Cybersecurity-Tools

Andreas Mühlbauer,

Daten sicher übertragen

Unter anderem mobile Datenträger gefährden die Sicherheit von Produktionsanlagen. Intelligente Cybersecurity-Tools sorgen für stabile IT- und OT-Systeme in der Industrie.

Intelligente Hard- und Software verhindern das Eindringen infizierter Daten in die Produktion. © Opswat

Der Grad der Vernetzung und Digitalisierung in der Produktion hat in Deutschland gerade im KMU-Umfeld noch viel Potenzial. Im Jahr 2018 lag die Digitalisierungsquote erst bei 30 Prozent respektive 20 Prozent bei kleineren Unternehmen. Durch die konsequente Digitalisierung kann der Wirtschaftsstandort Deutschland laut der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey bis 2025 insgesamt 126 Milliarden Euro zusätzlich an Wertschöpfung erreichen und Standortnachteile abfedern. Immerhin 25 Prozent der Wertschöpfung entfallen in Deutschland auf das produzierende Gewerbe.

Das Thema Cybersecurity gehört aber zu den Hemmnissen, die Unternehmen davon abhalten, Digi- talisierung und Vernetzung weiter voranzutreiben. Kein Wunder, sind doch die „Hidden Champions“ der deutschen Industrie Experten auf ihrem Gebiet, aber längst nicht in jedem Fall auch noch für den Bereich Cybersecurity in der Operational Technology (OT). Physisch getrennte (air-gapped) Produktionsumgebungen werden seltener, sind jedoch immer noch ein Garant für hohe Verfügbarkeit und Schutz vor Angriffen und Manipulationen. IT und OT nutzen immer mehr die gleichen Standards und Infrastrukturen. Trotzdem hängt die OT bei der IT-Sicherheit allgemein noch hinterher.

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Defense-in-Depth-Ansatz

Eine Studie das SANS-Instituts aus dem Jahr 2018 zeigt, dass 25 Prozent der Angriffe auf Unternehmen auf Beschäftigte zurückzuführen sind. Weitere 16 Prozent auf Serviceprovider. Insgesamt passieren also 41 Prozent aller Attacken innerhalb der Firewall. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt mit dem amerikanischen Defense-in-Depth-Ansatz sowohl einen Perimeterschutz – die Abschottung nach außen – als auch eine interne Unterteilung in Bereichen durch Bildung von abgeschotteten Zonen in der Produktion. Gerade Innentätern und Serviceprovidern ist mit den üblichen Maßnahmen zur Cybersicherheit nicht beizukommen. Hier empfiehlt das BSI spezielle technische und organisatorische Maßnahmen (TOM).

Neben all den verfügbaren und möglichen Vektoren für Cyberangriffe darf man analoge Wege nicht unberücksichtigt lassen. Malware kann über infizierte USB-Sticks von Mitarbeitern, Servicetechnikern und Besuchern problemlos die Firewall umgehen. Auch isolierte Produktionsumgebungen werden aus verständlichen Gründen nicht gegen mobile Speichergeräte abgeschottet. Hier helfen, ähnlich wie bei den Security-Checks am Flughafen, sogenannte Datenschleusen, die auch Wechseldatenträgerschleusen genannt werden.

Dabei handelt es sich um Kiosk-Systeme, die die von Besuchern mitgebrachten Speichergeräte auf Malware überprüfen. Hierbei verwenden alle wichtigen Hersteller von Datenschleusen sogenannte Anti-Malware-Multiscanner. In einem Malware-Multiscanner werden mehrere Anti-Viren-Engines gebündelt. Das bedeutet, dass ein mitgebrachtes Speichergerät nicht nur mit einer Anti-Viren-Engine überprüft wird, sondern je nach Hersteller mit mindestens zwei bis maximal rund 30 AV-Lösungen. Das ist notwendig, da laut BSI täglich über 300.000 neue Malware-Varianten entwickelt werden. Um die Wartezeit der Besucher während des Scan-Vorgangs mit dem Anti-Malware-Multiscanner so gering wie möglich zu halten, ist die parallele, also gleichzeitige Überprüfung mit allen integrierten Scannern sinnvoll, besonders wenn es sich um die Überprüfung mit bis zu 30 AV-Engines handelt.

Besucherdaten protokollieren

Besucher, die einen sensiblen IT- oder OT-Bereich betreten wollen, müssen also mitgebrachte Datenträger überprüfen lassen. Vor der Prüfung fragt das System nach den Daten des Besuchers und des Mitarbeiters im Unternehmen und protokolliert alle Angaben. Sind alle Daten auf dem Datenträger ohne Beanstandung, ist mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99,5 Prozent keine Malware mehr auf dem Datenträger.

Die Restrisiken sind sogenannte Zero-Day Exploits. Darunter versteht man bisher unbekannte Sicherheitslücken, die von Angreifern bereits erfolgreich ausgenutzt werden. Erkennt die Heuristik in den Malware-Scannern ausführbaren Programmcode oder Befehlsaufrufe nicht, ist für die Zero-Day Exploits der Weg frei. Die Option Datei-Desinfektion in Datenschleusen schützt auch wirksam gegen diese Restrisiken. Eine Datei-Desinfektion arbeitet nach der Regel, dass alle Dateitypen, die Schadcode enthalten können, auch mit Schadcode infiziert sind. Riskante Dateitypen wie Audio- und Videodateien sowie Office-Dokumente, die eingebettete Malware enthalten können, werden deshalb ausnahmslos in harmlose Dateien umgewandelt und eventuelle Links, wie sie auch in PDFs noch enthalten sein können, werden unschädlich gemacht.

Sichere Datenübertragung ins Produktionsnetzwerk

Wurde ein mobiler Datenträger mit der Datenschleuse erfolgreich überprüft, kann der Besucher entweder sein Speichergerät mitnehmen oder auf einen vom Unternehmen zur Verfügung gestellten mobilen Datenträger kopieren und nur damit den sensiblen IT-Bereich betreten. Eine andere Option ist es, die Daten auf dem mitgebrachten Speichergerät nur in die Datenschleuse zu kopieren und dort auf Malware überprüfen zu lassen. Diese Funktion hat den Vorteil, dass Besucher nicht auf das Scan-Ergebnis warten müssen. Die gescannten Dateien werden dann über Secure File Transfer in eine Art Tresor übertragen, der sich noch im IT-Netzwerk befindet, und dort gespeichert. Dabei werden nur „virenfreie“ Daten über eine sichere Verbindung in den Datentresor transferiert. Alle Dateien im Datentresor werden immer wieder mit den neuesten Anti-Malware-Signaturen überprüft.

Da der Datentresor (Vault) sich außerhalb der OT befindet, bleibt ein isoliertes Produktionsnetzwerk weiterhin abgeschottet. Die über die Datenschleuse gescannten Dateien werden mithilfe individueller Codes aus dem Datentresor angefordert und sicher übertragen. Falls gewünscht, kann der Dateizugriff erst nach einer voreingestellten Zeit erlaubt werden. Damit verhält sich der Datentresor wie eine interne Sandbox, die ebenfalls neue Dateien über eine Zeitspanne testet. Eine granulare Benutzerverwaltung legt die Art der Authentifizierung und der Dateitypen fest, auf die zugegriffen werden kann. Wichtig dabei ist, dass Gäste und Mitarbeiter immer nur auf ihre Dateien zugreifen können. Verlassen die Gäste das Unternehmen, werden auch ihre Dateien gelöscht.

Malware muss draußen bleiben

Cybersecurity muss auch in Produktionsumgebungen zukünftig eine größere Bedeutung haben. Malware kann aber auch ins Unternehmen „eingeladen“ werden. Für Servicearbeiten und Produktpräsentationen kommen die Hersteller und Dienstleister ins Haus und bringen oftmals mobile Datenträger mit. Die Gefahr durch Innentäter ist nicht zu unterschätzen. Datenschleusen sind eine technische und organisatorische Maßnahme, um sensible IT- und OT-Bereiche vor Cyberattacken über mobile Speichergeräte zu schützen.

Robert Korherr, Geschäftsführer von ProSoft

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