Interview mit Omron

Andreas Mühlbauer,

Cobots sind auf einem guten Weg

Roboter in Corona-Zeiten, die Akzeptanz von Cobots und die Weiterentwicklung der Robotik in verschiedenen Umfeldern – über diese aktuellen Themen sprach Andreas Mühlbauer mit Dr. Klaus Kluger, General Manager der Regionen Zentral- und Osteuropa bei Omron sowie Vorstandsmitglied im Fachverband Robotik des VDMA.

Dr. Klaus Kluger, General Manager der Regionen Zentral- und Osteuropa bei Omron sowie Vorstandsmitglied im Fachverband Robotik des VDMA. © Omron

Die Corona-Krise trifft viele produzierende Unternehmen. Wie wirkt sich das auf die Robotik-Branche allgemein und auf Omron im Speziellen aus?
Covid-19 hatte einen sehr umfassenden Einfluss auf die Robotik im Allgemeinen und natürlich auch bei Omron. Zum einen werden mehr und mehr kollaborative Roboter an den Stellen eingesetzt, wo eine Kontamination des Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit stattfinden kann. Zum anderen haben einige unserer Partner sogenannte „Desinfektionsroboter“ auf Basis unserer Mobilen Roboterplattform entwickelt, die in Krankenhäusern, Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden durch den Einsatz von UV-C-Strahlung für die notwendige Hygiene sorgen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist der Hero21 der Firma ICA Health. Immer mehr Projekte gehen in diese Richtung, sicherlich auch aus dem Bewusstsein heraus, dass keiner weiß, was nach Corona auf uns zukommt, und weil das Thema Desinfektion vermutlich nie mehr ganz aus unseren Köpfen verschwinden wird. Wir freuen uns aber, mit unseren Produkten einen wertvollen Beitrag zu den anstehenden Herausforderungen leisten zu können.

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Wie entwickelt sich der Markt für Cobots?
Eigentlich ist es egal, ob man für belastbares Zahlenmaterial den neuesten IFR-Report oder eine andere Quelle bemüht, einig sind sich alle: Der Markt wächst, und das schnell. Auf der einen Seite steigt die Zahl der Cobot-Anbieter weltweit, zudem werden die Systeme noch einfacher zu bedienen, und damit sinkt die Einstiegshürde. Außerdem wächst die Zahl der Applikationen. Beginnt man zum Einstieg oft mit einfachen Pick-&-Place-Anwendungen, so haben wir inzwischen schon Projekte mit anspruchsvolleren Aufgaben wie Kleben, Schrauben oder Palettieren umgesetzt. Auch die Greiferhersteller ziehen nach und entwickeln immer leistungsfähigere Modelle, die sich einfach implementieren lassen. Das Charmante dabei ist, dass die Mitarbeiter eine Art Evolution ihres Arbeitsplatzes erleben, also weg vom eintönigen „A nach B“, hin zu aktivem Entwickeln und Erstellen von Cobot-Software über Drag-&-Drop-Tools, ohne IT-Studium. Mit vielen dieser Hersteller haben wir enge Partnerschaften.

Wie ist denn die Akzeptanz für Cobots in kleineren Unternehmen und generell bei den Mitarbeitern?
Wir sind hier auf einem guten Weg! Bisher waren die Anschaffungskosten für klassische Industrieroboter einfach zu hoch und damit auch die Eintrittshürde gerade bei den KMUs. Wir versuchen durch zahlreiche, auch virtuelle Infoveranstaltungen aufzuzeigen, wie einfach der Einsatz kollaborativer Roboter ist. Hier stoßen wir auf großen Zuspruch seitens der Mitarbeiter, denn sie verstehen immer mehr, dass Roboter ihnen nicht die Arbeitsplätze wegnehmen, sondern diese aufwerten und sicherer machen. Die Einfachheit der Systeme, aber auch der Peripheriegeräte bietet immer mehr Anwendungsmöglichkeiten vor allem im Bereich High-Mix, Low-Volume. Die Botschaft lautet: Ja, wir wissen, dass die Bereitstellung von Robotern riskant ist, aber nichts zu tun ist noch riskanter – für das Unternehmen und für den Job. An dieser Stelle möchte ich ergänzen, dass auch das aktive Einbeziehen des Betriebsrats wichtig ist. Die Ruhr Uni Bochum hat einen Leitfaden zur Einführung von Mensch-Roboter-Kollaboration entwickelt, was wir sehr begrüßen.

In welche Richtung werden Ihrer Meinung nach die Entwicklungen im Bereich MRK in den kommenden Jahren gehen?
Zunächst erkennen wir heute schon, dass der Einsatz von Cobots den rein industriellen Sektor verlassen wird. Wie vorhin angedeutet, ist auch die Medizinbranche interessiert, mit Einsatz von Cobots, aber auch zunehmend mit mobilen Robotern uns Menschen zu schonen und wieder näher am Patienten einzusetzen. Immer häufiger entdecken wir auch auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen Anwendungsbeispiele aus der Hotel- und Gastronomiebranche. Der Bereich dieser Service-Roboter ist von 2018 auf 2019 weltweit um 32 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar gestiegen. In Verbindung mit einer mobilen Roboterplattform ergeben sich noch mehr spannende Einsatzfelder. Ich persönlich bin wirklich froh darüber, in dieser spannenden Zeit zu leben und miterleben zu dürfen, wie uns die Robotik weiterhilft, unsere Arbeits- und Lebensqualität zu verbessern.

Welche Entwicklungen erwarten uns beim Industrieroboter?
Grundsätzlich wird der Anteil von Industrierobotern weiter wachsen. Auch sie werden einfacher in der Bedienung und leistungsfähiger. Ich bin überzeugt, dass die rasante Weiterentwicklung von Kommunikationsplattformen wie OPC UA oder MQTT neue Möglichkeiten eröffnen wird. Natürlich muss man in diesem Zusammenhang auch künstliche Intelligenz nennen, denn um Lösungen für Predictive Maintenance und OEE zu haben, müssen nicht nur Daten gesammelt und ausgewertet, sondern auch Prognosen und Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.

Omron arbeitet seit Jahren an Produkten, die das leisten können. Diese Technologien werden sicherlich auch in die Robotik Einzug halten und die angestrebte Harmonie zwischen Mensch und Maschine weiter vorantreiben.

Wenn aus einer Idee ein Trend werden soll, dann muss der Nutzen für ein große Gruppe an Anwendern deutlich erkennbar sein. Wenn diese Idee zum Beispiel eine Antwort bietet auf den Mangel an Arbeitskräften, dann wird auch die Robotik immer wichtiger für den Erhalt von Arbeitsplätzen und nicht, wie oft angenommen, als Jobkiller gesehen.

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