VDMA Ost und VDWF luden nach Chemnitz

Karin Faulstroh,

Wichtige Impulse auf dem Anwenderforum Werkzeug- und Formenbau

Zu einem Anwenderforum Werkzeug- und Formenbau hatten der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer Ost (VDMA Ost) und der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) gemeinsam Mitte September in die Stadthalle nach Chemnitz eingeladen. Die mehr als 60 Teilnehmer erwartete ein interessanter Themenmix zu aktuellen Trends, Entwicklungen und Innovationen aus der Branche.

Resümee und Abschluss der Veranstaltung durch Reinhard Pätz, Geschäftsführer VDMA Ost.

Für Forschung und Entwicklung bleibt vielen Werkzeug- und Formenbauern im Tagesgeschäft keine Zeit, ein Budget für eigene Entwicklungsaktivitäten ist in der Regel nicht vorhanden. Für eine Branche, die weltweit für höchste Qualität, vor allem aber auch für ihre Innovationskraft bekannt ist, eine gefährliche Entwicklung: "Der deutsche Werkzeug- und Formenbau ist eine Marke, die speziell im Ausland für Zuverlässigkeit, Präzision, Produktivität, aber auch für Werte wie Termintreue und für maßgeschneiderte, optimierte Lösungen steht", erklärte Professor Thomas Seul, Präsident des VDWF, in seiner Begrüßungsansprache. "Diese Stellung als Marke hilft der Branche gerade auch bei Aufträgen aus dem Ausland - das Bewusstsein für diese Marke ist indes in den Betrieben kaum vorhanden."

Angesichts der momentan guten Auftragslage sei es wichtig, die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen, sich entsprechend Alleinstellungsmerkmale zu schaffen und - im Idealfall auch gemeinsam mit anderen Unternehmen - die eigenen Stärken weiterzuentwickeln. Hier spielen die Mitarbeiter eine große Rolle. Sie sind die Träger der Fähigkeiten und Fertigkeiten, die den Werkzeugbau ausmachen. Ein Betrieb muss jedoch nicht nur die technischen Fähigkeiten und Qualitäten entwickeln, sondern auch die unternehmerischen Aspekte im Spannungsfeld zwischen Produktivität und Flexibilität einerseits sowie Kostendruck und Kundenwunsch andererseits im Griff behalten.

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Marco Schülken, Vorsitzender der Fachabteilung Werkzeugbau im VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge, gab einen detaillierten Einblick in die aktuelle konjunkturelle Lage des deutschen Werkzeug- und Formenbaus. Die Branche, die rund 3000 Unternehmen und Betriebsteile umfasst, beschäftigt etwa 30000 Mitarbeiter. Die Wertschöpfung in der Branche lag im vergangenen Jahr bei zirka 4 Milliarden Euro. ¿Für 2014 erwarten wir sogar 4,4 Milliarden Euro¿, berichtete Schülken. "Import und Export von Werkzeugen halten sich in Deutschland in etwa die Waage." Eine Gefahr sieht er durchaus in der aktuellen weltpolitischen Entwicklung: "Man hat manchmal den Eindruck, dass die Politik nicht weiß, was sie mit ihren Entscheidungen anrichtet - und es auch gar nicht wissen will", konstatierte Schülken. "Viele Werkzeug- und Formenbauer haben sehr gute Geschäftsbeziehungen nach Russland, die Projekte liegen im Moment aber auf Eis - die russischen Unternehmen können sich bei den Banken kein Geld mehr beschaffen. Das gefährdet Arbeitsplätze und ganze Betriebe in unserer Branche. Nur sind wir offenbar zu klein und zu leise, um die Aufmerksamkeit der Politik für diese Herausforderung zu wecken."

Vortrag "Fosbury Marketing im Werkzeug- und Formenbau", Lars Zimmermann, kommunikationsoptimierer.de, Salzgitter

Mit Blick in die Zukunft konnten sich die Anwesenden im Verlauf des Fachforums aus einer Reihe von Vorträgen umfangreiche und praxisnahe Tipps holen, um so branchenspezifische Abläufe oder Produktionszyklen weiter zu optimieren: Gegen den Strom schwimmen und Althergebrachtes neu überdenken, dazu ermunterte Lars Zimmermann vom Internetportal kommunikationsoptimierer.de. Seiner Meinung nach müsse man gerade auch in der Kommunikation mit dem Kunden die Chance nutzen, eine wirklich optimale Lösung zu finden und dessen Beweggründe erforschen. ¿Wer es lernt, zu verstehen, was seine Kunden im Kern antreibt, kann sich daher einen entscheidenden Vorsprung in der Interaktion und damit auch im Wettbewerb um Aufträge erarbeiten¿, erklärte Zimmermann.

Über effiziente Werkzeugkonzepte auf der Grundlage von Standardisierung sprach Gerhard Krammel vom Normalienhersteller Georg Meusburger. Innovative Werkzeugtechnik für Magnesiumbauteile war einer der Schwerpunkte von Siebenwurst Werkzeugbau. Welche Bedeutung zielgerichtete Weiterbildung und letztlich hochqualifizierte Mitarbeiter für den Fortbestand eines Unternehmens haben, verdeutlichte Dr. Wolfgang Boos, Geschäftsführer der WBA Aachener Werkzeugbau Akademie. Sein alarmierender Blick fällt auf die Demografie: "Lag das Durchschnittsalter der Mitarbeiter in den von uns untersuchten Werkzeugbauunternehmen 2005 noch bei 37,5 Jahren, ist es 2013 bereits auf 40 Jahre angestiegen", verdeutlichte Boos die Problematik. "Parallel dazu sank die Ausbildungsquote von 16,5 auf weniger als 10 Prozent." Diese Faktoren seien eine zunehmende Herausforderung für die Branche.

In weiteren Vorträgen erläuterten Alexander Hoffmann von ARC Solutions, Chemnitz, und Helmut Zeyn von Siemens Industry Software in Hamburg, inwieweit die passende Software zu höherer Produktivität und Flexibilität im Unternehmen beitragen kann. Und an Beispielen aus der Konstruktionspraxis zeigten Peter Haumayr und Johannes Burkhart vom Bietigheimer Systemhaus Men at Work das Zusammenspiel von CAD und Umformsimulation.

Den Abschluss der Vortragsreihe bildete Rainer Pohl von Makino Europe aus Hamburg. Er gab einen Denkanstoß zu neuen Lösungen für zukunftsweisende Prozessstrategien beim Drahterodieren. Ausgehend von der erodiergerechten Konstruktion über Standardisierung, der richtigen Drahtauswahl, der Datendurchgängigkeit und der Nutzung der Autonomie leistungsfähiger Drahterodieranlagen zeigte er Potentiale und Möglichkeiten der Technologie speziell im Stanzwerkzeugbau.

Der Geschäftsführer des VDMA Ost, Reinhard Pätz, fasste den Tag sichtlich zufrieden zusammen: "Man hat heute gemerkt, dass die Kooperation zwischen dem VDMA und dem VDWF Früchte trägt. Es gibt etliche Herausforderungen seitens unserer Mitglieder, denen wir mit produktiven Kooperationen - so wie heute - begegnen können. Gerade diese Zusammenarbeit der Verbände und der Unternehmen, länderübergreifend, bundesweit oder auch international, wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden." Gleichwohl erklärte Reinhard Pätz - bereits im Hinblick auf das Anwenderforum in Schmalkalden im kommenden Jahr -, dass sich die Themenauswahl des Fachforums immer wieder neuen Aspekten widmen muss und sich von der "rein technischen Ausrichtung" wegbewegen wird.

Auch für Professor Thomas Seul war das Event ein voller Erfolg: "Die Qualität der Fachvorträge war hoch und die Pausen boten ideale Gelegenheiten zum Austausch unter den Teilnehmern des Forums." Aber auch die Atmosphäre der Veranstaltung sei "äußerst passend" gewesen, erklärte Seul: Der Tag habe rundum Spaß und Lust auf mehr gemacht und sei für die Besucher und für ihn selbst von hohem Erfahrungswert gewesen.

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