Hajo Stotz über
Spätzle oder Spaghetti
Das Messegeschäft ist hart umkämpft und einige Veranstalter sind sich in inniger Feindschaft verbunden. Jedenfalls, so mein Eindruck, kommunizieren die meisten nur im Notfall miteinander.
Das zeigt auch wieder der alljährliche Herbstmarathon: Euromold, IT+Business, Fachpack, Motek, Bondexpo und EMO. Dann folgen noch Fakuma, Formnext und SPS – da muss der Koffer bis Ende November gar nicht mehr ausgepackt werden. Dass sich Veranstalter immer weniger um Überschneidungen zu anderen Messen kümmern, ist angesichts der Messe-Zunahme irgendwo verständlich. Doch dass sich zwei produktionsnahe Messen wie EMO und Motek terminlich direkt überdecken – und sich 14 Tage davor noch die Euromold reinquetscht – ist ärgerlich, unnötig und schadet im Endeffekt den Messen selbst.
Zu spüren bekam das am meisten die Euromold, deren Umzug nach Düsseldorf und verschobener Veranstaltungstermin mit einem massiven Schwund beantwortet wurde: 11.160 Besucher und 453 Aussteller (2014: 56.912 / 1.005) Die Abschlusszahlen der beiden anderen Veranstaltungen waren zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt, doch ich bezweifle, dass Aussteller oder Besucher die Terminüberdeckung als Synergieeffekt empfunden haben.
Obwohl sich die Messen, so zumindest die Meinung der Veranstalter, von der Thematik her nicht direkt überschneiden – Motek mit Montage, Handhabung und Automation, EMO mit Werkzeugmaschinen, Werkzeugen und Automation – adressieren sie eine sehr ähnliche Zielgruppe: Fertigungsspezialisten, die nach neuen Lösungen und Prozessen für die Optimierung ihrer Produktion suchen.
Und auch unter den Journalisten war ich bei Weitem nicht der einzige, der an einem Tag hier Spätzle und am nächsten dort Spaghetti aß.
Vor allem aber waren viele Aussteller auf beiden Messen zeitgleich präsent – für kleinere Unternehmen ein personeller und finanzieller Kraftakt. Einen Gefallen haben sich damit beide Veranstalter sicher nicht getan: Firmen, die den Aufwand zeitgleicher Präsenz nicht stemmen wollten, und Besucher, die sich für eine der beiden Messen entschieden.
Zwar war in Stuttgart häufiger zu hören, die italienische EMO sei nur eine suboptimal organisierte, vor allem für den dortigen Markt wichtige Produktionsmesse. Das erste mag stimmen, das zweite wird durch Zahlen und den Eindruck vor Ort widerlegt. Auf den Parkplätzen dominierten nach italienischen die deutschen Nummernschilder, und auf dem Gelände wimmelte es von Besuchern aus Fernost, Indien und USA. Terminlich besser abgestimmt – etwa durch einen späteren Start einer der Veranstaltungen – hätte die Motek vielleicht von der Internationalität der EMO mitprofitieren und Mailand mehr deutsche Besucher begrüßen können. Doch dazu müssten die Veranstalter vorher mal miteinander sprechen – vielleicht bei einer guten Portion Teigwaren?










