Agiplan: Der Mittelstand ist zu zögerlich bei Industrie 4.0
Vom Standard noch weit entfernt
Agiplan hat im Auftrag des BMWi Potenziale und Risiken von Industrie 4.0 für den Deutschen Mittelstand ermittelt. Ergebnis: Mittelständische Unternehmen müssen aktiver werden, um im internationalen Vergleich nicht abgehängt zu werden.
Die Integration von Industrie 4.0 im deutschen Mittelstand liegt insgesamt noch in weiter Ferne. Dennoch können Mittelständler bereits heute Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit nutzen. Denn einige Technologien sind marktreif, sie werden aber noch zu selten eingesetzt.
Das ist das Ergebnis einer Studie von Agiplan in Kooperation mit Fraunhofer IML und ZENIT im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).
Ausgewertet wurden Forschungs- und Förderprogramme, das Angebot an Technologien, der jeweilige technologische Reifegrad, Anwendungspotenzial, Umsetzungsstand sowie Chancen und Risiken in mittelständischen Unternehmen bis 2500 Mitarbeitern.
In der Technologieentwicklung zeigt sich ein heterogenes Bild: Auf der einen Seite stehen marktreife Basistechnologien, die bereits ein hohes Nutzenpotenzial haben, aber vom Mittelstand nur zögerlich eingesetzt werden.
Auf der anderen Seite gibt es Schrittmacher-Technologien, die noch weiter intensiv erforscht werden müssen, und für den Mittelstand bisher keine Rolle spielen, zum Beispiel sich selbst organisierende, autonome Produktionssysteme in vernetzten Produktions- und Logistiknetzwerken.
Studienleiter Dr. Jürgen Bischoff von Agiplan: "Der Mittelstand droht bei der Digitalisierung und Vernetzung der Produktion abgehängt zu werden, wenn er seine Zurückhaltung zu Industrie 4.0 nicht aufgibt.Trotz der Risiken überwiegen die Chancen, die sich die aktiven Unternehmen erschließen können. Wichtig sind klare, bewältigbare und zum Unternehmen passende Einstiegsszenarien."
Fünf Funktionsbereiche identifiziert
Um das Thema greifbar zu machen, wurden fünf Funktionsbereiche gebildet, die sich an der tatsächlichen Anwendung von Industrie 4.0 in Unternehmen orientieren:
Datenerfassung und -bearbeitung, Assistenzsysteme, Vernetzung und Integration, Dezentralisierung und Serviceorientierung sowie Selbstorganisation und Autonomie.
- Datenerfassung und -verarbeitung: Daten sind die Grundlagen für Industrie 4.0 und werden bereits in den meisten Unternehmen erfasst. Damit Prozess- und Produktqualität davon profitieren, muss die Datenverarbeitung systematisiert werden und die Datenqualität steigen.
- Assistenzsysteme: Technologisch verfügbar und anwendungsreif sind Assistenzsysteme für Mitarbeiter und Prozesse in Produktion und Logistik. Sie tragen zur Fehlerreduzierung, Produktivitätssteigerung und Flexibilisierung bei.
- Vernetzung und Integration: Die Zusammenarbeit über Bereichs- und Unternehmensgrenzen hinweg bietet dem Mittelstand mittelfristig großes Potenzial. Strukturnachteile gegenüber Konzernen könnten so ausgeglichen werden. Voraussetzung dafür sind ein einheitlicher Informationsaustausch sowie eine durchgehende Kommunikationsstruktur. Diese gilt es erst noch zu etablieren.
- Dezentralisierung und Serviceorientierung: Das langfristig größte Wertschöpfungspotenzial von Industrie 4.0 steckt im Wandel von der Produkt- zur Serviceorientierung, und von der zentralen Steuerung zur dezentralen Prozessverantwortung. Neue Geschäftsmodelle und eine stärkere Kundenbindung sind hierdurch möglich.
- Selbstorganisation und Autonomie: Autonome und sich selbst organisierende Maschinen, Produktionsprozesse und Logistiksysteme sind Zukunftsmusik. Zwar lassen sich Teilanwendungen schon umsetzen, für die meisten mittelständischen Unternehmen werden diese Anwendungen in den nächsten Jahren aber nur in Spezialfällen interessant sein.
- Die Kurzfassung der Studie können als PDF heruntergeladen werden: www.agiplan.de/index.php?id=280
- oder www.mittelstand-digital.de/DE/wissenspool,did=716794.html bw












