Prohektmanagement

Michael Wendenburg / dsc,

Performance und Sicherheit in der Cloud

Adler Pelzer ist die weltweite Nummer zwei bei akustischen und thermischen Fahrzeugkomponenten. Das Unternehmen hat mit einer global einheitlichen Projektmanagement-Software die funktionsübergreifende Zusammenarbeit in der Entwicklungsphase verbessert und die Kostentransparenz erhöht. Seit dem Umstieg in die Cloud steigt die Anwenderzahl rasant.

Die Adler Pelzer Group entwickelt und fertigt Bodenverkleidungen, Dachhimmel, Kofferraumsysteme, Motorraum-Isolationen und andere Bauteile, die sich auf die Fahrzeugakustik auswirken. Das global tätige Unternehmen ist sowohl Entwicklungspartner für Volkswagen, BMW, Mercedes und andere OEMs als auch Auftragsfertiger, der die für die Produktion notwendigen Werkzeuge baut oder bauen lässt. „Bei normaler Auslastung produzieren wir jeden Tag 2,1 Millionen Teile“, sagt Karsten Meise, global verantwortlich für Qualität, HSE & Management Systems bei der Adler Pelzer Holding in Hagen.

Innenraumgeräuschmessung in einem Akustiklabor bei Adler Pelzer. © Adler Pelzer

Im letzten Jahr ist das Unternehmen durch die Übernahme der Mehrheitsanteile an der STS Group und des „Acoustics and Soft Trim“-Geschäfts von Faurecia gewachsen und hat nun rund 15.000 Beschäftigte an 105 Standorten, verteilt über fünf geographische Business Units (BU). An 13 dieser Standorte wird entwickelt und an 89 gefertigt. Im Geschäftsjahr 2020 hat Adler Pelzer 1,17 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

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Global einheitliche Projektabwicklung

Bei seinen Kundenprojekten steht Adler Pelzer vor einer doppelten Herausforderung: Das Unternehmen muss gemeinsam mit dem Auftraggeber ein Produkt entwickeln, das effizient in den Fahrzeugen verbaut werden kann und sich gleichzeitig kostenoptimiert in Serie fertigen lässt. Je nach Produktionsstandort kann das mehr oder weniger Automatisierung bedeuten. Die Projektarbeit verlagert sich deshalb nach der Kunden-Freigabe an die regionalen Industrialisierungsteams, die die Werkzeuge konstruieren und die Serienprozesse validieren und optimieren.

„Wir müssen nicht nur die Abstimmung mit den interdisziplinären Teams beim Kunden koordinieren, sondern auch unsere eigene Zulieferkette optimal takten und Änderungen präzise einsteuern“, sagt Meise. „Es gibt nur noch selten Prototypen-Werkzeuge, das heißt, wir gehen gleich in Stahl und Eisen, was Änderungen teuer und zeitaufwendig macht. Project Office hilft uns, die Datenstände sauber abzugleichen und präzise zu dokumentieren.“

Adler Pelzer nutzt die Projektmanagement-Lösung von Contact Software seit Anfang 2017, zunächst als On-Premise-Lösung mit mehreren Server-Standorten. Damit verfolgte der Automobilzulieferer das strategische Ziel, das Projektmanagement standort- und BU-übergreifend zu vereinheitlichen, die globale Verfügbarkeit der Projektdaten zu verbessern und so die Transparenz zu erhöhen. Die Komplexität der Projekte ließ sich mit manuell gepflegten Excel-Tabellen nicht mehr bewältigen, wie Meise sagt. „Außerdem gab es klare Vorgaben seitens unserer Kunden, wie wir unsere Projekte zu steuern haben, um die Liefertreue garantieren zu können.“

Umstieg in die Cloud

Nach einem Benchmark fiel die Wahl aus mehreren Gründen auf Project Office: Erstens bevorzugte Adler Pelzer eine auf den Entwicklungsprozess zugeschnittene Lösung. Zweitens suchte man einen starken Partner, mit dem man das IT-Projekt international umsetzen konnte und der bereit war, die Software entsprechend den Kundenanforderungen weiterzuentwickeln. „Wir setzen ständig Verbesserungsideen mit Contact Software um“, so Meise. „Das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation.“ Drittens überzeugten die leistungsfähigen Funktionen für das Multi-Projektmanagement.

Mitte 2021 migrierte Adler Pelzer die Project-Office-Anwendung in die Cloud. Ausschlaggebend dafür waren weniger Kostenüberlegungen, sondern die höhere Performance der SaaS-Lösung (Software as a Service) im Vergleich zur On-Premise-Installation und vor allem das Thema Cybersecurity. „Extern gemanagte Systeme bieten ein wesentlich höheres Sicherheitsniveau, als wir es mit unseren internen Ressourcen gewährleisten können“, betont Meise. „Deshalb werden wir uns als Unternehmen weiter in Richtung Cloud bewegen. Wir haben gerade den ersten Produktionsstandort im laufenden Betrieb umgerüstet, an dem keine Server mehr stehen.“


Ein Vorteil der SaaS-Lösung sind auch die kontinuierlichen Updates: Jede Produktverbesserung oder Weiterentwicklung wird automatisch eingespielt, sodass alle Anwendungen immer auf dem neusten Stand sind. Die unternehmensspezifische eLearning-Plattform, die Adler Pelzer mit Kursmaterial von Contact aufgebaut hat, sorgt für eine systematische Schulung der weltweiten Anwenderinnen und Anwender. Wie intensiv sie das System nutzen, wird anhand der Nutzerzahlen und anderer Schlüsselindikatoren ermittelt.

Anwenderzahl mehr als verdoppelt

Die SaaS-Lösung bietet mit ihrer Weboberfläche, die je nach Bedarf einfach zu personalisieren ist, einen hohen Bedienkomfort. Dadurch ist die Anwenderakzeptanz deutlich gestiegen – auch auf Management-Ebene, wie Meise betont. Die Zahl der Project-Office-Nutzer hatte sich bereits ein halbes Jahr nach der Cloud-Migration mehr als verdoppelt.

Derzeit arbeiten rund 600 Beschäftigte mit der Lösung: Projektleiter, Einkäufer, Werkzeugentwickler, Werksleiter, Produktionsmanager, Qualitäts- und Logistik-Experten und andere Fachleute. Durch die ehemaligen Faurecia-Standorte kommen weitere 150 hinzu. Der globale PLM-Manager bei Adler Pelzer geht davon aus, dass die Anwenderzahl nach Anbindung aller Standorte in Asien und Südamerika auf über 1.000 ansteigen wird.

Das global einheitliche Projektmanagement erleichtert den Mitarbeitenden, die oft in mehrere Projekte involviert sind, den Überblick über den Stand der Dinge. Adler Pelzer hat für alle Werke, Kunden und Produkte ein Standard-Template mit rund 400 Aufgaben definiert, aus dem die Projektteams die für sie relevanten selektieren. Auch finden sie ihre Projektinformationen immer an denselben Stellen. Das spart viel Zeit und reduziert Änderungsaufwände, weil die Daten für alle Projektmitglieder zeitgleich verfügbar sind.

Mehr Kostentransparenz

„Der größte Nutzen von Project Office ist, dass wir während der Entwicklung mehr Überblick über den Deckungsbeitrag unserer Produkte und die Werkzeugkosten haben“, sagt Meise. „So können wir früher gegensteuern, wenn die Projekte nicht die zu Entwicklungsbeginn verhandelten Margen widerspiegeln, und sind bei Serienstart profitabler.“

Die Vision von Adler Pelzer ist, Project Office nicht nur als Werkzeug für das Projektmanagement zwischen Akquise und Produktionsstart zu nutzen, sondern für den gesamten Produktlebenszyklus. Der Automobilzulieferer will die SaaS-Lösung zu einer Lifecycle Knowledge Database ausbauen, um gezielter auf das Know-how aus den Projekten und die Lessons Learned zugreifen zu können. Sie soll alle Änderungen beinhalten, auch die der laufenden Serie, sagt Meise. „Zudem wünsche ich mir, dass andere für uns wichtige Themen, wie beispielsweise die Abbildung des VDA/TISAX-Standards für die Informationssicherheit im Fahrzeugbau, in die Erweiterung der Standardsoftware einfließen.“

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