Wirtschaft + Unternehmen
Fortschritt durch Blechwerkstoffe
¿ insbesondere der letzten zehn Jahre. Und eine ständige Herausforderung mit Blick auf den Einsatz neuer Bearbeitungstechnologien. Dazu unser Beitrag von Prof. Dr.-Ing. E. h. Berthold Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter von Trumpf.
Großpressen stellen im Sekundentakt in einem Hub komplette Auto-Seitenwände her. Auf Stufenpressen werden Blechteile komplexer Form gefertigt. Zigtausend gleiche Teile im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. Computergesteuerte Stanzmaschinen können unterschiedlichste Teile aus verschiedenen Materialien in kleinen Serien, ja in Einzelfertigung, ausschneiden und formen. Blech ist heute ein Werkstoff, der die gesamte Fertigungsbandbreite mühelos abdeckt. Es ist ein Werkstoff mit Zukunft.
Blech müsste eigentlich das Herz jedes Umweltbewussten höher schlagen lassen. Es ist bezüglich der Energiebilanz nicht zu schlagen. Blech lässt sich mit minimalem Materialverlust in die endgültige Form bringen ¿ Near Net Shape heißt die Zauberformel. Und: Blech lässt sich hervorragend recyceln.
Die Entwicklung unseres Unternehmens ist auf das engste mit diesem Material verbunden. Wir haben immer an einer breiten industriellen Nutzung dieses Werkstoffes gearbeitet. Wir haben dafür neue Verfahren, wie den Laser für die Materialbearbeitung ¿entdeckt¿, andere Bearbeitungsmethoden durch technische Weiterentwicklung ¿hoffähig¿ gemacht. Das Biegen durch Winkelsensor ist so ein Beispiel.
Ungewöhnlich ist sicherlich die wirtschaftliche Entwicklung, die unser Unternehmen genommen hat. Doch diese Entwicklung basiert auf Innovationen, einer ganz besonderen Unternehmensorganisation und motivierten, eigenverantwortlichen Mitarbeitern. Vor vier Jahren übersprangen wir die Umsatzmilliarde: 45 Jahre haben wir hierzu gebraucht. Keine drei Jahre später sind es zwei Milliarden. Heute sind wir weltweit größter Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen ¿ gemessen am Umsatz.
Blech und Laser in Symbiose
Der wirtschaftliche Erfolg gründet auf der technischen Leistung im Ganzen. Der Laser hat daran zweifelsohne einen hohen Anteil, da er für Blech ein ideales Werkzeug ist. Lasermaschinen schneiden und schweißen mit ein und demselben Werkzeug ¿ dem fokussierten Laserstrahl ¿ sowohl Feinbleche im Zehntel-Millimeter-Bereich als auch Grobbleche mit 20 und 25 Millimetern Dicke.
Wir sehen in der Tat eine Wechselwirkung zwischen der Eigen-Entwicklung und Eigen-Fertigung der Laser und dem Maschinenbau in unserem Hause. Die enge Verzahnung führt von Ideen schnell zu innovativen Ansätzen und nutzenbringenden Lösungen. Laser und Maschine sind bes-tens aufeinander abgestimmt. Jüngstes Ergebnis dieses Zusammenspiels ist die Möglichkeit zur Laserbearbeitung im Hochgeschwindigkeitsbereich, auch bei dickeren Blechen. Die Verbindung aus bewährter CO2-Lasertechnik, erprobten Linearantrieben und der Doppelkopftechnik, macht aus Maschinen hochproduktive, universelle Anlagen. Und technisch ist noch vieles denkbar.
Wettbewerb setzt kreative Kräfte frei
Technologie ist aber, und darauf legen wir Wert, nur ein Weg, durch Veränderungen zu neuen Lösungen zu gelangen. Wir beschränken uns hier bewusst nicht. Denn welche Folgen jedweder Dirigismus hat, zeigt sich uns anschaulich im politischen Niedergang der sozialistischen Diktaturen. Ihnen fehlte es an vielem, aber eben auch an Wettbewerb. Denn Wettbewerb setzt kreative Kräfte frei, weil er Korrekturen überlebensnotwendig macht. Wir haben immer auf Wettbewerb geachtet, auch im eigenen Haus. Mit der Entwicklung der schnellen Stanz- und der schnellen Laser-Schneidmaschine belegen wir diese Überzeugung. Denn beide Technologien stehen in Konkurrenz zueinander. Wir pflegen sie beide und haben auch deshalb mit beiden Erfolg. Umgekehrt sagen wir allerdings auch, dass wir sie beide pflegen, solange sie Erfolg haben.
Bei der spangebenden Fertigungstechnik ist das Komplett-Bearbeiten von Werkstücken durch verschiedene Technologien in einer Aufspannung seit einiger Zeit üblich. Die Vorteile sind klar: Rüst-, Liege- und Durchlaufzeiten werden massiv reduziert, und die geforderte Genauigkeit lässt sich mit geringerem Aufwand oder sogar überhaupt erst durch das Komplettbearbeiten erreichen. Diesen Trend verfolgt auch die Blechbearbeitung. Allerdings haben wir das nicht stark betont. Wer macht sich denn wirklich bewusst, dass die klassische Stanzmaschine ¿ die ja prinzipiell auch umformen kann ¿ seit lan- gem schon in diese Kategorie der Multi-Funktions-Werkzeugmaschinen gehört? Ebenso die Maschinen, die das Stanzen und Umformen mit der Laserbearbeitung verbinden. Und natürlich lässt sich die Biege-Technologie gleichfalls sinnvoll ergänzen ¿ das Laser-Schweißen in der Biegemaschine belegt das.
Zukunft durch flexibles Denken
Wir werden oft nach dem Grund des wirtschaftlichen Erfolgs, also nach unserem Erfolgs-Geheimnis gefragt. Es gibt keins. Es sei denn, man würde das unbedingte Streben nach der jeweils besten Lösung einer Aufgabe ein Geheimnis nennen. Richtig ist, dass es bei uns keine SecondBest-Lösungen gibt! Das ist Prinzip. Und zwar durchgehend im gesamten Unternehmen. Das beginnt in der Entwicklung, findet jedoch seine Entsprechung in der Produktion.
Unser Synchro-Prinzip ist ein Beispiel dafür. Das ist weit mehr als etwa Kanban-Fertigung. Wir stimmen dabei kontinuierlich die einzelnen Einflussgrößen wie Markterfordernisse, Fertigungsbedingungen, Materialfluss und das Mitarbeiterverhalten soweit nur möglich aufeinander ab. Wir verstehen unser Unternehmen als lebendigen Organismus, der sich ständig erneuert und verändert. Alle Organe sollten gleich stark sein und außerdem miteinander harmonieren.
Wir sehen also ¿ durchaus vergleichbar mit einem ernsthaften Künstler ¿ sowohl aufs Ganze, als auch genau auf Details. Und insofern betrachten wir unser Unternehmen durchaus als innovatives Gesamt-Kunstwerk. Das wirtschaftliche Ergebnis ¿ also Umsatz und Ertrag ¿ gehören dazu. Unser Auftragseingang sowie auch die gesamtwirtschaftliche Lage lassen uns erwarten, dass wir im sechsten Jahr in Folge wiederum ein Umsatzplus in der Größenordnung von 20 Prozent erreichen.
Prof. Dr. Berthold Leibinger
Links: http://www.trumpf.com








