Meinung

Hausputz

Die Talsohle beim Auftragseingang sei erreicht, erklärte jüngst VDMA-Präsident Manfred Wittenstein, und „erste Bewegungen nach oben“ seien spürbar. Zuversicht also für 2010 im Maschinenbau. Aber die Stimmung scheint besser als die Lage. Die bleibt ernst. Das prognostizierte leichte Wachstum ist auf der Grundlage der desaströsen Zahlen des Jahres 2009 nur ein schwacher Trost. Von Aufschwung kann also noch keine Rede sein, und der Absturz wird uns noch Jahre in den Knochen stecken.

In fast allen Bereichen wird zurückgestutzt, heruntergefahren, angepasst, gespart. Für viele Firmen wird es 2010 erst richtig eng, dann nämlich, wenn ihnen die Kreditklemme endgültig die Luft abschnürt. Beeindruckend dabei ist, dass die Maschinenbauer in diesem Jahr bei 20 Prozent Produktionsrückgang nur zwei Prozent ihrer Stellen abgebaut haben – die Unternehmen glauben also an ihre Mitarbeiter, sie glauben an ihre Zukunft. Deshalb wollen sie ihre Stammbelegschaft so lange wie möglich halten. Damit, wenn es wieder aufwärts geht, kompetente Ressourcen vorhanden sind. Wie lange allerdings der Atem reicht, ist die Frage. Wo bislang Kurzarbeit noch temporärer Rettungsanker ist, drohen vielerorts Entlassungen und Betriebsschließungen.

Ich weiß, man mag es nicht mehr hören: Krise ist auch Chance. Es klingt wie Hohn in den Ohren all jener, denen das Wasser jetzt bis zum Hals steht. Und doch: Es gibt sie, die Chance. Sie fällt nicht vom Himmel, man muss sich für sie anstrengen, muss etwas aushalten, mitunter tut sie auch weh. Für eine Chance auf der einen Seite liegt oft der Verzicht auf der anderen. Diejenigen werden erfolgreich sein, die ihren konkreten Handlungsbedarf erkennen und Veränderungen offensiv begegnen. Betriebswirtschaftliche Kochrezepte werden jetzt aufgewärmt wie lange nicht, doch sie reichen nicht aus. Strukturwandel ist das Stichwort. Konkret: Gründlicher Hausputz in allen Räumen, eben wie nach einer echten Party.

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Wer am schnellsten Kosten senken kann, hat die besten Überlebenschancen. Insofern hat die Krise doch auch katalytische Wirkung: Prozesse optimieren, Logistik verbessern, Flexibilität erhöhen, Kundenkontakte intensivieren, Standortvorteile nutzen, Kurskorrekturen, Kapazitäten anpassen – und auch an Fusionen denken. Es könnten Kooperationen entstehen, die vor der Krise undenkbar schienen. Auch hierin liegt eine Chance: für Nachhaltigkeit, Ökologie und Effizienz.

Erfolg kommt von innen – so lautete das Motto des diesjährigen BVL-Kongresses. Es gefällt mir gut.

Die Aufräumarbeiten sind kein Spaziergang. Viele Extra-Meilen sind zu laufen. Verzagtheit darf nicht die Oberhand gewinnen – immerhin ist der Maschinenbau als Schlüsselindustrie für Energieeffizienz, Innovationen und Umwelttechnologien die Zukunft schlechthin.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben das Zeug zur Krisenresistenz. Ich wünsche Ihnen die Kraft, Ihre Stärken weiter auszubauen.

Petra Born, stv. Chefredakteurin

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