Weltleitmesse der Metallbearbeitung
Gauck eröffnet EMO in Hannover
Zur EMO Hannover 2013 zeigen mehr als 2.100 Hersteller von Produktionstechnik aus 43 Ländern noch bis zum 21. September "Intelligence in Production". Bundespräsident Joachim Gauck erteilte in seiner Eröffnungsrede am Montag Produktpiraterie und unfairen Handelspraktiken eine klare Absage.
Die Branche erwartet von diesem weltweit größten und wichtigsten Innovationsforum für die Metallbearbeitung Impulse für das Geschäft der kommenden Monate. Das bestätigte Martin Kapp, Vorsitzender des EMO-Veranstalters VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), anlässlich der EMO-Eröffnungspressekonferenz. "Die internationale Werkzeugmaschinenindustrie geht davon aus, dass die Konjunktur 2014 wieder anspringt", sagte er. Dafür sprächen insbesondere die Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum, die Industrieproduktion und die Investitionen der wichtigsten Abnehmerbranchen. Automobil- und Zulieferindustrie, Maschinenbau, Metallerzeugung, Metallbe- und -verarbeitung, Elektroindustrie, Feinmechanik und Optik einschließlich Medizintechnik sowie der sonstige Fahrzeugbau (Luftfahrtindustrie, Schienenfahrzeug- und Schiffbau) sollen 2013 nach Vorhersagen der britischen Wirtschaftsforscher von Oxford Economics weltweit um 6,5 Prozent steigen. 2014 werden sie sich mit 12,7 Prozent sogar fast wieder verdoppeln. "Das lässt sich zwar nicht eins zu eins auf die Investitionen in Werkzeugmaschinen übertragen, der Trend ist jedoch eindeutig", resümierte Martin Kapp.
Internationaler Werkzeugmaschinenverbrauch eilt von Rekord zu Rekord
Das zeigt auch der internationale Werkzeugmaschinenverbrauch. Er steuert von Rekord zu Rekord. Im laufenden Jahr wird ein Anstieg um 2 Prozent auf rd. 68 Mrd. Euro erwartet. Das ist der höchste Wert, der jemals erreicht wurde. Im kommenden Jahr soll er bereits wieder eingestellt werden. Die Top-10-Märkte legen ausnahmslos zu. Insbesondere China, Südkorea und Taiwan sind die Zugpferde in Asien; in anderen Regionen der Erde kurbeln auch die USA, Mexiko und Russland ihren Werkzeugmaschinenverbrauch an.
Deutschlands Werkzeugmaschinenproduktion 2013 stagniert
Deutschland gehört zu den großen Akteuren in der internationalen Werkzeugmaschinenszene und ist ein Schwergewicht für die Entwicklung des Werkzeugmaschinengeschäfts. Im vergangenen Jahr produzierten deutsche Hersteller Maschinen und Dienstleistungen im Wert von 14,2 Mrd. Euro. Das entsprach einem Zuwachs von 10 Prozent und damit dem Vorkrisenniveau des Jahres 2008. "Für das laufende Jahr gehen wir davon aus, das hohe Vorjahresergebnis halten zu können", sagte Kapp. Damit dies so kommt, müssten die Bestellungen im zweiten Halbjahr 2013 besser laufen als in den ersten sechs Monaten. Ausgehend von den Rekordaufträgen des Jahres 2011 ist die Nachfrage spürbar abgekühlt. Insgesamt sank der Auftragseingang im ersten Halbjahr um 13 Prozent. Die Inlandsbestellungen verloren 19 Prozent, die Auslandsorders 9 Prozent.
Dennoch stabilisiert sich der Auftragseingang derzeit. Zu den Wachstumstreibern gehören Russland, Südkorea, Brasilien und Mexiko, aber auch Großbritannien, Österreich und Italien. Die Inlandsbestellungen drehten im Juli dieses Jahres sogar erstmals seit 17 Monaten wieder ins Plus. Positive Signale kommen auch von den wichtigen Abnehmern in Deutschland, die 2014 wieder mehr investieren wollen. "Spätestens damit dürfte sich auch die Auftragslage der Werkzeugmaschinenindustrie wieder ins Plus drehen", sagte Kapp. Entsprechend zeigt das Ifo-Geschäftsklima in der deutschen Investitionsgüterindustrie nach oben, ebenso wie der Einkaufsmanagerindex, der für die Eurozone mit Deutschland an der Spitze erstmals seit zwei Jahren wieder im Wachstumsbereich liegt.
Bundespräsident Gauck fordert verlässliche Bedingungen für den Mittelstand
Die EMO Hannover 2013 wurde am Vormittag von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet. In seiner Rede vor mehr als 800 in- und ausländischen geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik wies der Bundespräsident auf die große Bedeutung der mittelständischen Industrie hin, auf ihre Flexibilität, ihre Dynamik und ihre Innovationsfähigkeit. Gerade diese Unternehmen seien besonders auf verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen angewiesen. Daher teilte er Protektionismus, unfairen Handelspraktiken und Produktpiraterie eine klare Absage. "Gegen den Diebstahl von Patenten werden wir unsere Kräfte bündeln. Auch den Diebstahl von Daten innovativer Unternehmen werden wir nicht hinnehmen. Hier sind internationale Verabredungen notwendig, um Verlässlichkeit sicherzustellen", so Gauck.
Gleichzeitig ermunterte er die Unternehmen zu mehr Investitionen in Deutschland und Europa. Europa könne seinem Führungsanspruch auf Mitgestaltung in der Welt nicht gerecht werden, wenn nicht in die Zukunft investiert würde. "Belassen Sie es nicht dabei, den Standort Deutschland zu nutzen. Bauen Sie diesen Standort gezielt aus", rief er den Unternehmern zu. Chancen für junge Menschen in Europa schaffen, in Bildung investieren, die Innovationsfähigkeit der Gesellschaft erhalten und damit die Chancen einer offenen demokratischen Gesellschaft nutzen, das sind für Gauck wichtige Stichworte.
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