Interview: Roboter und Arbeitsplätze

Andreas Mühlbauer,

Seite an Seite arbeiten

Welche Aufgaben können Roboter in der Zusammenarbeit mit Menschen erfüllen und wie wird die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen? Gefährdet der mechanische Kollege letztlich Arbeitsplätze von Menschen? Darüber sprach Andreas Mühlbauer mit Peter Lange, European Fixed Robotic Team, Business Development Manager bei Omron Electronics.

Warum brauchen wir Roboter in der Industrie, und welche Aufgaben können sie übernehmen?

Peter Lange, European Fixed Robotic Team, Business Development Manager bei Omron Electronics. © Omron

Die produzierende Industrie in Deutschland erwartetet einen Mangel an Arbeitskräften und Spezialisten. Durch den demographischen Wandel wird laut der Boston Consulting Group bis zum Jahr 2030 ein Arbeitskräftemangel zwischen 5,8 und 7,7 Millionen Menschen bestehen. Um das Bruttoinlandsprodukt und damit die Wirtschaftskraft Deutschlands auf einem gesunden und wachsenden Level zu halten, muss dieser Mangel durch Automatisierung kompensiert werden.

Roboter bilden einen extrem flexiblen Teil der Automatisierungswelt, gleichzeitig bieten sie eine konstante Qualität der hergestellten Produkte. Sie helfen, die geforderte Flexibilität im Produktionsprozess umzusetzen, die wir heute mit den extrem kurzen Produktlebenszyklen erleben.

Bei den Aufgaben, die Roboter übernehmen können, müssen wir zwischen traditionellen Industrierobotern und Cobots unterscheiden. Die traditionellen Industrieroboter zeichnen sich durch ihre hohe Geschwindigkeit und Präzision aus und können in allen Bereichen eingesetzt werden, in denen eine kurze Zykluszeit gefordert und keine direkte Interaktion mit dem Menschen notwendig ist. Beispiele hierfür lassen sich sowohl in High-Speed-Verpackungsprozessen in der Lebensmittelindustrie als auch in der Zuführung und Handhabung von Produkten im Automotive- und Pharmabereich finden.

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Eine andere Kategorie sind die kollaborierenden Roboter, die sogenannten Cobots. Diese Roboter sind vielmehr in der Rolle der direkten Unterstützung des Menschen in der Produktion zu sehen, wo sie einfache und repetitive Arbeiten übernehmen. Dadurch kann die menschliche Arbeitskraft mit ihren speziellen Fähigkeiten genutzt werden. Beispiele für den Einsatz von Cobots als Unterstützung des Menschen sind etwa die Be- und Entladung von Maschinen, Palettierung, Inspektionstätigkeiten und Handlingaufgaben.

Wo liegen die Grenzen ihrer Fähigkeiten?

Roboter können generell für alle Arbeiten eingesetzt werden, die ein Mensch mit den Armen und Händen verrichtet. Dies machen sie konstant mit einer nachverfolgbaren Genauigkeit.

Die Grenzen der Applikationen für Robotik liegen bei Aufgaben, bei denen der Mensch seine eigenen sensorischen Fähigkeiten im Produktionsprozess verwenden würde, um die Qualität eines Produktes zu bestimmen und gegebenenfalls nachzuarbeiten. Hier kann die Robotik alleine nicht helfen. Im Zusammenspiel mit künstlicher Intelligenz lassen sich allerdings auch in Roboterapplikationen vielfältige Daten aus dem Produktionsprozess aufnehmen, auswerten und Prozessparameter basierend auf der Auswertung anpassen, inklusive der Parameter der Roboterapplikation.

Besteht nicht die Gefahr, dass durch den Einsatz von Robotern geringer qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen?

Die Arbeitswelt wird sich für viele Menschen in den Produktionsbetrieben in der Zukunft ändern. Einfache Handlingtätigkeiten können durch Roboter ersetzt werden. Die Arbeitskraft der Bediener kann dadurch wesentlich sinnvoller eingesetzt werden, zum Beispiel bei der Erstellung und Änderung von Roboterprogrammen und Maschinenparametern. Um dies zu ermöglichen, verfügen beispielsweise Cobots – neben der Möglichkeit, physisch Seite an Seite mit Menschen arbeiten zu können – über ein einfach zu erlernendes und zu bedienendes Programmierkonzept. Aus Maschinenbedienern können in der Zukunft so Roboterbediener werden, die diese neue Technik ohne Sorge in ihrem Tagesgeschäft beherrschen.

Können Cobots auch einen Beitrag zur Erhaltung von Arbeitsplätzen leisten – und wenn ja, wie?

Wenn wir die deutsche Wirtschaft betrachten, dann zählen circa 99 Prozent aller Unternehmen zu den sogenannten KMU. Diese Unternehmen beschäftigen mehr als 58 Prozent aller sozialpflichtigen Arbeitnehmer, mehr als 81 Prozent aller Auszubildenden und erzeugen 35 Prozent des gesamten Umsatzes in Deutschland. Somit bilden sie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Auch die KMU sind von den zuvor erwähnten Punkten, wie Mangel an Arbeitskräften und Spezialisten, Qualitätsproblemen sowie kurzen Produktlebenszyklen betroffen. Um eine flexible Produktion der Nachfrage folgend in hoher Qualität garantieren zu können, sind Cobots eine mögliche Lösung. Die Mitarbeiter werden von unnötigen Arbeiten entbunden. Die Cobots können hier durch ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten Investitionssicherheit für kleine und mittlere Unternehmen garantieren. Die Amortisierung einer Investition in die Cobot-Technologie ist flexibel über mehrere Einsatzmöglichkeiten dieser Technik zu sehen und nicht begrenzt auf eine Maschine oder ein Produkt. Der Cobot kann da eingesetzt werden, wo es aufgrund der aktuellen Auftragslage am sinnvollsten ist.

Eine Verlagerung der Produktion in das Ausland ist ebenfalls mit einem hohen Aufwand und Kosten verbunden. Allerdings löst die Verlagerung das Problem nicht, da auch Länder in Europa sowie Russland und China einen Rückgang der verfügbaren Arbeitskräfte erwarten. Hier ist es wichtiger, den hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern in den Unternehmen in Deutschland die Möglichkeit zu geben, ihrer Spezialisierung nachzugehen und somit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Zusammenarbeit von Roboter und Menschen?

Mensch und Roboter werden in ihrer täglichen Arbeit näher zusammenrücken. Viele der aktuellen Entwicklungen im Bereich Robotik zielen auf Arbeitserleichterungen für den Menschen ab. Nehmen wir als Beispiel das sogenannte Bin-Picking, den Griff von Teilen direkt aus der Kiste, um diese dem Produktionsprozess zuführen zu können. Hier wird dem Menschen eine im Arbeitsprozess aufhaltende und zum Teil körperlich anstrengende Tätigkeit abgenommen. Der Bediener kann sich auf seine eigentliche Tätigkeit der Beherrschung des Prozesses konzentrieren. Dadurch steigen Qualität und Quantität.

Die neuen Entwicklungen haben neben der eigentlichen Funktionalität alle den Fokus auf der einfachen Einrichtung und Bedienung. Die Kooperation zwischen Mensch und Roboter wird auf allen Ebenen inklusive der Arbeitssicherheit einfacher werden. Die einfache Handhabung der Robotik ist ein wichtiger Aspekt, um die Akzeptanz der Technologie zu erreichen.

Ein weiterer Schritt wird die Einbindung von künstlicher Intelligenz sein, um die automatisierten Prozesse inklusive der Robotik hinsichtlich der Qualität und der Verhinderung ungeplanter Maschinenstillstände zu optimieren.

Die Roboter werden immer mehr Arbeiten des Menschen übernehmen, werden den Menschen aber nicht ersetzen können. Es bietet sich die Chance, die Arbeitskraft und das Wissen der Mitarbeiter gezielter zu nutzen. Die Arbeit des Menschen wird sich zu einer höher qualifizierten und dabei weniger körperlichen Tätigkeit ändern.

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