Industrie 4.0

Andreas Mühlbauer,

Prozessabläufe einfach digitalisieren

In vielen Betrieben gibt es trotz eines hohen Automatisierungs- und Digitalisierungsgrades noch unvernetzte Arbeitsbereiche oder -prozesse, die keine zentral abrufbaren Informationen zur Verfügung stellen.

Die Kis.Box dient als Eingabeeinheit . © Rafi

Dazu zählen Handarbeitsplätze, Anlieferzonen, Abholorte für Abfall sowie ältere Maschinen ohne moderne Schnittstellen. Nun gibt es eine universelle Lösung für das Upgrade von Produktions- und Intralogistikprozessen mit Fokus auf Flexibilität, Effizienzsteigerung und Einfachheit.

Das Kis.Me-System von Rafi besteht aus den intelligenten WLAN-fähigen Eingabeeinheiten Kis.Box mit zwei Leuchtdrucktastern, den RGB-Signal- und Maschinenleuchten Kis.Light sowie der Web-Plattform Kis.Manager, über die sich die Geräte einrichten und für den jeweiligen Einsatzzweck individuell konfigurieren lassen.

Der Name Kis.Me ist das Akronym für „Keep it simple, manage everything“ und beschreibt sowohl das zugrundeliegende Systemkonzept von Rafi als auch die Art seiner Anwendung. „Mit Kis.Me helfen wir Unternehmen dabei, ihre analogen Fertigungs- und Logistikabläufe mit einfachen Mitteln zu visualisieren, zu beschleunigen und die Produktionseffizienz zu steigern“, erläutert Maximilian Hämmerle, Projektmanager bei Rafi. „Alles, was dafür erforderlich ist, sind ein Stromanschluss und WLAN am Ort der Anwendung.“

Zur Vor-Ort-Aktivierung von Meldungen dienen die dezentral platzierbaren Kis-Boxen mit M12-Anschluss und integrierter WLAN-Schnittstelle. Die Eingabeeinheiten verfügen über zwei individuell konfigurier- und beschriftbare Taster sowie über zwei digitale Ein- und Ausgänge zur Einbindung beispielsweise von Lichtschranken, Sensoren oder Steuerungen. Abhängig von der individuellen Konfiguration lassen sich damit unterschiedliche Aktionen auslösen, wie beispielsweise die Aktivierung entfernt positionierter Kis-Leuchten in verschiedenen Farben, der Versand von E-Mails, die Ansteuerung von Anlagen oder anwendungsspezifischen Aktoren über Relais.

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Innerbetriebliche Logistik vereinfachen

„Die Option, unterschiedliche vorkonfigurierte Meldungen per Knopfdruck oder Signaleingang zu aktivieren, vereinfacht viele Vorgänge in zuvor nicht digitalisierten Prozessen erheblich“, sagt Hämmerle. „Wo zum Beispiel Mitarbeiter für Transportaufträge bisher zum Telefon greifen oder E-Mails versenden mussten, reicht mit Kis.Me ein einzelner Druck auf den Taster.“ Auch die KIS-Leuchten bieten dank WLAN-Schnittstelle und flexibler Platzierung neue Möglichkeiten, zumal sie mit ihrem RGB-Farbspektrum unterschiedliche Zustände, Anforderungen oder Alarme in verschiedenen Farben signalisieren können. Durch bedarfsgerecht konfigurierte Melde- und Signalautomatismen lässt sich die innerbetriebliche Logistik in vielen Fällen deutlich rationalisieren.

Herzstück des Kis.Me-Systems ist der Kis.Manager zur Einrichtung, Verwaltung und Überwachung der Kis.Devices. Die Web-Plattform stellt nach erfolgter Account-Aktivierung alle Funktionen zur übersichtlichen Darstellung, Automatisierung und Auswertung der Meldeprozesse zur Verfügung. Nach einmaligem Onboarding der Tasterboxen und Signalleuchten können auf der Plattform beliebige Automatismen mit Hilfe einer Rule Engine erstellt werden. Die leicht verständliche Logik ist ohne Programmierkenntnisse beherrschbar und ermöglicht es, mit einfachen Wenn-dann-oder-Regeln verschiedene Aktionen und Prozessvorgänge zu erfassen und auszulösen.

Über die Regelerstellung und -verwaltung hinaus lassen sich mit dem Kis.Manager auch unterschiedliche Nutzerrollen mit abgestuften Rechten anlegen. So kann beispielsweise ein Installer neue Use-Cases einrichten und bestehende Abläufe optimieren, während ein Operator keine Veränderungen am Prozess durchführen darf. Ein weiteres Highlight der Plattform besteht in der zentralen Datenspeicherung aller Ereignisse. Durch die Analyse und den Export von Daten zu allen Vorgängen und Zuständen lassen sich Trends, Auffälligkeiten und besondere Vorkommnisse ermitteln. Somit dient der Kis.Manager nicht nur als Plattform zur Steuerung und Überwachung in Echtzeit, sondern liefert die Datengrundlagen für die fortlaufende Prozessoptimierung.

Transparente Datenerfassung, Auswertung und Darstellung

Um jederzeit einen transparenten Überblick über den Status von Anlagen und Prozessen zu behalten, können Anwender im Kis.Manager individuelle Dashboards mit verschiedenen Widgets anlegen. Datensätze und KPIs (Key Performance Indicators) lassen sich damit auf vielfältige Weise grafisch aufbereiten und anzeigen. Darüber hinaus lassen sich digitale Zwillinge mithilfe von Gebäude-, Lager- oder Hallenaufbauplänen ortsgetreu auf dem virtuellen Shopfloor platzieren.

Mit Kis.Me lassen sich unterschiedliche analoge Prozesse auf einfache Art und Weise digital nachrüsten, um auch dort Daten zu gewinnen, wo vorher keine abrufbar waren. Dabei sorgt der Kis.Manager für hohe Transparenz und unterstützt die Anwender bei der Aufdeckung von Optimierungspotentialen. Die einzigen Voraussetzungen für das digitale Retrofit sind eine Stromversorgung (24 VDC oder USB 5 VDC) und eine Internetverbindung via WLAN. Dafür genügt auch ein Gast-Netz ohne Anbindung an das Unternehmens- oder Produktionsnetzwerk.

Die Verbindung zu bestehenden Maschinen und Anlagen lässt sich über externe Sensoren realisieren, die einfach nachgerüstet und direkt mit dem Kis.Device verbunden werden. Alternativ lassen sich auch Signale der Steuerungen an bestehende Signal- und Meldeeinheiten abgreifen. „Obwohl Kis.Me seinen maximalen Nutzen in der Produktion und Logistik entfaltet, ist das System nicht auf diese Anwendungsgebiete und Branchen beschränkt. Wir haben festgestellt, dass selbst Mitarbeiter, deren Betriebe Kis.Me erst seit kurzem nutzen, auf ganz neue Einsatzideen kommen“, sagt Hämmerle.

Rafi bietet den Kis.Me-Account mit abgestuften Lizenzen und Leistungsumfängen an. Für Interessierte, die Kis.Me zunächst ausprobieren wollen, hat der Hersteller ein Starterkit aufgelegt, mit dem sich das ganze System unverbindlich testen lässt. Es umfasst jeweils eine Kis.Box und eine Kis.Light, alle notwendigen Kabel sowie eine Powerbank, um die Devices im geplanten Einsatzbereich ohne Installations- und Montageaufwand auszuprobieren. Dabei lassen sich sämtliche Plattform-Funktionen für einen kostenlosen Testzeitraum nutzen.

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