Editorial

Andreas Mühlbauer,

Europawahl FSK 16

Eine gute Nachricht: In den vergangenen 20 Jahren ist in Deutschland die Wahlbeteiligung bei Europawahlen kontinuierlich gestiegen – von 43,0 % auf zuletzt knapp 64,8 %. Ich mag die Idee, auch jungen Menschen ab 16 eine politische Beteiligung in Form des Wahlrechts zu ermöglichen. Warum eigentlich nur bei Europawahlen?

© Pelemedia

Es gab den Einwand, jungen Menschen fehle es womöglich an der politischen Bildung und Reife. Wäre das ein Maßstab, bräuchten wir allerdings einen „Wahlführerschein“ für Menschen jedes Alters. Anders als andere verantwortliche Tätigkeiten ist Wählen ist nun einmal nicht an gewisse Kenntnisse gebunden. Hier ist einmal mehr Bildung gefragt. Fehlen politisches und gesellschaftliches Engagement auf diesen Gebieten, ebenso wie ein gewisser Nachdruck, kann sich das mittel- und langfristig fatal auswirken.

Ein Beispiel: 2018 untersuchten die Wissenschaftlichen Dienste der Bundesregierung „Die Verankerung des Themas Nationalsozialismus im Schulunterricht“. Darin heißt es unter anderem: „Im Vergleich zur Untersuchung von 2006 erhalte der Nationalsozialismus eine geringere historische Bedeutung...“ und „Der rassistische Antisemitismus als Kern der nationalsozialistischen Ideologie spiele [...] in gut der Hälfte der Lehrpläne keine zentrale Rolle.“ Noch Fragen?

Ohne Hintergrundkenntnisse leidet das Urteilsvermögen völlig unabhängig vom Alter. Das macht es Polemikern, Demagogen und Halbwahrheitisten sehr einfach. Selbstverständlich müssen seriöse Politiker die Menschen mitnehmen, ihre Politik „verkaufen“. Dazu müssen sie sie erklären, nachvollziehbar machen und die Menschen dafür interessieren. Häufig fehlt das.

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Den Ausgang der Europawahlen sehen auch Wirtschaftsfachleute und -verbände kritisch. Ifo-Präsident Clemens Fuest sagt: „Europa [kann] nur erfolgreich sein, wenn die Bereitschaft besteht, nationale Interessen gelegentlich zurückzustellen und zu kooperieren“. DIW-Präsident Marcel Fratzscher ist überzeugt, dass die neuen Verhältnisse Europa als Wirtschaftsstandort schwächen und dass dies Deutschland besonders stark treffen kann. Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA, sagt: „Der Zulauf an Stimmen für die rechtsextremen Parteien in Europa besorgt. Die Stärkung von politischen Gruppierungen, die Freiheit, Wohlstand und Frieden in Europa eher gefährden als fördern, ist ein alarmierendes Zeichen. Diese Entwicklung ist weder im Interesse der Wirtschaft und der Bürgerinnen und Bürger noch der Politik.“

Zum Abschluss noch eine gute Nachricht, diesmal in eigener Sache: Wir haben umfirmiert. Aus WEKA Business Medien wurde die Pelemedia GmbH – mit Peter Eberhard als Inhaber und Geschäftsführer. Für Sie und uns ändert sich ansonsten nichts. Weitere Infos finden Sie auf unserer Firmen-Website: http://www.pelemedia.de.

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