Wirtschaft + Unternehmen
Ableiten heißt die Devise
In vielen Unternehmen zählt Druckluft zu den wichtigsten Versorgungsmedien: Sie drückt Flüssigkeiten in und aus Tanks, fördert Schüttgüter, schiebt Werkstücke in Position oder läßt Greifer auf und zu gehen. Einsatzmöglichkeiten gibt es unzählige. Und bei (fast) allen steht die Forderung nach ständig verfügbarer, trockener, ölfreier Luft ganz oben. Nachgeschaltete Trockner können das auf Dauer nicht allein bewerkstelligen. Ein Kondensatableiter gehört mit ins System. Auf welche Technik man beim Kondensatableiten setzt, ist dabei weniger eine Frage des Geldbeutels denn der Betriebssicherheit. Und die macht sich letztendlich bestimmt bezahlt.
Nein, es herrscht beileibe kein Hochbetrieb auf dem weitläufigen, winterkalten Gelände im niedersächsischen Lemförde. Nur ein einsamer Tanklastzug steht geduldig in Warteposition. In ein paar Minuten wird ihn sein Fahrer an eine der Füllstationen chauffieren. Dort hängen armdicke Schläuche an ausladenden Haltevorrichtungen, immer bereit, ihren Rüssel in die Luke des Tanks zu stecken und ihn mit flüssigem Polymer ¿ einem Grundprodukt für die Herstellung von Polyurethanschaum-Systemen ¿ zu füllen.
Druckluft immer verfügbar
Im Kellerraum verborgen, setzen dazu mehrere Kompressoren die Luft unter Druck. ¿Auch zum Entleeren der Tanks (an einer anderen Station) benutzen wir Druckluft¿, erklärt mir Adolf Wittkötter, Gruppenleiter ¿Instandhaltung¿ beim zur BASF-Gruppe gehörenden Unternehmen Elastogran. Selbstverständlich ist das nicht, wird doch für beides noch oft Stickstoff als treibende Kraft verwendet. Wer sparen will, sattelt um, könnte man als Parole herausgeben. Denn die Stickstoff-Lieferanten lassen sich ihr Produkt etwas kosten, ganz abgesehen von Vorratstanks, Armaturen und Sicherheitseinrichtungen, die für das kalte, flüssige Gas notwendig sind.
Druckluft statt Stickstoff: Es bedurfte keiner großen Überredungskünste von Seiten Horst Peter Spangs, um 1994 die Lemförder zu überzeugen. Der Leiter der Abteilung ¿Instandhaltung und Monta- ge¿ beim renommierten Bielefelder Handels-, Beratungs- und Serviceunternehmen Oltrogge ließ Zahlen für sich sprechen. Die belegten, daß sich die Anschaffung von insgesamt sieben Hochdruck-Schraubenkompressoren vom Kompressorhersteller Boge, kombiniert mit entsprechenden Druckluftaufbereitungs-Anlagen, schnell amortisieren würde.
Als großes Plus führte er unter anderem die kontinuierliche Verfügbarkeit der Druckluft ins Feld. Die Kompressoren produzieren sie Stunde um Stunde, Tag für Tag. Und zu nahezu 100 Prozent störungsfrei, wie ein mit Wartungsaufgaben betrauter Werkstattmeister anmerkt. Er muß es wissen. Denn zusätzlich zu den elektronischen Überwachungs- und Steuerungseinrichtungen der Verdichter, inspizieren er und seine Kollegen täglich die Kellerräume, schauen nach, ob bei den hochnotwendigen Anlagen alles mit rechten Dingen zugeht. Ein Ausfall hätte schlimme Folgen, da neben Strom und Wasser die Druckluft inzwischen zu einem überaus wichtigen Versorgungsmedium avancierte.
Die Verfügbarkeit allein reicht allerdings den wenigsten, um umzusatteln. Empfindliche Rohstoffe (nicht nur die bei Elastogran), Maschinen und Pneumatikkomponenten vertragen weder Feuchtigkeit noch Schmutzpartikel irgendwelcher Art. Luft in unkontrollierter Qualität darf sich folglich unter keinen Umständen im Leitungsnetz breitmachen. Mit Filterelementen und Drucklufttrocknern werden unerwünschte Partikel und Feuchtigkeit zurückgehalten. Wobei das nur ein Teil des Schutzes ist.
Aber ohne Kondensat
Der ständig lauernde Feind der sauberen Druckluft, der Filter, Trockner, Armaturen und Leitungen ist unbeachtetes Kondensat. Das klingt wie starker Tobac, trifft aber den Nagel auf den Kopf. Vermeiden läßt sich der hochkonzentrierte Wasser-Staub-Aerosol-Öl- oder -Chemikalien-Cocktail nicht. Kondensat gehört zur Druckluft wie Mehl zum Brot ¿ da läßt die Physik nicht mit sich handeln. Und damit nicht genug. Je nach Witterungsverhältnissen fällt mehr oder weniger der aggressiven und störenden Flüssigkeit an: im Sommer (wegen des höheren Wasser-Aufnahmevermögens der Luft) einiges mehr als im Winter.
In dem Druckluft-System darf das Kondensat nicht länger stehen bleiben. Andernfalls müßte man sich über wachsende Roststellen bis hin zum Ausfall der Systeme nicht wundern. Ableiten, heißt die Devise ¿ wobei es dazu mehrere Möglichkeiten gibt. ¿Wir liefern die Kompressoren üblicherweise mit einem Kondensatableiter von Beko aus, und das schon seit Anfang der achtziger Jahre.¿ Für Spang gibt es keine Frage, daß dieses kleine, aber wichtige Detail zu einem gut funktionierenden Druckluft-System gehört. Und um die Entsorgungskosten in Grenzen zu halten (unbehandeltes Kondensat gehört nicht in das Abwasser), empfiehlt er gleich einen Kondensataufbereiter mit dazu.
In Lemförde arbeiten die beiden Komponenten ¿ Kondensatableiter und -aufbereiter ¿ beständig und bisher ohne zu mucken. Einmal im Jahr steht bei dem Aufbereiter ein Filterwechsel an. Den mit Öl und Schmutz gesättigten Abscheider nehmen die Mitarbeiter Spangs mit ins Bielefelder Unternehmen. ¿Die fachgerechte Entsorgung übernehmen wir. Das gehört zu unseren Serviceleistungen.¿
Um den Kondensatableiter mußten sich die Servicetechniker aus Bielefeld bisher noch nicht kümmern. Der funktioniert, dafür haben sich die Entwickler in Neuss ganz besonders angestrengt. Sie bauten einen Sammelbehälter für das Kondensat und gaben ihm einen Niveausensor, ein Membran- und ein Magnetventil dazu. Der Vorteil der kleinen Apparatur erklärt sich in ihrer Funktionsweise. Während des Kompressorbetriebs füllt sich der Behälter nach und nach mit Kondensat. Bei einem bestimmten Füllstand kommandiert der Sensor: Magnetventil auf. Oberhalb des Membranventils entweicht die Steuerluft, so daß sich die Membran anheben kann und das Kondensat, vom Überdruck angetrieben, zum Aufbereiter ausläuft.
Nicht immer das Billigste
Wer meint, das könnte er einfacher und billiger haben, indem er lediglich ein zeitgesteuertes Magnetventil hinter die Druckluft-Aufbereitungskomponenten setzt, wird schnell eines besseren belehrt. Die vermeintlich kostengünstige Variante öffnet nämlich immer nach einer bestimmten Zeit und für eine festgelegte Dauer ¿ gleichgültig ob genügend Kondensat abfließen kann oder nicht. Der ganz unerwünschte Effekt: Entweder es bleibt mehr Kondensat in der Leitung als gut ist oder wertvolle Druckluft strömt in größeren Mengen aus, bis sich das Ventil endlich schließt. In Neuss spricht man von ¿einem zuverlässigen Verfahren der Energieverschwendung¿. Was sicherlich stimmt.
Abhilfe schafft hier der Blick in die alltäglichen Wettervorhersagen. Je nachdem ob warm oder kalt muß der Schließ- beziehungsweise Öffnen-Zyklus des Ventils angepaßt werden. Aber wer macht das schon?!
Da kommt man mit dem elektronisch gesteuerten Ableiter sehr viel weiter ¿ ohne Druckluftverluste. Der Apparat läßt das Membranventil nur solange offen wie unbedingt nötig. Denn während das Kondensat ausläuft, ermittelt die Elektronik die notwendige Öffnungszeit. Wechselnde Betriebsdrücke und unterschiedliche Kondensatviskositäten hat sie sicher im Griff. Rechtzeitig bevor der erste Drucklufthauch entweichen kann, ¿setzt¿ sie die Membran wieder in Verschlußposition.
Was die Funktionssicherheit des Ableiters angeht: Selbstverständlich ist auch er nicht immer vor Störungen gefeit. Wobei hier ebenfalls die Elektronik weiterhilft. Und die Konstruktion sorgt dafür, daß es so selten wie nur möglich vorkommt: Weil jegliche Mechanik im Kondensatbereich fehlt, kann nichts haken, hängen oder verkleben.
Kompressor, Trockner, Kondensatableiter: Ein Dreiergespann, das sich bewährt. In Bielefeld, beim Kompressorbauer und bei dessen Verkaufs- und Servicepartner, setzt man auf diese Kombination, das kleine Detail ¿ der Kondensatableiter ¿ gehört für beide Unternehmen zu den Druckluftsystemen unbedingt dazu. Den Kunden der beiden kommt das sehr gelegen. Denn sie können sicher sein, daß sie kontinuierlich und weitgehend störungsfrei mit trockener und sauberer Druckluft arbeiten.
Claudia Treffert / März 1998








