Hannover Messe 2017

Zehn Highlights@Industrial Supply

Innovation – das ist das Kerngeschäft von Zulieferern. Wie anders sollten sie ihren Platz im Wettbewerb sonst behaupten? Die 1.700 Aussteller der Industrial Supply auf der Hannover Messe sind gute Beispiele dafür. Doch wer sind die Besten? Um den Fachbesuchern in den Hallen 4, 5 und 6 eine Orientierung zu bieten, gibt es in diesem Jahr erstmals das Format Highlights@Industrial Supply. Eine unabhängige Fach-Jury hat zehn Lösungen und Projekte von Unternehmen der Industrial Supply zu Highlights erklärt. Maßstab dafür war eine Analyse von technologischem Innovationsgrad, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit.

Der Kofferanhänger wird mit einem NFC-Chip (Bildmitte) bestückt, auf den die vCard und Auftragsdaten des Besuchers übertragen werden. So wird das Produkt selbst zum Informationsträger. (Foto: Arburg)

Die angeführten Bewertungen und Begrünudngen stammen von einer unabhängigen Fach-Jury, der folgende Experten angehörten:

  • Prof. Dr.-Ing. Bernd-Arno Behrens, Leiter des Instituts für Umformtechnik und Umformmaschinen, IFUM – Leibniz Universität Hannover
  • Prof. Dr.-Ing. Kirsten Bobzin, Institut für Oberflächentechnik im Maschinenbau der RWTH Aachen
  • Prof. Dr.-Ing. Hans Jürgen Maier, Direktor des Instituts für Werkstoffkunde IW – Leibniz Universität Hannover
  • Prof. Dr.-Ing. Gerson Meschut, Leiter des Laboratoriums für Werkstoff- und Fügetechnik (LWF®) der Universität Paderborn

Und dies sind die zehn Highlights@Industrial Supply:

Trommel-Strahlanlage

Technologischer Innovationsgrad: Mit der Entwicklung der Trommel-Strahlanlage hat Agtos (H6/D18) auf die zunehmenden Anforderungen beim Strahlen von filigranen Bauteilen reagiert. So wurde es möglich, sehr unterschiedlichen Aspekten wie zum Beispiel Robustheit, Prozessüberwachung und geringem Verschleiß der Anlage gerecht zu werden.

Anzeige

Wirtschaftlichkeit: Das System zeichnet sich durch einen verringerten Teileausschuss und eine hohe Verfügbarkeit der Anlage aus. Die Anlage kann in vollautomatische Fertigungslinien integriert werden und ermöglicht bei entsprechenden Werkstücken einen sehr wirtschaftlichen Betrieb.

Umwelt und Gesellschaft: Durch die Verwendung von moderner Antriebs- und Filtertechnik wird ein energiesparender Betrieb der Anlage erreicht.

MultiProtect

Technologischer Innovationsgrad: Mit dem Conti MultiProtect der ContiTech (H6/F18) wurden moderne, robuste Verfahren der zerstörungsfreien Materialprüfung in ein anspruchsvolles Anwendungsfeld transferiert. Das System soll hohe Nachweissicherheit mit einer einfach nutzbaren Bedienoberfläche verbinden.

Wirtschaftlichkeit: Das System ermöglicht die frühzeitige Detektion von Schäden an Fördergurten und erhöht so die Anlagenverfügbarkeit und reduziert die Unfallgefahr. Die vorausschauende Instandhaltung reduziert Zeit-, Personal- und Kostenaufwand und bietet so für den Betreiber erhebliche wirtschaftliche Vorteile.

Umwelt und Gesellschaft: Das System ersetzt röntgenographische Verfahren zur Schadensdetektion durch die Auswertung magnetischer Signale. Unter Arbeitsschutzgesichtspunkten ist dies sehr vorteilhaft. Gleichzeitig werden durch die kontinuierliche Überwachungsmöglichkeiten Gefährdungen für Personal und Umgebung durch Gurtreißer ausgeschlossen.

Sitzobjekt Fuego

Technologischer Innovationsgrad: Mit Fuego von der Esterer Gießerei (H5/B18) werden bewusst sehr unterschiedliche Materialien verbunden. Im Vordergrund stehen bei diesem puristischen Designobjekt neben der eigentlichen Funktion die Materialien und deren Verarbeitung. Hinsichtlich der Gießtechnik stellen die dünnwandigen, großvolumigen Strukturen dabei besonders hohe technologische Herausforderungen dar.

Wirtschaftlichkeit: Die Wirtschaftlichkeit steht nicht im primär im Fokus. Fuego ist vielmehr ein Nischenprodukt für einen sehr speziellen Markt

Umwelt und Gesellschaft: Mit Fuego setzt der Hersteller gezielt auf die Langlebigkeit seiner Produkte. Im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung der Ressourceneffizienz ist dieser Ansatz sehr positiv zu bewerten.

Digital Twin

Technologischer Innovationsgrad: Der Digital Twin by Feinguss Blank (H5/B35) überzeugt mit der Kombination von Vorab-Simulationen und Nachbildung einzelner Fertigungsstufen durch 3D-Druckverfahren. Insgesamt kann hiermit eine Effizienzsteigerung im Entwicklungsprozess von Feingussbauteilen realisiert werden.

Wirtschaftlichkeit: Durch die umfassende Abbildung des Fertigungsprozesses wird es möglich, Material- und vor allem Entwicklungskosten einzusparen. Zudem kann frühzeitig die Wirtschaftlichkeit des späteren Serienprozesses bewertet werden.

Umwelt und Gesellschaft: Die Vorab-Simulation bietet die Möglichkeit zur ressourcenschonenden Entwicklung neuer Feingussbauteile, da umfangreiche Musterfertigungen weitestgehend entfallen können.

„First time right from the virtual to the real world“ 

Technologischer Innovationsgrad: Mit ihrem Produkt verknüpft Festa Solutions (H4/C28) unterschiedliche Softwarelösungen, um dem Kunden eine durchgängige Plattform für die Fertigungsumgebung zu liefern. Ein Aspekt hierbei ist die intensive Einbettung von graphischen Modellen.

Wirtschaftlichkeit: Durch die Simulationsumgebung können Planungskosten reduziert werden. Darüber hinaus ist das Modell skalierbar und daher für unterschiedlich große Fertigungssysteme wirtschaftlich einsetzbar.

Umwelt und Gesellschaft: Mit dem simulationsbasierten Ansatz wird eine ressourcenschonende Planungsumgebung für die Fertigung geschaffen.

Horizontale Integration des Mitarbeiters 

Technologischer Innovationsgrad: Mit dem HelmetGlass-System der Gesis (H6/F04) wird das Konzept der Datenbrille in eine besonders anspruchsvolle technische Umgebung übertragen. Die Kombination von Gestensteuerung und Bilderfassung ermöglicht es, IT-Unterstützung der Mitarbeiter in Arbeitsbereichen anzubieten, in denen dies aufgrund der besonders rauen Umgebungsbedingungen bisher nicht denkbar war.

Wirtschaftlichkeit: Das System lässt für die Anwendung in der Stahlindustrie bereits jetzt Vorteile, zum Beispiel im Bereich der Dokumentation von Prozessen, erkennen. Da die Hard- und Software flexibel an die jeweilige Aufgabenstellung angepasst werden können, lässt sich das Konzept auch auf andere besonders herausfordernde Arbeitsumgebungen übertragen.

Umwelt und Gesellschaft: Die Entwickler des HelmetGlass-Systems haben darauf geachtet, dass durch den modularen Aufbau die einzelnen Komponenten bei Beschädigung gezielt ersetzt werden können.

Rohrverbinder mit Schnellspannverschluss 

Technologischer Innovationsgrad: Mit dem von Jäger Gummi und Kunststoff (H6/C16) entwickelten Rohrverbindersystem wird eine einfachere und sichere Montage von Glasrohren ermöglicht. Gleichzeitig können höhere Arbeitsdrücke als bisher üblich realisiert werden, ohne dass aufwendige Montagewerkzeuge erforderlich sind.

Wirtschaftlichkeit: Durch die Reduktion der Montagezeiten ergeben sich wirtschaftliche Vorteile. Gleichzeitig ist das System wiederverwendbar, sodass neben den technischen Vorteilen, die das System bietet, eine schnelle Amortisation erreicht werden kann.

Umwelt und Gesellschaft: Der Jäger-Rohrverbinder ist wiederverwendbar und durch die Materialauswahl auch gut rezyklierbar. Gleichzeitig leistet er bei der Gewinnung von Biomasse (unter anderem für die Energiegewinnung) einen wesentlichen Beitrag zur Effizienzsteigerung des gesamten Leitungssystems.

"Smarter“ Kofferanhänger

Technologischer Innovationsgrad: Mit dem smarten Kofferanhänger zeigt Arburg in Kooperation mit Pöppelmann (H6/B18) auf, wie die zunehmend wichtiger werdende Individualisierung von Produkten mit den Anforderungen der Massenfertigung zusammengeführt werden kann. Insbesondere die Kombination der Verfahren Spritzgießen und additive Fertigung bietet hierbei viele interessante Möglichkeiten zur Entwicklung innovativer Produkte. (SCOPEonline.de berichtete)

Wirtschaftlichkeit: Das vorgestellte System liefert einen vielversprechenden Lösungsansatz für die aktuellen Herausforderungen durch den Trend zur Individualisierung der Produkte und zeigt Möglichkeiten auf, auch bei Losgröße 1 wirtschaftlich zu fertigen.

Umwelt und Gesellschaft: Mit dem Industrie-4.0-Beispiel wird auch der Ansatz verfolgt, durch die durchgängige Vernetzung einen Beitrag zur effizienten, ressourcenschonenden Fertigung zu leisten.

Kohlenstoffbasierte Diamantelektrode

Technologischer Innovationsgrad: Das Verfahren von Schunk Carbon Technology (H6/A46) überzeugt aufgrund der Kombination von technischem Innovationsgrad und wirtschaftlichem Potenzial in einem unter Umweltgesichtspunkten relevanten Themenbereich. Es ist mit der Entwicklung der kohlenstoffbasierten Substrate gelungen, sehr anspruchsvolle Anforderungen hinsichtlich Oxidationsbeständigkeit, Prozesseffizienz und Kosten bei der Herstellung von Diamantelektroden zu lösen.

Wirtschaftlichkeit: Das System bietet erhebliche wirtschaftliche Vorteile, da das bisher verwendete hochpreisige Trägersubstrat bei der Elektrodenfertigung durch eine deutlich günstigere kohlenstoffbasierte Variante ersetzt wird. Damit könnte letztlich der Durchbruch von einer teuren Nischentechnologie hin zu einem im großen Maßstab industriell nutzbaren Verfahren gelingen.

Umwelt und Gesellschaft: Die Aufbereitung von Abwässern stellt ein zunehmend wichtiger werdendes Thema dar. Mit der kohlenstoffbasierten Diamantelektrode kann bei vollständigem Verzicht auf den Einsatz von umweltgefährdenden Chemikalien eine sehr effiziente Abwasserreinigung erreicht werden.

I-Kal System

Technologischer Innovationsgrad: Das I-Kal System der Kunststoffwerk Zitta (H6/D18) geht über den bisherigen Stand der Technik hinaus. Erstmals wird es möglich, Hohlkammerprofile aus Thermoplasten beim Extrudieren auch innen zu kalibrieren. Damit eröffnen sich für den Konstrukteur neue Möglichkeiten. Da extrudierte Profile bereits heute in unterschiedlichsten Branchen eingesetzt werden, ist zu erwarten, dass eine hohe Marktdurchdringung erreicht werden kann.

Wirtschaftlichkeit: Das Verfahren hat das Potenzial, eine Vielzahl neuer Anwendungsgebiete zu erschließen. Es ist davon auszugehen, dass die neuen Möglichkeiten in der Fertigung auch zu erheblichen wirtschaftlichen Vorteilen führen werden.

Umwelt und Gesellschaft: Das I-Kal System ist primär als eine neue Fertigungsmethode zu sehen. Die eingesetzten Thermoplaste werden hierbei gegenüber der konventionellen Fertigung nicht nachteilig verändert, sodass die sehr gute Rezyklierbarkeit der Werkstoffe erhalten bleibt. cs

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Cybersecurity

Sicherheit durch maschinelles Lernen

Die Cybersicherheit industrieller Anlagen ist darauf eingestellt, dass mögliche Angriffe den technologischen Prozess unterbrechen können. Dies ist mit katastrophalen Folgen verbunden, die nicht nur finanzieller Natur sein müssen.

mehr...