ZVEI Automation
Erholung für 2021 erwartet
Der ZVEI-Fachverband Automation ist sich sicher: Mit entscheidend für die Bewältigung der Corona-Krise ist, wie digital fit die Unternehmen sind. Für das kommende Jahr wird ein Aufschwung erwartet.
Mit 34,5 Milliarden Euro liegt der in Deutschland gemeldet Umsatz der Automation in den ersten neun Monaten 11 Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum. Keine Frage, die aktuelle Konjunktur der Automation ist weiterhin schwierig. Roland Bent, Mitglied des Vorstands des ZVEI-Fachverbands Automation betont jedoch, dass die preisbereinigte Produktion bereits Ende 2018 gegenüber den Vorjahreswerten ins Negative gedreht ist. Allerdings wurden strukturelle und konjunkturelle Themen in Deutschland durch die Corona-Pandemie nochmal verschlechtert. Positiv ist allerdings, dass Deutschland die Talsohle im Mai durchschritten hat. Roland Bent: „Auch wenn die aktuelle konjunkturelle Lage nur schwierig einzuschätzen ist und die Unsicherheit Pandemiebedingt hoch bleibt, rechnen wir für das nächste Jahr mit einer deutlichen Erholung."
Europa stärkste Exportregion
Im Zuge der Corona-Pandemie sind die Exporte von Januar bis September 2020 um 11,4 Prozent auf 30,8 Mrd. Euro gefallen. Während fast alle Abnehmerländer hier einen Rückgang im zweistelligen Bereich darstellen, sind die Exporte nach China in den ersten 9 Monaten um 5,2 Prozent gewachsen.
Dennoch ist Europa nach wie vor stärkste Abnehmerregion. In Länder der Europäischen Union exportieren deutsche Automatisierer rund 45 Prozent ihrer Waren, weitere 9 Prozent gehen in die übrigen europäischen Länder.
In Hinblick auf den prozentualen Anteil am Weltmarkt tun sich fünf Handelsländer für Automation hervor: die USA mit 13 Prozent, Deutschland mit 4 Prozent, China mit 43 Prozent, Japan mit 4 Prozent und Südkorea mit 5 Prozent. Insgesamt hat der Weltmarkt ein Volumen von 558 Milliarden Euro und ein Wachstum um durchschnittlich jährlich 4,6 Prozent seit 2000. „Für 2020 erwarten wir in der Prognose einen Rückgang von minus 3Prozent. Aber: Schon im Jahr 2021 rechnen die Volkswirte hier wieder mit einer Erholung und der Fortschreibung des Wachstums. China ist in der Vergangenheit jährlich um fast 15Prozent gewachsen, so dass sich jetzt auch durch die Pandemie der chinesische Markt weiter Richtung 50Prozent des Weltmarktes nähert", so Bent.
Deutschlands Situation im Handelsstreit USA vs. China
Deutschland exportiert fast doppelt so viel an Automationsprodukten wie es importiert. 15 Prozent zu 8 Prozent und liegt damit zwischen den USA und China. Rund 15 Prozent der exportierten Automatisierungsprodukte gehen nach Amerika, 38 Prozent der Exporte nach Asien. „ Das heißt: Für die Automation wäre eine Systementscheidung pro westlich gegen China oder pro China gegen USA fatal", schätzt Bent die Lage ein, sollte es zu weiteren Spannungen im Handelsstreit zwischen China und den USA ein. Bent weiter: „ Wir sehen, dass wir uns konjunkturell in einer schwierigen Lage befinden. Neben der Corona-Krise hat das auch außenwirtschaftliche Gründe: Der weiterhin ungelöste Handelskonflikt zwischen China und den USA, auch die anhaltenden Unsicherheiten Europas mit den USA, der nahende Brexit. Diese Gemengelage aus Zyklus und außenwirtschaftlichen Spannungen kann nicht ohne Auswirkungen bleiben."
Digitalisierung und Nachhaltigkeit für Automatisierer von höchster Wichtigkeit
Dass die Automatisierungstechnik bislang so gut durch die Corona-Krise gekommen ist, liegt auch an deren Anpassungsfähigkeit. Dabei hat sich gezeigt, dass die Digitalisierung auch hier eine entscheidende Rolle spielt: „Wir sehen, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung elementar davon abhängen, wie digital fit wir sind. Durch die Krise kommen die Unternehmen am besten, die bislang schon in Digitalisierung investiert haben", so Bent.
Der Branche zu Gute kommen zudem langfristige Entwicklungstrends wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung, denn hier genießt die Automation einen hohen Stellenwert. „Wir möchten uns jetzt 2 Themenbereiche ansehen, die in der Automation höchsten Stellenwert genießen: Digitalisierung und Nachhaltigkeit", so der Vorstand des ZVEI-Fachverbands Automation. Er betont, dass die Automation gerade in der Corona Krise ihre Stärken ausspielt und einen wichtigen Beitrag zur Fortsetzung der Produktion geleistet habe. „Es zeigt sich, dass ein hoher Automatisierungsgrad durch Steuerungen, Sensorik, Aktorik hilft, die Produktion auch unter Wahrung der Corona-Sicherheitsregeln aufrechtzuerhalten."
Auch zum Klimaschutz trägt die Automatisierungstechnik einen wichtigen Beitrag bei. Das zeigt auch das Beispiel CO2-neutrale Fabrik durch Gleichstromnetzte: 70 Prozent des in der Industrie anfallenden Stromverbrauchs entfallen auf Elektromotoren, die damit der größte Verbraucher elektrischer Energie sind. „Ein gleichstrombasiertes Smart Grid in der industriellen Produktion ist deutlich energieeffizienter als eine wechselstrombasierte Energieversorgung", so Gunther Koschnick, Fachverbandsgeschäftsführer Automation. „In Modellanlagen konnten wir nachweisen, dass die Energieverbräuche im Durchschnitt bis zu zehn Prozent gesenkt werden können." Hinzu kämen auch Materialeinsparungen.
Industrie 4.0 mit 5G
Ein Jahr nach Inkrafttreten der Vergabebedingungen für lokale industrielle und landwirtschaftliche Mobilfunknetze, sogenannte 5G-Campusnetze, sind bereits knapp 90 Anträge bei der Bundesnetzagentur eingegangen. „Die hohe Nachfrage ist sehr erfreulich. Campusnetze sind in Verbindung mit Industrie 4.0-Anwendungen essenziell für den Industriestandort Deutschland und Voraussetzung für eine fortgesetzte starke Stellung im internationalen Wettbewerb", erklärt Koschnick.











