Interview

Annina Schopen,

Mehr Freiheit in der Hydraulik

Oliver Werner spricht im Interview darüber, wie Nachhaltigkeit in der industriellen Automatisierung umgesetzt werden kann, welche Neuigkeiten der Spezialist für Antriebs- und Steuerungstechnik zeigt und was es mit der Plattform H4U auf sich hat.

Nachhaltigkeit ist auch 2023 eines der Themen, die die Branche beschäftigen wird. Wie wird das Thema in der industriellen Automatisierung umgesetzt werden und welche weiteren Trends stehen Ihrer Meinung nach in diesem Jahr im Fokus?

Oliver Werner, Standleitung Rexroth-Messestand. © Bosch Rexroth

In der industriellen Automatisierung werden zum einen mehr und mehr Funktionen zum Energiesparen in Komponenten integriert – zum Beispiel unser Smart Energy Mode in den Servoantrieb. Dieser sorgt unter anderem dafür, dass die Energie intelligent im System gehalten wird. Lastspitzen werden weitestgehend vermieden. Umfangreiche Tools und Modelle für die Energie- und Leistungssimulation ermöglichen eine energieoptimale Auslegung von Anlagen.

Ein noch recht neuer Ansatz ist die Wiederverwendung wertiger Automatisierungskomponenten. Durch eine professionelle Wiederaufarbeitung erhält beispielsweise ein gebrauchter Servomotor oder ein Steuergerät den Qualitätsstandard eines Neuprodukts inklusive Gewährleistung zu einem attraktiveren Preis. So werden Rohstoffe geschont und die Gesamtaufwände für Recyclingprozesse reduziert.

Ein weiterer großer Trend in der Automatisierung ist die Bereitschaft zu mehr und mehr Offenheit – sowohl technologisch als auch in der Zusammenarbeit aller Beteiligten. So entstehen neue Formen der Vernetzung und Kollaboration; der Automatisierungsgrad steigt. Mit ctrlX Automation entwickeln wir diesen Ansatz kontinuierlich weiter: ein maximal offener Automatisierungsbaukasten, dessen Lösungsraum durch ein möglichst großes Ökosystem aus Drittanbietern erweitert wird. So fließt das Wissen spezialisierter Unternehmen zusammen und Anwendende können sich ihre Automatisierungslösung ganz nach Bedarf zusammenstellen, aber auch Eigenentwicklungen nutzen.

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Das Leitthema der Hannover Messe ist in diesem Jahr "Industrial Transformation – Making the Difference". Was werden Sie auf der Messe zeigen?

Auf unserem Messestand stellen wir unter anderem unsere Neuentwicklungen zum Automatisierungsbaukasten ctrlX Automation vor: Unser Linux-Betriebssystem ctrlX OS, das bisher exklusiv auf der Steuerung ctrlX Core zum Einsatz kam, ist nun als separate Lösung für das industrielle Umfeld verfügbar. So entsteht die Basis für eine Zusammenarbeit zwischen Branchengrößen.

Mehr Freiheit und Flexibilität erwartet Anwendende künftig auch in der Hydraulik: Hydraulikfunktionen lassen sich mit der neuen Plattform H4U (Hydraulic for you) flexibel gestalten und direkt in bestehende Automatisierungsumgebungen integrieren. Mit Hilfe der H4U.apps erreichen Endanwendende eine höhere Produktivität, Energieeffizienz und verringern ihren CO2-Fußabdruck.

Unter dem Namen eLion zeigen wir ein skalierbares Portfolio an Hochvolt-Komponenten zur Elektrifizierung von Fahr- und Arbeitsfunktionen. Die speziell für den Off-Highway-Bereich entwickelte modulare Plattform umfasst neben Elektromotoren und Invertern auch Getriebe, Software und Zubehör sowie abgestimmte Hydraulik. Weitere Schlüsselkomponenten wie DC/DC-Wandler und Onboard-Ladegeräte ergänzen das eLION Portfolio und sollen zukünftig im Rahmen einer Kooperation mit der Brusa HyPower AG ganzheitliche Lösungen aus einer Hand ermöglichen.

Die Plattform H4U haben Sie im Zuge des Round Tables zur Hannover Messe im Januar beim VDMA bereits kurz vorgestellt. Welche Vorteile bringt diese Transformation hin zur Software?

Klassische Hydraulikkomponenten wurden die letzten Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert. Sie haben bereits einen sehr hohen Wirkungsgrad. Einen deutlich größeren Hebel zur Optimierung sehen wir in der Betrachtung des gesamten hydraulischen Systems unter Nutzung von Elektronik und Software. Mit H4U verschmelzen wir die Stärken der Hydraulik, wie ihre hohe Kraftdichte, Robustheit und Zuverlässigkeit mit der Flexibilität und Skalierbarkeit von Software. In die Software integrierte Hydraulikfunktionen erhöhen so die Wirtschaftlichkeit und Zukunftssicherheit von Maschinen und Anlagen über den gesamten Lebenszyklus. Anwendende können Hydraulik einfacher und ohne spezifisches Technologie-Know-how in ihre gewohnten Automatisierungsarchitekturen integrieren, dies beschleunigt die Time to Market. Über Softwarebausteine simulieren sie ihre Produktionsprozesse durchgängig und optimieren sie so bereits im Vorfeld. Spätere Umstellungen von Produktionsanlagen auf sich ändernde Kundenanforderungen sind schneller umsetzbar. 

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