Interview

Andreas Mühlbauer / dsc,

Produktion 4.0 lebt

Produktion 4.0 ist mehr als nur ein Schlagwort. Wie sich das in der Praxis darstellt, erläutert Christian Wolf, Geschäftsführer von Hans Turck, im Interview mit Andreas Mühlbauer.

Christian Wolf, Geschäftsführer von Hans Turck. © Turck

Produktion 4.0 – wie stellt sich das für Sie heute dar und wie weit ist die produzierende Industrie auf dieser Ebene angekommen?

4.0 lebt. Als der Begriff zur Hannover Messe 2011 zum ersten Mal vorgestellt wurde, sollte er die vierte industrielle Revolution einleiten. Ob es sich tatsächlich um eine Revolution oder nicht vielmehr um eine Weiterentwicklung der IT- und Softwarelösungen handelt, darüber ist sich die Fachwelt nicht einig. Wie dem auch sei, der Begriff 4.0 steht heute für die digitale Transformation der industriellen Produktion. Und wie bei anderen einschneidenden Weiterentwicklungen in der Industrie, beispielsweise dem Einzug der Ethernet-Technologie, sehen wir einen ähnlichen Verlauf. Ein paar Jahre Diskussion, ein paar Jahre Nutzenabwägung und seit einigen Jahren auch die Umsetzung in konkreten Projekten. Heute ist der Mehrwert des Ansatzes, den wir etwas großzügiger definiert als Industrial Internet of Things IIoT bezeichnen, in unzähligen Anwendungen umgesetzt.

Wo liegen die Schwerpunkte von Turck im Hinblick auf moderne Produktion?

Turck hat den IIoT-Ansatz mit seinem Angebot schon früh unterstützt und sich sozusagen als Wegbereiter der Industrie 4.0 positioniert. Mit smarten Sensoren, intelligenter Vorverarbeitung im Feld und Datenübertragung bis in die Cloud und wieder zurück generieren wir das Lebenselixier des IIoT: Smart Data. Und über unsere Tochter Turck Vilant Systems bieten wir schlüsselfertige RFID-Komplettlösungen für Produktion und Logistik an, einschließlich der Datenanbindung in die Kundensysteme. Als IP67-Spezialist unterstützen wir zudem den Trend zum modularen Maschinen- und Anlagenbau, denn wir bringen mit unseren robusten I/O- und Steuerungslösungen in der hohen Schutzart Intelligenz ins Feld und direkt an die Maschine. Unflexible und aufwendige Schaltschränke werden damit zunehmend überflüssig. Gemeinsam mit unseren Kunden haben wir bereits zahlreiche 4.0-Projekte umgesetzt, vor allem in den Bereichen Condition Monitoring und Predictive Maintenance.

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Wohin wird die Entwicklung gehen, wie wird also die industrielle Produktion der Zukunft aussehen?

Wir werden in den kommenden Jahren die weitere Implementierung von IIoT-Anwendungen in Produktion und Logistik sehen. Was heute noch als besonders innovativ angesehen wird, dürfte bald zum neuen Standard geworden sein. Je mehr Daten erfasst und übertragen werden, umso wichtiger sind Lösungen, die die vor Ort Big Data zu Smart Data machen. So ist es möglich, nur die relevanten Nutzdaten zu übertragen, um übergeordnete Netze und Steuerungen zu entlasten. Zur effizienten Datenübertragung, auch zwischen Maschinen und mobilen Einheiten, werden auch smarte Vernetzungslösungen immer wichtiger. Das bedeutet, dass der kabellose Übertragungslösungen künftig eine wachsende Rolle spielen dürften, vom proprietären Funknetzwerk über WLAN bis hin zu 5G-Mobilfunklösungen. Je effizienter IIoT-Lösungen werden, umso tiefer müssen IT und OT miteinander verzahnt werden. Von daher wird auch in der Industrie mit zunehmenden Kommunikationsmöglichkeiten das Thema IT-Security einen wachsenden Stellenwert einnehmen.

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