Wirtschaft + Unternehmen
Vom Nebenprodukt zum „Mercedes“
Im fernen Ägypten entsteht der neue Assuan-Staudamm, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow lassen anlässlich der Kuba-Krise die nuklearen Säbel rasseln und in England versuchen sich die Beatles (erfolglos) an ersten Studioaufnahmen – all das geschah in den frühen sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. In diese bewegte Zeit fallen auch die Anfänge der Firma Rische + Herfurth.
Es sind die beiden norddeutschen Unternehmer Dietrich Rische und Rolf Herfurth, die sich in diesen Jahren mit Kunststoff-Schweißverfahren auf der Basis der Hochfrequenz- und Ultraschalltechnik beschäftigen. Ihr Ziel ist es außerdem, auch mit der Wärmeimpuls-Schweißtechnik den aufkommenden Verschweißungsbedarf für thermoplastische Verpackungsfolien abzudecken. Das Kuriose daran: Was eigentlich zunächst nur als „Nebenprodukt“ das Licht der Technikwelt erblickt, entwickelt sich rasch zu einem eigenständigen Betätigungsfeld – und somit zu einem festen Standbein des Unternehmens. Schnell erkennt man die zukünftigen Möglichkeiten für Wärmeimpuls-Schweißgeräte im Bereich der Verpackungstechnik. Als Konsequenz daraus entsteht im Jahr 1963 die eigenständige Rische + Herfurth OHG, als dessen erster Geschäftsführer Karl-Heinz Krogmann eingesetzt wird. Unter seiner Federführung wird die Marke Polystar weltweit zum Begriff für das zuverlässige Verschweißen von Verpackungsfolien wie etwa Polyethylen- und Verbundfolien. Jahrzehnte später erfolgt 1981 unter seiner Führung auch die Umwandlung des Unternehmens zur GmbH. Bis zu seinem Tode im März letzten Jahres leitet er erfolgreich die Geschicke der Firma.
Die erste angemietete Produktionsstätte des jungen Unternehmens liegt in Hamburg-Bahrenfeld. Obgleich schnell klar wird, dass die Räumlichkeiten zu knapp bemessen sind, behilft man sich lange Zeit mit organisatorischen Improvisationen. Fast zwanzig Jahre vergehen, bis dann ein geeignetes größeres Betriebsgelände gefunden und bezogen wird. Die Wahl fällt auf ein elegantes Backstein-Gebäude in Hamburg-Wandsbek, das bereits in den 1920ern erbaut wurde. Nach diversen Anpassungs- und Umbaumaßnahmen können die Geschäfte Anfang 1984 unter der neuen Adresse erfolgreich weiter geführt werden.
Ständige Weiterentwicklung
Das Verfahren des Wärmeimpuls-Schweißens wird im Laufe der Jahre rund um die Thematik Verpacken, Versiegeln und Verbinden weiter entwickelt und perfektioniert. In vielen Fällen inspiriert durch Kundenwünsche aus verschiedenen Branchen entwickeln die Techniker von Rische + Herfurth außerdem verschiedene Handhabungstechniken wie beispielsweise die Fuß- oder Handbedienung, ergonomische Schneidevorrichtungen oder das Trennnaht-Verfahren. Auch die Einführung der einfachen oder doppelten Heizleistung sowie der schnellen Durchlaufschweiß-Technik erweisen sich als Erfolge und werden zum Renner. Darüber hinaus erkennen Techniker und Management bereits frühzeitig, dass der Markt nicht nur das industrielle Verschweißen von PE- und Verbundfolien fordert, sondern in wachsendem Maße auch das Versiegeln von Sterilfolien – vor allem für Anwendungen im Krankenhausbereich und in der Medizintechnik. „Hier galt und gilt es, sehr speziellen und hohen Anforderungen Rechnung zu tragen. Bis heute aber setzen unsere hauseigenen Konstrukteure und Elektroniker die immer höheren und komplexeren Erwartungen der Anwender zuverlässig um“, erklärt Brigitte Krogmann, die das Unternehmen seit Mitte 2008 als Geschäftsführerin leitet.
Bis heute entwickelt, produziert und vertreibt Rische + Herfurth qualitativ sehr hochwertige und innovative Folienschweißgeräte der Marke Polystar. Sie sind TÜV- oder BG-geprüft und tragen das GS-Zeichen. Das Erfolgsprodukt im Geräteprogramm ist das mobile Zangen-Schweißgerät vom Typ 110 GE, das mitsamt seinen technischen Vorläufern bisher über 26.000 Mal verkauft wurde. „Mancher Anwender bezeichnet unser Gerät als den ´Mercedes´ unter den Folienschweißsystemen“, berichtet Brigitte Krogmann.
Die Klientel des international bekannten Unternehmens ist inzwischen sehr breit gefächert. Die manuell oder halbautomatisch zu bedienenden Geräte kommen sowohl in chemischen Fabriken und im Automobil- und Flugzeugbau zum Einsatz als auch im Klinikbereich, in der Nahrungsmittelindustrie und in vielen anderen Wirtschaftszweigen. Das Unternehmen beschäftigt am Stammsitz Hamburg derzeit 30 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz im einstelligen Millionen-Euro-Bereich (2008). Aktuell bedient es mehr als 12.000 Kunden weltweit. In diesem Jahr wird es unter anderem auf der Fachpack in Nürnberg ausstellen (Halle 9, Stand 436). Michael Stöcker








