Management
Energieeffizienz-Programme erfolgreich umsetzen
Energieeffizienz gewinnt in den Unternehmen dramatisch an Bedeutung und wird immer mehr zur Chefsache. Das geht aus einer Studie der Managementberatung Bain & Company hervor. Die Ökosteuer-Erleichterungen deutscher Unternehmen werden schon bald daran gekoppelt, dass ein Energieeffizienz-Management nach DIN existiert. Die Analyse zeigt zudem, dass ein optimierter Umgang mit energetischen Ressourcen einen Changeprozess im Unternehmen erfordert. Der aber kann nur gelingen, wenn das Thema sichtbar vom Top-Management unterstützt wird.
Die Unternehmen in Deutschland investieren verstärkt in die Energieeffizienz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter den Betrieben aus Industrie und produzierendem Gewerbe, die die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) unlängst durchführte. Danach haben die befragten Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren durchschnittlich immerhin 50.000 Euro für ihre Energieeffizienzmaßnahmen ausgegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 lag dieser Wert noch bei 30.000 Euro. Auch in der Zukunft planen die Betriebe Investitionen in Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz; 65 Prozent der befragten Unternehmen wollen weitere Maßnahmen realisieren.
Das Umfrageergebnis zeigt deutlich einmal mehr: Die Energieeffizienz hat inzwischen ihren festen Platz auf der Agenda von Unternehmenslenkern - sei es bei den Schwergewichten der Industrie oder in der mittelständischen Wirtschaft. Michael Füllemann, Partner bei der internationalen Managementberatung Bain & Company in Zürich und Mitglied der Industrie-Praxisgruppe, sagt dazu: "Der Grund für diese Entwicklung ist die Erkenntnis, dass Energieeffizienzprogramme enorme Potenziale freisetzen können. Dazu gehören Kosteneinsparungen, neue Produkte und damit steigende Umsätze, Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Nachhaltigkeit." So beschreibt etwa die Bain-Studie mit dem Titel Hidden Treasure - Why energy efficiency deserves a second look, wie produzierende Unternehmen mithilfe von Maßnahmen zur Energieeffizienz ihr Geschäftsergebnis innerhalb von drei Jahren um durchschnittlich zwei Prozent verbessern können.
Einen zusätzlichen Schub erhält das Thema Energieeffizienz aus Brüssel: Seit der Einführung der Ökosteuer in Deutschland im Jahr 1999 konnten viele produzierende Unternehmen einen Spitzenausgleich geltend machen. Davon profitierten 2012 rund 100.000 Firmen. Für 2013 und für 2014 wird der Spitzenausgleich aber nur noch gewährt, wenn ein Energiemanagement nach der Norm DIN EN ISO 50001 oder ein EU-Ökoaudit zumindest begonnen wurde. Ziel dieser Norm ist es, Organisationen beim Aufbau von Systemen und Prozessen zur Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu unterstützen. Von 2016 an muss dann ein Energie- oder Umweltmanagementsystem verpflichtend nachgewiesen werden. Es wird also nicht einfacher für die Firmen.
Erfolgreiche Energieeffizienz-Programme
Eine ganze Reihe nationaler wie internationaler Unternehmen – unter ihnen echte Energieeffizienzchampions wie beispielsweise Siemens, General Electric, Dow Chemical oder BASF – hat in der Vergangenheit schon erfolgreiche Energieeffizienzprogramme implementiert. Dow Chemical etwa berichtet von Einsparungen in Höhe von 24 Milliarden US-Dollar innerhalb von 18 Jahren. Darüber hinaus haben auch viele deutsche Konzerne wie etwa RWE, Henkel und Heidelberg Cement eindeutige Energieeffizienzziele definiert und entsprechende Maßnahmen ergriffen.
Siemens zeigt besonders eindringlich, wie sich das Thema Energieeffizienz als ein neues, umsatzstarkes Geschäftsfeld etablieren lässt. Weltweit sind die Münchner unterwegs, implementieren Energieeffizienz steigernde Maßnahmen in Unternehmen sowie Institutionen der unterschiedlichsten Branchen und Größen – sei es in einem Hüttenwerk in Mexiko, in einer Automobilfabrik in Spanien, bei einem Textilhersteller in China oder einem Getränkeproduzenten in Deutschland.
Jost Bendel, Leiter des Business Segments Energy and Environmental Services der Siemens-Division Customer Services berichtet: „Unsere Effizienzexperten verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der alle Prozessschritte einschließt – vom Produktdesign, der Produktionsentwicklung und dem Engineering über die Produktion bis hin zu den Serviceleistungen.“
Bei ihren Projekten gehen die Fachleute von Siemens in der Regel in drei Schritten vor: Im ersten Schritt helfen sie den Kunden, die größten Energieverbraucher in der Produktion zu ermitteln (Identifizieren). Dann werden die Einsparpotenziale bewertet (Evaluieren). Und schließlich geht es an die praktische Umsetzung (Realisieren): Hier wird dann die optimale Energiesparlösung eingesetzt, um in der Produktion Energie, Wasser, Gas oder Druckluft zu sparen. „Die Maßnahmen entfalten ihre volle Wirkung im Zusammenspiel mit der optimalen Serviceleistung – von der ersten Analyse und Beratung bis hin zur zuverlässigen Instandhaltung der Anlage“, erläutert Siemens-Mann Bendel.
Bain-Berater Michael Füllemann ergänzt: „Das Beispiel Siemens bestätigt eine Kernaussage unserer Studie: Die Basis aller nachhaltigen Energieeinsparungen sind zwar Modernisierungen in der Produktion, die zu bewältigende Aufgabe indes ist jedoch umfassender. Um einen Quantensprung bei der Energieeffizienz zu erreichen, ist eine grundlegende Neugestaltung der Prozesse notwendig, etwa in der Logistikkette oder bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten. Wenn diese Prozesse intensiv Punkt für Punkt unter dem Aspekt Energieeffizienz beleuchtet werden, lassen sich erhebliche Potenziale heben.“
Bain hat in seiner Analyse zur Energieeffizienz insgesamt neun Hebel für eine erfolgreiche und dauerhafte Umsetzung eines Energieeffizienzprogramms in einem Unternehmen identifiziert. Dazu gehört neben ganz offensichtlichen Stellschrauben wie beispielsweise dem Einsatz von effizienteren Maschinen, dem energiesparenden Betrieb von Gebäuden sowie der Verwendung von energieärmeren Rohstoffen und Vorprodukten auch – und vor allem – die lenkende Hand des CEO.
Kultureller Change-Aspekt
Denn Energieeffizienz ist nicht allein ein technisches Thema der Ingenieure, sondern reicht tief hinein in die Kultur eines Unternehmens. Einsparungen in der benötigten Größenordnung erfordern ein breites Umdenken und einen Kulturwandel im gesamten Unternehmen. In letzter Konsequenz geht es häufig um konkrete Verhaltensänderungen in und bei der täglichen Arbeit. Das bedeutet, dass ein Energieeffizienzprogramm immer auch einen kulturellen „Change“-Aspekt besitzt. Und dort, wo der Wandel dann gelingt, sind überwiegend positive Effekte zu beobachten: Die Verantwortungsbereitschaft der Mitarbeiter nimmt zu, die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber steigt und die Mitarbeiter-Fluktuation sinkt.
Darüber hianus entstehen durch die Realisierung von Energieeffizienzprogrammen positive Imageeffekte gegenüber der Öffentlichkeit, den Lieferanten, den Kunden und auch den Investoren. Bain-Berater Michael Füllemann sagt dazu: „Unzweifelhaft ist, dass Energieeffizienz einen Kulturwandel im Unternehmen benötigt – und der funktioniert nur, wenn das Thema dauerhaft und sichtbar vom Top-Management unterstützt und getragen wird.“ jg








