Software
Cimdata sieht PLM-Markt wieder auf Wachstumskurs
„Back to the Future“ – unter dieses Motto stellte Cimdatas neuer Präsident Peter Bilello, der nach dem Tod von Ed Miller die Leitung des Unternehmens übernommen hat, seine Präsentation der wesentlichen PLM-Trends. Was er damit sagen wollte, ist, dass sich neben neuen Themen – wie der wachsenden Bedeutung der Umweltverträglichkeit – auch altbekannte Themen mit neuer Dynamik zurückmelden. So habe sich beispielsweise das CAD-Geschäft dank der technologischen Entwicklung und der Bereitschaft der Kunden, über Migration nicht nur laut nachzudenken (siehe die Entscheidung von Daimler für den Umstieg von Catia auf NX), wieder zu einem „Schlachtfeld“ entwickelt. Gleichzeitig wachse unter dem neuen Schlagwort Cloud Computing die Akzeptanz für Software-as-a-Service-Nutzungsmodelle, die es früher auch schon mal gab.
Nachdem die Rezession zu kräftigen Einschnitten bei den IT-Budgets und den personellen Ressourcen geführt hat, haben viele Unternehmen wieder größere PLM-Initiativen gestartet. Getrieben wird die PLM-Expansion in den traditionellen Branchen und Märkten laut Bilello durch neue Anforderungen wie Total Systems Engineering beziehungsweise Requirements Management, Mechatronics, Enterprise Simulation Management, Digital Manufacturing, Product Portfolio Management, Enterprise Content Management oder Maintenance, Repair & Overhaul (MRO). Damit gehe eine Ausweitung des Funktionsumfangs der Enterprise-PDM-Lösungen einher. Ein neuer Trend sei die wachsende Bedeutung einer umweltfreundlichen beziehungsweise nachhaltigen Produktentwicklung über die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen (Compliance) hinaus. Unter der Webadresse http://www.plmisgreen.com will Cimdata PLM-Anbieter und Anwender darüber informieren, wie PLM eine umweltverträgliche Produktentwicklung unterstützen kann.
cPDm-Markt wuchs 10,1 Prozent
Mit viel Spannung erwarteten die Vertreter der PLM-Industrie Cimdatas Marktzahlen und Ranglisten, die in diesem Jahr von Stan Przybylinski präsentiert wurden, der nach achtjähriger Abwesenheit zu der Marktforschungsfirma zurückgekehrt ist. Cimdata teilt den PLM-Markt grundsätzlich in drei Kategorien ein, nämlich
Tools (CAD, CAM, CAE, AEC – Architecture, Engineering and Construction –, EDA – Electronic Design Automation – etc.),
Digital Manufacturing und
collaborative Product Definition Management (cPDm), das heißt Lösungen für das Lifecycle-Management der Daten und Prozesse.
Während der PLM-Gesamtmarkt (einschließlich Bauwesen und Elektronik-Design) den Schätzungen von Cimdata zufolge um 9,7 Prozent auf 25,8 Milliarden US-Dollar wuchs, legte das cPDm-Segment um 10,1 Prozent zu und erreichte ein Volumen von 8,73 Milliarden US-Dollar. Etwas schwächer fiel das Wachstum im Geschäft mit den Tools aus, in dem insgesamt 16,3 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden. Das Digital-Manufacturing-Geschäft konnte auch 2010 die Wachstumshoffnungen nicht erfüllen und erreichte nur 474 Millionen US-Dollar (plus 5 Prozent).
Die stärksten Zuwächse verzeichnete das PLM-Geschäft 2010 im asiatisch-pazifischen Raum, der im Rezessionsjahr 2009 allerdings auch den stärksten Einbruch hatte hinnehmen müssen. Nord- und Südamerika liegen weiterhin knapp vor der Region EMEA. Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man nur den so genannten Mainstream-PLM-Markt (ohne EDA, AEC, CASE – Computer Aided Software Engineering – und reine cPDm-Lösungen) betrachtet: Hier dominiert die Region EMEA mit einem Marktanteil von etwa 40 Prozent. Der Mainstream-Markt erreichte im letzten Jahr ein Wachstum von 8,5 Prozent und ein Volumen von 16,3 Milliarden US-Dollar.
Cimdatas Zahlen zu den einzelnen Segmenten des Tool-Markts werfen einige Fragen auf. So erwirtschafteten die PLM-Anbieter rund 4,65 Milliarden US-Dollar mit Mechanik-CAD-Systemen beziehungsweise mit integrierten CAD/CAM-Lösungen, während auf die EDA-Tools 5,1 Milliarden US-Dollar entfielen und auf die CAE-Tools für Simulation und Analyse immerhin noch 2,4 Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2008 hatten Zahlen für den deutschen Markt (erschienen im PLM-Jahrbuch 2009/2010 des Hoppenstedt-Verlags) noch ergeben, dass etwa die Hälfte der gesamten PLM-Software- und Serviceumsätze auf CAD und CAM entfallen, aber nur etwas mehr als ein Viertel auf PDM. Wenn die Zahlen von Cimdata stimmen, wäre die Gewichtung nun weltweit genau umgekehrt, das heißt der cPDm-Markt fast doppelt so groß wie die Mechanik-CAD-Segmente. Möglicherweise erklären sich die Differenzen durch unterschiedliche Methoden bei der Erfassung und Bewertung der letztlich auf Herstellerangaben beruhenden Umsätze.
Mehr Software- als Servicegeschäft
Das Wachstum des PLM-Gesamtmarktes wurde im Jahr 2010 stärker durch den Verkauf neuer Software-Lizenzen als durch das Servicegeschäft getrieben. Nach Einschätzung von Cimdata wird das in den nächsten Jahren eine Welle von Folgeinvestitionen in Dienstleistungen auslösen. Insbesondere das cPDm-Geschäft ist nach wie vor sehr Service-lastig. Im Schnitt erwirtschaften die Anbieter 60 Prozent ihrer Umsätze damit, wobei der Serviceanteil bei den reinen cPDm-Anbietern kurioserweise deutlich niedriger liegt (23 Prozent). Cimdata erwartet für das cPDm-Geschäft in den nächsten fünf Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 9,3 Prozent pro Jahr.
Was die Rangliste der weltweit größten PLM-Anbieter anbelangt, so gibt es keine großen Überraschungen. Nach der Übernahme der PLM-Vertriebsorganisation von IBM ist
Dassault die Nummer eins, gefolgt von
Autodesk,
Siemens PLM Software,
PTC,
SAP und
Oracle.
Neu ist nur, dass Cimdata Autodesk in die Gruppe der so genannten PLM-Mindshare-Leader aufgenommen hat, da das Unternehmen sich nicht mehr nur als Anbieter von Tools versteht. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Firma den Löwenanteil ihrer Umsätze nach wie vor mit Tools generiert. Ordnet man die Rangliste nach den PLM-Umsätzen, schieben sich die drei großen EDA-Anbieter Synpsys, Cadence und Mentor Graphics unter die ersten zehn und auch IBM taucht als PLM-Serviceanbieter wieder auf.
Fazit: Der PLM-Markt verzeichnet wieder ein solides Wachstum, das sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Während in den traditionellen Branchen der Wettbewerb zunimmt, ergeben sich Expansionsmöglichkeiten in Handel, Bekleidungsindustrie, pharmazeutischer und Nahrungsmittelindustrie, Prozessindustrie und bei anderen Betreibern von Anlagen und Infrastruktur, ja sogar bei Finanzdienstleistern und im Versicherungsbereich. Da den meisten Systemherstellern die notwendige Branchenkenntnis fehlt, um diese neuen Märkte effektiv zu adressieren, bieten sich spezialisierten Systemintegratoren und Wiederverkäufern hier interessante Wachstumschancen.
Michael Wendenburg, Fachjournalist, Sevilla
Cimdata BV, Weert (Niederlande) Tel. +31 (0) 495 533 666, http://www.cimdata.com








