ERP-System, Energieeffiziente Komplettlösungen
Schnell und effizient agieren
Moderne ERP-Systeme müssen die Wandlungsfähigkeit eines Unternehmens mitgehen und unterstützen. Wie sowas in der Praxis funktioniert, zeigt der Einsatz von Abas ERP beim Stahlhändler Ruukki Deutschland. Mit hoher Systemflexibilität, eigener Datenbank und schnellen Updates kann die deutsche Tochter des Rautaruukki-Konzerns unabhängig von der finnischen Mutter schnell und effizient agieren. SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz erfuhr vor Ort außerdem, wie der westeuropäische Roll-Out der Light-Enterprise-Version des Systems ablief.
„The power and glory of steel“ besingt Manowar in ihrem jüngsten 2012er-Album „The Lord Of Steel”. Und die US-amerikanische Hardrock-Band hat völlig recht: Ohne die Erfindung des technischen Werkstoffs hätte der Schritt in das Industriezeitalter nicht statt gefunden – bis heute steckt die Macht und der Glanz des Stahls in vielen Produkten: Ob Autos oder Züge, Smartphones oder Tablets, Kaffee- oder Waschmaschinen, Privathäuser oder Wolkenkratzer, Implantate oder Operationswerkzeuge – der Konstruktionswerkstoff Stahl ist allgegenwärtig.
Noch immer steigt daher die Nachfrage weltweit, getragen auch von Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und globaler Industrialisierung, insbesondere in Ländern wie China und Indien. Weltweit wuchs die Rohstahlproduktionsmenge in den vergangenen Jahren von 1,2 Milliarden Tonnen 2009 auf 1,5 Milliarden in 2011. Doch für die nächste Jahren rechnen Branchenexperten mit einer schrittweisen Abschwächung des Wachstums. In Europa hat diese Marktberuhigung bereits eingesetzt: hier sank der Verbrauch in den vergangenen Jahren.
Neben dem zurückgehenden Verbrauch müssen sich die europäischen Stahlhersteller zudem mit weiteren Herausforderungen auseinandersetzen. Zunehmender Marktdruck und Überkapazitäten vor allem durch chinesische Hersteller, schwankende Rohstoffpreise, ungewisse Wirtschaftsaussichten, der schwächelnde südeuropäische Markt und harte Umwelt- und Emissionsauflagen. Um sich unabhängiger von dem reinen Stahlgeschäft zu machen, investieren die Stahlhersteller in die Entwicklung neuer Produkte und Wachstumsmärkte.
Ein Spiegelbild der Entwicklung auf dem Stahlmarkt bietet die Ruukki Deutschland GmbH, eine Tochtergesellschaft des Rautaruukki-Konzerns. Der finnische Stahl- und Technologiekonzern beschäftigt weltweit rund 11.800 Mitarbeiter in 30 Ländern und erzielte in 2011 einen Umsatz von 2,8 Mrd. Euro. Das Portfolio umfasst Spezialstähle, angearbeitete Teile sowie geschweißte Konstruktionen bis hin zu kompletten Systemlösungen auf Metallbasis. In der deutschen Zentrale in Duisburg sind 25 Mitarbeiter beschäftigt, weitere zehn am Standort Espelkamp. Seit über 20 Jahren ist der finnische Konzern mit einer Tochtergesellschaft in Deutschland vertreten, doch im Lauf der Jahre passte der führende Hersteller von Stahlprodukten für die Bau- und Maschinenbau-Industrie seine deutsche Organisation immer wieder an die veränderten Marktbedingungen an. „Als ich 1996 hier anfing produzierte das Unternehmen an mehreren deutschen Standorten von Betonstahl über Drähte und Röhren bis zu Airbag-Komponenten nahezu alles rund um Stahl“, erinnert sich Stefan Berendes, Area IT Manager Western Europe. „Seither hat sich die Firma immer wieder erneuert. In den letzten Jahren haben wir uns ganz auf unsere Kernkompetenz der hoch- und verschleißfesten Spezialstähle konzentriert. Weitere Geschäftsfelder wie die der Bauelemente sind hinzugekommen.“
Zudem arbeitet Ruukki bereits seit Jahren an der Weiterentwicklung energieeffizienter Produkte. „Wir bieten bereits eine ganze Reihe energieeffizienter Produkte zum Verkauf an, besonders im Bausektor“, erklärt Taina Kyllönen, Senior Vice President Marketing and Communications bei Ruukki. Beispiele dafür sind Energiepaneelen, in Glasfassaden integrierte Photovoltaik-Systeme oder Energiepfähle für Baufundamente. „Die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten wird auch in Deutschland weiter steigen. Daher treiben wir die Entwicklung weiterer Lösungen konsequent voran und haben einige neue Produkte in der Pipeline. Der neue Markenauftritt verdeutlicht Ruukkis Expertise im Bereich der Energieeffizienz und verkörpert sowohl die Zukunftsträchtigkeit als auch die damit einhergehenden Geschäftsmöglichkeiten in diesem Sektor”, erläutert Taina Kyllönen das Geschäftsmodell von Ruukki.
Energieeffizienz ist ein wesentlicher Bestandteil aller Ruukki-Produkte. Langfristig soll die Fertigung energieeffizienter Spezialstähle das Stahlgeschäft stärken. „Unsere Kunden profitieren von der hohen Leistungsfähigkeit unserer Spezialstähle, die es ihnen ermöglicht sich deutlich von der Konkurrenz abzuheben. Durch das optimale Verhältnis von Gewicht und Belastbarkeit erlauben unsere Produkte die Steigerung von beispielsweise Hubhöhe und Nutzlast. In diesen Bereichen gehören wir bereits jetzt zu den weltweiten Marktführern unserer Branche”, ergänzt Taina Kyllönen.
Ruukki Deutschland mit Hauptsitz in Duisburg konzentriert sich auf den Vertrieb von Stahlprodukten und Spezialstählen für Transport- und Hebemittelindustrie, Maschinenbau, Automobilindustrie sowie Fassaden- und Dachelemente für kommerzielle und industrielle Gebäude. Die Niederlassung in Espelkamp bietet Konstruktionen und Systeme für den Energieanlagenbau.
Bei seinem Start im Unternehmen bekam IT-Manager Stefan Berendes damals auch die Einführung des ERP-Systems Abas mit, das ursprünglich vor allem zur Unterstützung der Organisation von Produktion und Logistik eingeführt wurde: „Aber so, wie sich der Konzern in den letzten Jahren erheblich veränderte, musste sich auch die ERP-Lösung ständig anpassen.“ Doch Berendes, dessen Aufgabe sich im Lauf der Jahre vom Systemadministrator zum IT-Projektleiter und Abas-Verantwortlichen ebenfalls wandelte, lobt die Anpassungsfähigkeit des Systems: „Abas ist so ziemlich die flexibelste Lösung, die ich kenne. Natürlich ist prinzipiell jedes System flexibel, auch ein SAP – wenn man es kann. Das ist eben entsprechend komplex und die Auswirkungen sind teilweise nicht nachzuvollziehen, wenn man an einem kleinen Stellschräubchen dreht. Das hat dann unter Umständen Auswirkungen, die man nicht überblicken kann. Bei Abas ist das kein Problem – wenn ich eine Schraube drehe, ändert sich genau das, was ich ändern will.“
Drei verschiedene Auftragsarten
Einen Kritikpunkt schiebt er allerdings nach: „Die Datenbank ist zwar super schnell. Doch da sie eine Eigenentwicklung von Abas ist, sind keine oder nur unzureichende Schnittstellen vorhanden. So muss man zum Beispiel Programmierungen oft vom Systempartner erledigen lassen.“ Doch dem erfahrenen IT-Manager ist bewusst, dass die systemeigene Datenbank der Preis für die Flexibilität und einfache Update-Fähigkeit des Systems ist: „Updates spielen wir an Wochenenden ein, das bemerken die User meist nur, wenn sich an den Funktionen etwas geändert hat.“ Die ERP-Lösung ist heute das organisatorische Rückgrat für die deutsche Ruukki, die als Eigenhändler auch im IT-Bereich unabhängig von der finnischen Mutter agiert. Dort wird SAP eingesetzt.
Vor allem drei Auftragsarten sind typisch für die Niederlassung: das Strecken-, das Lager- und das Blechgeschäft. Beim ersten wird die Ware in Finnland bestellt und direkt zum Kunden geliefert. Beim Lagergeschäft wird das Material zunächst in Deutschland eingelagert und nach einer Bestellung – falls gewünscht zugeschnitten – ausgeliefert. „Unter dem Blechgeschäft verstehen wir bis zu 20mm dicke Stahlplatten, die kundenspezifisch von einem Fremdfertiger bearbeitet werden – es werden Löcher gebohrt, etwas angeschweißt oder abgeschnitten oder gebogen oder ähnliches“, erläutert der Ruukki-Manager.
Als man erkannte, welche Vorteile das Eigenhändler-Modell vor allem in steuerlicher Hinsicht bringt, wurde es in den letzten Jahren auch in den anderen europäischen Niederlassungen eingeführt. Stefan Berendes: „Um diese Aufträge als Eigenhändler effizient abwickeln zu können, benötigt man ein leistungsfähiges, aber zugleich einfach zu bedienendes ERP-System. Deshalb wurde, basierend auf unseren Erfahrungen, von der finnischen Zentrale beschlossen, Abas ERP als Light-Enterprise-Version zunächst in Westeuropa für kleine Ruukki-Niederlassungen einzuführen.“
Im ersten Schritt wurde die Lösung 2008 nach Spanien ausgerollt, da hier die Prozesse fast dieselben sind wie in Deutschland. Beide Standorte nutzen vom Standard rund 40 Prozent, rund 60 Prozent sind angepasst. Für diese Anpassungen waren in Spanien umfangreiche Übersetzungsarbeiten nötig, die, wie die Anpassungen, vom Systemhauspartner Abas-System in Berlin durchgeführt wurden. Um die spanischen Steuervorschriften zu erfüllen, wurde zudem ein spanischer Partner eingeschaltet, so dass alle finanzrelevanten Berichte, wie Bilanzabrechnung, Steuerberichte und GuV-Rechnung den rechtlichen Auflagen entsprechen. Im zweiten Schritt folgte 2010 die Einführung der ERP-Lösung in der niederländischen Tochtergesellschaft. Hier musste die Funktionalität des Systems wegen etwas anderer Prozesse erweitert werden. Das steuerliche Know-How wurde in diesem Fall von Abas-System als Paket eingekauft.
Mitte dieses Jahres ging die ERP-Lösung in der türkischen Ruukki-Niederlassung live. „Nach den ersten Monaten kann man heute sagen, dass auch hier das Roll-Out problemlos anlief“, zieht Berendes eine erste Bilanz. „Eine besondere Herausforderung liegt natürlich darin, dass die Türkei außerhalb der EU ist und andere Gesetze und Regeln gelten.“
Jedes Land hat einen eigenen Abas-Mandanten. Bestimmte Informationen, die an allen Standorten gleich sind, wie etwa die Stahlgüten oder Preislisten, werden aber zentral in Deutschland verwaltet. „Dazu haben wir gemeinsam mit Abas-System Methoden entwickelt, um diese Prozesse zu vereinfachen“, erläutert Stefan Berendes. „Diese Informationen werden in den Deutschland-Mandanten eingepflegt und von dort aus sofort in alle anderen Mandanten repliziert. Das war eine sehr gute Weiterentwicklung, da man damit erheblich Zeit und Kosten einspart. So muss man das nur einmal machen und benötigt für alle Länder auch nur eine Person, die sich mit dem Thema auskennen muss.“
Nach dem Roll-Out in der Türkei sind aktuell keine weiteren IT-Ziele mit Abas ERP geplant – doch der Projektleiter weiß aus Erfahrung: „Bei uns ändert sich ständig etwas, es ist immer alles im Fluss. Da ist es enorm hilfreich, dass wir ein sehr flexibles ERP haben.“ Hajo Stotz








