Sicherheitsschaltgerät

Andreas Mühlbauer,

Die Kunst des Ingenieurs

Mit einem neuen Sicherheitsschaltgerät kann ein österreichischer Automatisierer zukünftig bis zu 80 Prozent seiner Anwendungsfälle abdecken. Grund sind die Flexibilität und die individuelle Konfigurierbarkeit des Gerätes, das sich mit anderen Einheiten kombinieren lässt.

Für die Realisierung des ersten myPnoz-Projekts in Österreich brauchte es ein Kopfmodul, ein Ein-/Ausgangsmodul, ein Ausgangsmodul für unverzögert und eines für anzugverzögert schaltende Relaiskontakte. © Pilz

Das Timing hätte nicht besser kein können. Andreas Flatscher, Electrical Engineer bei Micado, war gerade dabei, ein Safety-Konzept für eine Inline-Messstation auszuarbeiten, als ein Newsletter in seinem Posteingang landete, der die Einführung eines neuen Sicherheitsschaltgeräts aus dem Hause Pilz ankündigte. Dieses bot nicht nur genau die Funktionalität, die er benötigte, sondern auch noch ein weiteres überaus kundenfreundlichen Feature: Das modulare Sicherheitsschaltgerät myPnoz wird vorkonfiguriert und einbaufertig geliefert.

Die wahre Kunst des Ingenieurs ist es, die Dinge einfach zu machen. So lautet der Leitsatz des Osttiroler Unternehmens Micado, das 1998 als Konstruktionsbüro gegründet wurde und inzwischen als Full-Service-Partner automatisierte Lösungen in den Bereichen Produktentwicklung, Werkzeug- und Vorrichtungsbau sowie Automatisierungstechnik bietet. „Zu uns kommt man, wenn es knifflig wird. Als leidenschaftliche Tüftler lieben wir es, maßgeschneiderte technologische Antworten zu liefern, die den Status quo herausfordern“, sagt Micado-CTO Andreas Dorer.

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Gute Partnerschaft für gute Ergebnisse

Seit jeher aufgeschlossen zeigt sich Micado auch gegenüber neuen Produkten seiner Stammzulieferer. Wie Anfang 2021 – die Tiroler waren die Ersten, die über die österreichische Tochter von Pilz ein myPnoz-Sicherheitsschaltgerät orderten. Und das bereits vor dem offiziellen Produkt-Launch, der Anfang Februar erfolgte. Proaktiv ließen sich die innovativen Österreicher die wichtigsten Details zu dieser bedarfsgerecht gestaltbaren Safety-Lösung vorab geben. Denn Electrical Engineer Andreas Flatscher war zum damaligen Zeitpunkt gerade dabei, die Sicherheitstechnik für den Prototypen des erwähnten Inline-Messsystems zu entwerfen, das dann in mehreren Werken des weltweit tätigen Auftraggebers eingesetzt werden sollte.

Aus Micado-Sicht präsentierte Pilz das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt. Das modulare Sicherheitsschaltgerät myPnoz bietet sich bei Anwendungen von geringer oder mittlerer Komplexität für die Überwachung von bis zu 16 Sicherheitsfunktionen an. Im Kern ist dieses ohne Programmierkenntnisse individuell gestaltbare Produkt immer noch ein Sicherheitsschaltgerät. Hardwareseitig besteht es aus einem Kopfmodul mit integrierter Spannungsversorgung und übergeordneter Sicherheitsfunktion, an das maximal acht Erweiterungsmodule ansteckbar sind. Die Systemlogik wird durch die Steckreihenfolge und die Einstellung der Drehschalter bestimmt. Die Konfiguration dieser neuen Safety-Lösung, die sich je nach Bedarf anpassen lässt, erfolgt über das dazu gehörige Onlinetool myPnoz Creator. Das fachmännische Urteil von Andreas Flatscher lautet: „Wenn man einmal den Ablauf für eine Verschaltung mit vorgefertigten Funktionsblöcken kennt, ist die Bedienung praktisch selbsterklärend.“

Typischer Einsatz-Fall für Losgröße 1

Bei der Inline-Messstation waren drei Sicherheitsfunktionen abzubilden: ein Not-Halt, eine Schutztür, die für Einricht- und Wartungsarbeiten notwendig ist, sowie eine Schutzklappe, um einen Eingriff in die vorgelagerte Maschine zu verhindern. © Pilz

Bei der Inline-Messstation wurden zwei Sicherheitszonen gebildet, über die ein zweikanaliger Not-Halt-Taster als globale Sicherheitsfunktion wacht. Dieser wirkt auf die Ausgänge beider Zonen und ist mit den weiteren Eingangsfunktionen UND-verknüpft. „Unsere Applikation ist genau das, was Pilz als typischen Anwendungsfall für myPnoz beschreibt: Bei uns waren drei Sicherheitsfunktionen abzubilden – ein Not-Halt, eine Schutztür, die für Einricht- und Wartungsarbeiten notwendig ist, sowie eine Schutzklappe, um den Eingriff in die vorgelagerte Maschine zu verhindern. Außerdem musste unser System sicherheitstechnisch mit dem vor- und nachgelagerten Produktionsprozess harmonieren“, beschreibt Flatscher ein Safety-Konzept, für dessen Realisierung letztendlich vier Module notwendig waren: ein Kopfmodul, ein Ein-/Ausgangsmodul, ein Ausgangsmodul für unverzögert und eines für anzugverzögert schaltende Relaiskontakte.

Geliefert wurde myPnoz werksseitig komplett vormontiert, eingestellt sowie getestet und war somit „ready-to-install“. „Bei dieser neuen Generation an Sicherheitsschaltgeräten wandert der Programmieraufwand zu Pilz“, freut sich CTO Andreas Dorer über eine Lösung, die ihm und seinen Kollegen Zeit sparen hilft. Laut Andreas Flatscher sei dies sicher eine Stunde Zeitersparnis pro Maschine. Unterstützung bei der Verdrahtung gibt es ebenfalls, denn jedem myPnoz liegt nicht nur eine Dokumentation inklusive Abschaltmatrix, sondern auch ein individueller Anschlussplan bei. Und will ein Kunde zu einem späteren Zeitpunkt denselben Systemaufbau erneut bestellen, so kann er dies über den beim ersten Projekt erhaltenen Typenschlüssel tun. In diesem sind alle Hinweise für die gewünschte Hardware- und Logik-Zusammenstellung versteckt. Anhand einer eindeutig interpretierbaren Zahlen- und Buchstabenkombination erkennt Pilz, was der Kunde wünscht. So wird dem Anwender einiges an Aufwand abgenommen. „Man muss wissen, wie viele I/Os benötigt werden und ob beziehungsweise welche Verzögerungszeiten bei der Abschaltmatrix zu berücksichtigen sind. Den Rest erledigen der myPnoz Creator und wir“, ergänzt Dorer und hebt noch die Eplan-Makros hervor: „Bei anderen Herstellern werden nur die ‚High-Runner‘ mit solchen Daten ausgestattet. Bei Pilz stehen sie durchgängig für jedes Produkt zur Verfügung.“

Was das Thema myPnoz betrifft, denken die Oberlienzer bereits darüber nach, eine Einheit zu konfigurieren, die für 80 Prozent ihrer Anwendungsfälle passt. Dorer deutet an, dass das neue Sicherheitsrelais Bestseller-Potenzial hat: „Ist so ein Standard geschaffen, mit dem man eine gute Bandbreite an Projekten abdeckt, kann man diesen ohne Engineering- oder Programmieraufwand immer wieder verwenden. Das hat Charme.“

Dieter Hufnagel, Pilz Österreich 

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