Weigang-Chef Georg Jahn

„Die ersten Schritte sind getan“

Unter seinem neuen geschäftsführenden Vorstand Georg Jahn treibt der renommierte Plantafel-Hersteller Weigang die Annäherung seiner Visualisierungssysteme an die Anforderung von Industrie 4.0 systematisch voran. Im Exklusiv-Interview mit SCOPE-Redakteur Michael Stöcker beschreibt er seine Strategie auf dem Weg dorthin.

Georg Jahn ist neuer geschäftsführender Vorstand des Plantafel-Herstellers Weigang.

SCOPE: Wie kommt es, dass Sie sich als Hersteller von Plantafeln und Organisationssystemen mit der Frage befassen, wie Sie mit Ihren Produkten in die Welt von Industrie 4.0 vorstoßen können?

Georg Jahn: Wir sehen darin keinen Widerspruch, sondern eher eine hochinteressante Perspektive. Ich kann verstehen, dass man uns als – wenn Sie so wollen – reinen Produzenten von „Hardware“– auf den ersten Blick nicht zutraut, in Sachen Industrie 4.0 mitreden zu können. Aber bei der Entwicklung unserer Lösungen für die Organisation, Planung und Visualisierung haben wir schon immer in den Dimensionen von Prozessen und Netzwerken gedacht. Außerdem verfolgen unsere Produkte in der Industrie ja immer das Ziel, an kommunikativen Schnittstellen mehr oder weniger komplexe und virtuelle Sachverhalte transparent zu machen. Sie erkennen allein an diesem Vokabular, wie nah wir damit der Welt von Industrie 4.0 kommen.  

SCOPE: Das klingt recht theoretisch. Können Sie unseren Lesern ein praktisches Beispiel für Ihre Industrie 4.0-Orientierung nennen?

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Jahn: Aber ja, denken Sie nur an den Trend, in der Fabrikautomatisierung immer mehr dezentrale Systeme für Fertigung  und Produktion einzusetzen, die dann – elektronisch gesteuert und digital vernetzt – irgendwo wieder zentral zusammenfließen. Daraus ergeben sich mitunter hochkomplexe, zum Teil schwer durchschaubare Prozesse. Mit unseren Systemen und Produkten machen wir dieses virtuelle Geflecht für den Anwender sichtbar, verstehbar und beherrschbar. Zum Teil gelingt das heute schon mit unseren aktuellen Produkten, zum Teil werden wir dafür auch weitere prozessorientierte Lösungen entwickeln. Wir verfolgen hier einen Drei-Stufen-Plan, der auch die Entwicklung neuer Produkte und zusätzliche Dienstleitungen beinhaltet.

SCOPE: Verraten Sie uns mehr über diesen Drei-Stufen-Plan?

Jahn: Die erste Stufe ist sozusagen der aktuelle Ist-Zustand, in dem wir mit unseren klassischen Systemen zur Visualisierung und Planung von Prozessen in Produktion, Fertigung und Logistik ja fest etabliert sind. Typische Beispiele hierfür sind etwa unsere Plantafeln, unsere Weigang-AV Anlagen, unsere Organisationstaschen oder auch unsere Shopfloor-Visualisierungs-Systeme. Die zweite Stufe auf dem Weg zu Industrie 4.0 steht für die Entwicklung erster elektronischer Produktlösungen. Hier haben wir mit der Vorstellung neuer Produktkonzepte unter der Bezeichnung Weigang Neo auf der letzten Logimat in Stuttgart den ersten entscheidenden Schritt getan – etwa mit einer neuen Leitstand-Lösung auf der Basis der RFID-Technologie, die sich an der in vielen Betrieben praktizierten Belegflusslogistik und -systematik orientiert. Die dritte Stufe ist dann sowohl geprägt von der konsequenten Erweiterung des elektronisch-digitalen Produkt-Portfolios als auch vom Ausbau unserer Consulting-Kompetenzen auf der Basis jeweils aktueller Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung rund um das Thema Produktionsplanung und -organisation.

SCOPE: Welchen zeitlichen Horizont haben Sie denn bei der konkreten Umsetzung dieses Drei-Stufen-Plans vor Augen?

Jahn: Nun, in der rein haptischen Welt der Stufe Eins bieten wir ja mit unserem aktuellen Portfolio schon heute nahezu alles, was beispielsweise Betriebs- und Fertigungsleiter für die Anwendung moderner Methoden wie etwa Kanban, Lean-Management, Kaizen oder TQM brauchen. Den ersten Schritt in die Virtualität von Industrie 4.0 haben wir mit der Konzeption unserer neuen Linie Weigang Neo auch schon gewagt, und mit Blick auf die Stufe Drei intensivieren wir derzeit unseren Knowhow-Austausch mit der FH Rosenheim auf dem Gebiet der Produktions- und Fertigungsplanung.

SCOPE: Welche Frage- oder Aufgabenstellungen stehen denn bei Ihren Gesprächen mit der FH Rosenheim im Mittelpunkt?

Jahn: Hier geht es beispielsweise um die konkrete Frage, welche Wege die Informationen aus dezentral organisierten und hoch automatisierten Produktionssystemen nehmen und an welcher Stelle es zukünftig Sinn macht, diesen virtuellen Informationsfluss zentral zu visualisieren. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen können wir dann die passenden Produktlösungen für Planung, Organisation und Optimierung generieren. Gleichzeitig ist damit gewährleistet, dass die Systeme von Weigang – ganz gleich ob rein haptisch, elektronisch oder hybrid – die virtuellen Abläufe und Prozesse einer Produktionslandschaft richtig abbilden und darstellen.   

SCOPE: Haben Sie denn nicht Sorge, dass gerade die Aufgaben von Visualisierung und Kommunikation in der Welt von Industrie 4.0 nur noch von elektronisch-digitalen Systemen bzw. Software abgedeckt werden?

Jahn: Nein. Schauen Sie in die Betriebe. Überall fungieren haptische Planungssysteme, Aushangsysteme und Organisationsmittel als Schnittstelle zwischen Mensch und Technik. Sie sind das effizienteste „Übersetzungstool“ für die Vermittlung komplexer Prozesse. Wo immer in Produktion und Fertigung mehrköpfige Teams und Arbeitsgruppen am Werk sind, bilden sie den Mittelpunkt der Kommunikation. Und jeder gut ausgebildete Betriebsleiter weiß wie wichtig eine funktionierende und transparente Kommunikation für die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter ist. Sie hat unmittelbaren Einfluss auf Effizienz und Produktivität. Mit Blick auf unsere eigene Geschäftsentwicklung können wir sagen: Je komplexer die Produktionsprozesse werden, desto höher ist die Akzeptanz der Mitarbeiter für unsere Visualisierungslösungen, die schnell und einfach zu verstehen sind.

SCOPE: Von „Lösungen“ sprechen Sie häufig, wenn es um Ihre Produkte geht. Bieten Sie aber letztlich nicht mehr oder weniger standardisierte Organisationsmittel?

Jahn: Eindeutig nein. Zum einen verstehen wir uns als lösungsorientierten Komplettanbieter mit ganzheitlichem Ansatz. Und zum anderen sind viele Produkte, die unser Haus verlassen kundenspezifisch ausgelegte und individuell ausgestattete Lösungen – ob Plantafeln, Shopfloor-Lösungen, Aushangsysteme, Organisationstaschen oder anderes. Sie sind das Ergebnis einer ausführlichen Kundenbetreuung, oft einer Vor-Ort-Analyse und spiegeln die jeweiligen Prozesse und Methoden des Anwenders wieder. Selbstverständlich haben wir eine Art Baukastensystem mit zahlreichen standardisierten Komponenten, aber was daraus entsteht, entscheidet letztlich der Kunde und sein Anwendungsfall.

SCOPE: Und wie schaffen Sie es, diesen ganzheitlichen Anspruch in die Tat umzusetzen?

Jahn: Dank unserer hohen eigenen Fertigungstiefe sind wir in der Lage, Spezial- und Sonderlösungen schnell umzusetzen. In unserem Werk hier in Ebern ver- und bearbeiten wir beispielsweise Metalle, Holz, Papier, Kunststoff und verstehen uns auch auf Materialkombinationen. Außerdem unterhalten wir ein sehr dichtes, kompetentes Vertriebsnetz, so dass wir rasch am Ort des Geschehens sind, und sehr genau wissen, was der Kunde benötigt. Das sind letztlich auch zwei wichtige Gründe dafür, warum Weigang heute als Weltmarkführer auf dem Gebiet der Plantafel-Herstellung gilt und in nahe allen Branchen zu finden ist.

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