Firmenjubiläum

Daniel Schilling,

100 Jahre Balluff: Wachstum mit Daten

Katrin Stegmaier-Hermle, Sprecherin der Balluff-Geschäftsleitung, erklärt zum Firmenjubiläum im Interview mit Daniel Schilling, wie ein Unternehmen mit den richtigen Technologien über 100 Jahre wachsen und sich dabei treu bleiben kann, was Famillienunternehmen besser machen, warum Automatisierungstechnik ein absoluter Wachstumsmarkt ist und wie Balluff die nächsten hundert Jahre angehen will.

Katrin Stegmaier-Hermle, Sprecherin der Balluff-Geschäftsleitung © Balluff

Am Anfang standen Fahrräder, Nähmaschinen und Feinmechanik, heute geht es um Industrial Internet of Things: Was ist über hundert Jahre bei Balluff gleichgeblieben? Wo steckt die Kontinuität hinter der technischen Innovation und Disruption?

Die Antwort auf Ihre Frage steckt in unserem Claim – innovating automation. Was Balluff seit jeher auszeichnet, ist der Antrieb, neuen Technologien mit Offenheit zu begegnen und daraus sinnvolle Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln. Bereits unser Einstieg in die Sensorik in den 50er Jahren zeichnete sich durch den Mut aus, in ein neues, bisher noch nicht abgedecktes Geschäftsfeld vorzudringen. Damals war der Werkzeugmaschinenhersteller Heller auf der Suche nach einem Produktionspartner für elektromechanische Steuerelemente. So kam es, dass Balluff 1956 mit der Produktion des ersten Nockenschalters in Neuhausen begann. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine elektromechanischen Schaltgeräte für elektrische Steuerungen, die unter den rauen Bedingungen einer Werkzeugmaschine funktionierten. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir immer wieder bewiesen, dass wir zum richtigen Zeitpunkt auf die richtigen Technologien setzen: Mit den induktiven Näherungsschaltern Ende der Sechzigerjahre, den RFID-Systemen in den Achtzigerjahren und magnetostriktiven Wegaufnehmern sowie magnetkodierten Wegmesssystemen Anfang der Zweitausender. Die Einführung von IO-Link als erste standardisierte digitale Schnittstelle auf der Feldebene markierte 2006 unseren Einstieg in das Industrial Internet of Things. Intelligente Kamerasysteme erweiterten 2016 unsere Identifikationskompetenz. Seit 2017 treiben wir verstärkt Digitalisierungslösungen voran. Diesen technologischen Meilensteinen gingen kluge und mutige Entscheidungen voran – damals wie heute.

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Was machen Familienunternehmen anders und vielleicht besser?

Balluff ist ein global aufgestelltes Unternehmen. Wir haben Standorte und Vertriebsniederlassungen in fast 70 Ländern. Dennoch spielen ein familiärer und vertrauensvoller Umgang miteinander und kurze Entscheidungswege immer noch eine große Rolle. Als Familienunternehmen sind wir finanziell unabhängiger. Wir treffen unternehmerische Entscheidungen immer im Hinblick auf nachhaltiges Wachstum und sichern so die Zukunft von Balluff langfristig. Genauso wie wir als Geschäftsführer Entscheidungen im Sinne des gesamten Unternehmens treffen, vertrauen wir auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie selbstverantwortlich im Sinne des Unternehmens handeln. Dieses besondere Verhältnis von Vertrauen und Verantwortung zeichnet uns als Familienunternehmen aus.

Heute, 2021, ist das Thema Vernetzung zentral für Balluff. Welche Technologien treiben hier im Augenblick die Entwicklung voran und was trägt Balluff dazu bei?

Unsere Domäne ist es, Daten zu erfassen, diese zu transportieren und zu verarbeiten. Wir sehen großes Potenzial darin, Daten für unsere Kunden noch zugänglicher zu machen. Deshalb wollen wir unser Portfolio von Networking-Lösungen weiter ausbauen. Dazu gehört auch die Datenvorverarbeitung. Zudem möchten wir noch flexiblere Lösungen entwickeln, die dabei helfen, Daten zu generieren, die vorher nur schwer oder nur mit großem Aufwand erfasst werden konnten. Wireless-Technologien sind der Schlüssel, um die industrielle Kommunikation zu entfesseln. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren intensiv an einem IO-Link Wireless Standard gearbeitet und freuen uns sehr darüber, dass wir dieses Jahr mit IO-Link Wireless unser Portfolio für die berührungslose Datenübertragung um einen wichtigen Baustein erweitern können. Die Einführung von 5G wird diesen Bereich noch weiter anfachen.

Ein weiterer wichtiger Baustein guter Automatisierungslösungen ist die Software. Viele Produkte kommen ohne Software gar nicht mehr aus. Auch für uns hat der Bereich eine stetig wachsende Bedeutung: Mittlerweile arbeiten bei uns mehr als 100 Software-Experten. Unser Ziel ist es, durch die passende Software zu unseren Produkten den Aufwand für Installation, Parametrierung und Aktualisierung so gering wie möglich zu halten.

Welche Rolle sehen Sie für den Menschen in der digitalen Fabrik? Wie lässt sich die Schnittstelle optimal gestalten?

Unsere Produkte sorgen dafür, dass die Kooperation von Mensch und Maschine in der Fertigung immer enger und flexibler werden kann, ohne dass darunter die Sicherheit leidet. Durch die Daten, die unsere Lösungen erzeugen, schaffen wir Transparenz über alle Prozesse hinweg und damit die Grundlage für kluge Entscheidungen der Menschen, die die Anlagen und Prozesse steuern.

Die weltweiten Supply Chains sind in den letzten zwei Jahren erheblich unter Druck gekommen. Rohstoffe, Komponenten aber auch qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Welchen Beitrag kann Digitalisierung zur Lösung der Probleme beitragen?

Kurzfristig kann Digitalisierung hier kaum Abhilfe schaffen. Wir beobachten derzeit weltweit, was passiert, wenn eine zunehmende Renationalisierung der globalen Lieferketten auf einen rapiden Anstieg der Nachfrage trifft. Die Märkte sind jedoch generell gut darin, selbst so starke Schwankungen auszugleichen. Langfristig könnte eine konsequente Digitalisierung dabei helfen, flexibler auf kurzfristige Schocks zu reagieren. Das eigentliche Problem sehen wir jedoch in der Knappheit und Endlichkeit von Rohstoffen und dem Fehlen qualifizierter Fachkräfte. In Europa wurde bereits 2010 der Peak für die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter erreicht. Länder wie China werden den demografischen Wandel erst in den kommenden Jahrzehnten so richtig zu spüren bekommen. In der durchgängigen Digitalisierung industrieller Fertigungsprozesse sehen wir den Schlüssel, unseren Wohlstand trotz demografischen Wandels zu halten. Durch die Digitalisierung können wir Verschwendung reduzieren und Ineffizienzen ausmerzen.

Letzte Frage: Balluff hat zum Geburtstag im August einen großen Neubau gestartet. Wo wird die Reise in diesem Gebäude in den nächsten Jahrzehnten hingehen?

Wir bewegen uns im Bereich der Automatisierungstechnik in einem absoluten Wachstumsmarkt mit großem Potenzial. Hardware und Software wachsen noch stärker zusammen. Dadurch ändert sich auch die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten. Die Corona-Pandemie hat uns bereits einen Schub gegeben. Die gesammelten Erfahrungen bringen wir nun in den Bau des neuen Balluff Campus ein. Der Neubau bietet uns die Möglichkeit, das beste aus den beiden Welten zu verbinden – als Katalysator für eine schnellere, agilere und hybride Zusammenarbeit.

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