in industrielle Anwendungen integrieren lässt. Michael Weber von ValueMiner präsentierte einen sprachgesteuerten Roboterarm, der über die Xentara-Plattform betrieben wird. Umar Ahmad von Advantech widmete sich den Möglichkeiten und Grenzen von Edge AI sowie dem Benchmarking entsprechender Systeme. Den Schlusspunkt setzten die Xentara-Gründer Michael Schwarz und Robert Schachner mit einem Ausblick auf Technologietrends, die die industrielle Automatisierung bis 2030 und darüber hinaus prägen sollen.

Begleitend zum Konferenzprogramm präsentierten Xentara und Partnerunternehmen wie WAGO, Hilscher, COLIGO (BE Services), Prognostica, Studio Fluffy, ValueMiner, IMACS, Tronic One und Benthor Automation ihre Lösungen in einer Tabletop-Ausstellung. Vertreten waren außerdem die Open Industry 4.0 Alliance, die ARC Advisory Group sowie Bayern Innovativ / Bavarian Chips Alliance. Ihr gemeinsamer Auftritt unterstrich den kooperativen Ansatz, den die Entwicklung softwaredefinierter und KI-gestützter Fertigung erfordert.

Physical AI rückt in den praktischen Einsatz

„Der Connection Day hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Michael Schwarz, Mitbegründer und CEO von Xentara. „Was besonders hervorstach, war nicht nur die Teilnehmerzahl, sondern auch die Qualität der Diskussionen, die den ganzen Tag über stattfanden. Es war deutlich zu erkennen, dass industrielle KI die Experimentierphase hinter sich gelassen hat. Physical AI ist kein Zukunftskonzept mehr, sondern wird zur praktischen Realität. Vor allem in Deutschland und ganz Europa erkennen Unternehmen, dass sie jetzt handeln müssen, wenn wir im Maschinenbau, in der industriellen Automatisierung und in der intelligenten Fertigung an der Spitze bleiben wollen. Technologieanbieter, Analysten und industrielle Anwender unter einem Dach zusammenzubringen, ist genau das, wofür der Connection Day ins Leben gerufen wurde, und wir sind begeistert von der Resonanz.“

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