Industriekommunikation
Mit einer Million Quadros ins nächste Jahrzehnt
CCR: Herr Hummel, seit zehn Jahren ist PNY exklusiver Vertriebspartner von Nvidia für professionelle Grafiklösungen, inzwischen wurden mehr als eine Million Quadro-Grafikkarten verkauft. Wie kam es zur Partnerschaft zwischen PNY und Nvidia?
Hummel: PNY wollte sich 2002 in Europa stärker aufstellen. Parallel dazu hatte Nvidia bis dahin mit der Elsa AG zusammengearbeitet, die jedoch Insolvenz anmelden musste. Die Mitarbeiter und das Know-how rund um die Grafikkarten-Entwicklung wurden deswegen zunächst von Nvidia übernommen. Das Unternehmen wollte sich aber auf die Entwicklung von Hard- und Software konzentrieren und suchte deshalb einen Partner für Vertrieb, Marketing und Support bis hin zur Qualitätssicherung für die professionellen Grafiklösungen. Rund ein halbes Jahr später bildete deswegen das Elsa-Team die Basis der PNY Technologies Quadro GmbH mit Sitz in Würselen als PNY-Niederlassung in Deutschland. Heute gibt es in vielen Ländern Europas Vertretungen, darunter Spanien, Italien, England und Frankreich. Die Exklusivvereinbarung zum Vertrieb professioneller Grafiklösungen gilt aber über Europa hinaus auch für Nord- und Südamerika, Afrika und Russland – allerdings ohne die Märkte, in denen PNY 2002 nicht vertreten war, etwa Indien, Korea, Taiwan oder Japan.
CCR: Bleiben wir bei der PNY Technologies Quadro GmbH. In welchen Bereichen werden heute Ihre Grafiklösungen nachgefragt?
Hummel: Das hängt von der Region ab; im Durchschnitt finden wir rund 70 Prozent der Einsätze im Bereich der CAx-Anwendungen, weitere 20 Prozent rund um die Generierung digitaler Inhalte für Medien und Spiele – kurz DCC, Digital Content Creation – sowie die restlichen 10 Prozent im Bereich der Berechnung. Zu Letzterem gehören beispielsweise Datenanalysen bei der Exploration von Rohstoffquellen; dabei fallen enorm große Datenmengen von mehreren Tera-Byte an, die verarbeitet werden müssen. Nur so lässt sich abschätzen, an welchen Stellen Probebohrungen Sinn machen. Hier kommen vor allem die Tesla-Karten zum Zuge, die von dem Grafikchip mit seiner hohen Zahl an Prozessorkernen profitieren.
CCR: Unterstützen Sie auch den Aufbau von Großrechenanlagen?
Hummel: Ja, wobei es auch hier eine Aufteilung gibt. Nvidia selbst betreut Großprojekte, zahlreiche davon stehen in der Top500-Liste der schnellsten Supercomputer. Aktuell finden sich unter den ersten zehn Systemen drei mit Tesla-GPUs von Nvidia, darunter auf Platz zwei das National Supercomputing Center im chinesischen Tianjin. PNY kann seinerseits aber auch auf eine Reihe von Anlagen verweisen, in Deutschland etwa die Rechenanlage für die Raster-Tunnel-Mikroskopie der Max-Planck-Gesellschaft oder ein System zur Optimierung der Fertigung bei SolarWorld. Das sind leistungsfähige Großrechenanlagen, die selten erwähnt werden, aber dennoch mehrere Hundert Tesla-GPUs beinhalten – so etwa auch die im Forschungszentrum Jülich, die Teil des HPC-Clusters in Deutschland ist.
CCR: Welche Rolle können Tesla-Karten im CAx-Umfeld spielen?
Hummel: Materialprüfung, virtuelle Crash-Tests oder FE-Berechnungen ganz allgemein sind Gebiete, die sehr stark von der Tesla-Rechenleistung profitieren. Insbesondere gilt das für Lösungen wie etwa LS-Dyna oder Ansys, weswegen wir hier mit den Anbietern eng zusammenarbeiten. Gleiches gilt aber auch für den klassischen Konstrukteursarbeitsplatz. Zu sehen ist, dass einfachere FE-Module inzwischen auch zusammen mit Autodesk Inventor oder SolidWorks genutzt werden. Auch hier wollen wir erreichen, dass die Anwender von der hohen Leistungsfähigkeit – insbesondere bei den sehr stark parallelisierbaren Aufgaben – profitieren können und suchen deswegen den Kontakt zu den Herstellern. Denn: Von der GPU kann der Anwender nur profitieren, wenn die Software dies unterstützt; die Grundlage dafür hat Nvidia mit der CUDA-Umgebung gelegt. Immer mehr Softwareanbieter nutzen diese. Aus unserer Sicht sollte in Zukunft deswegen jeder, der eine Quadro-Karte einsetzt, dazu eine Tesla-Karte kombinieren. Speziell die dann leichter mögliche simulationsgetriebene Produktentwicklung setzt aber auch ein Umdenken bei den Ingenieuren voraus. Häufig kommen solche Möglichkeiten erst in Verbindung mit einem Generationswechsel bei den Anwendern zum Tragen, wenn die jungen Leute das bereits in ihrer Ausbildung kennengelernt haben.
CCR: Werden langfristig – angestoßen durch die Entwicklungen im Bereich mobiler Geräte – CPU und GPU wieder zusammengeführt?
Hummel: Nein – bezüglich der professionellen Grafiklösungen; obwohl beispielsweise die bislang im Chipsatz des Mainboards integrierten Grafikeinheiten immer besser werden. Allerdings gilt das auch für die externen Lösungen, der Leistungsunterschied bleibt also bestehen. Zudem: Integriere ich nun die GPU nicht mehr in den Chipsatz sondern in die CPU, bekomme ich zwei Probleme: Neben dem fehlenden Platz macht die Temperatur Schwierigkeiten. Aktuelle Intel-CPUs nehmen bis zu 95 Watt Leistung auf, aktuelle High-end-Grafikkarten durchaus bis zu 300 Watt. Die entstehende Hitze muss sich aber abführen lassen, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. Hochperformante Grafiklösungen haben deswegen weiterhin ihre Berechtigung. Was wegfällt ist allerdings der Chipsatzgrafikbereich.
CCR: Benötige ich den überhaupt noch eine höhere Grafikleistung, wenn Sie für die GPUs schon zusätzliche Aufgaben wie etwa im Bereich Simulation & Berechnung suchen?
Hummel: Durchaus, denn wir wollen ja erreichen, dass sich der CAx-Anwender um das Thema 3D-Grafikleistung keine Gedanken mehr machen muss. Neue Flaschenhälse ergeben sich hier vor allem hinsichtlich der Darstellung, denn fotorealistische Ansichten werden sich immer mehr durchsetzen – was bislang eine gewisse Optimierung voraussetzt, damit das nicht zu lange dauert. Will der Anwender etwa einen Ozeanriesen auf Knopfdruck visualisieren, geht das bislang nur mit einem vorab entsprechend reduzierten Modell. Mit der kommenden neuen Grafikkartengeneration, die wir im Laufe des Jahres noch vorstellen werden, machen wir hier einen großen Schritt nach vorne.
CCR: Wie groß ist denn der Einfluss von PNY bei Nvidia die Entwicklung betreffend?
Hummel: Nun – wenn wir etwas verkaufen sollen, brauchen wir auch etwas, das wir verkaufen können. Aber im Ernst: Der Vorteil von PNY ist, dass wir den direkten Kontakt zum Endkunden haben und damit auch ein direktes Feedback. Dieses fließt natürlich in die Produktentwicklung ein. Ein Beispiel sind die neuen Grafikkarten, die statt zwei dann bis zu vier Monitore ansteuern können – das ist ein seitens der Anwender häufig genannter Wunsch. Gefragt sind insbesondere Arbeitsplätze mit drei Monitoren. Angesichts der geringen Kosten und des minimalen Platzbedarfs moderner Flachbildschirme, lassen sich solche Lösungen dann sehr einfach aufbauen.
CCR: Herr Hummel, viele Dank für das Gespräch – und viel Spaß bei der Geburtstagsfeier auf der Hannover Messe.
Interview: Michael Corban, CAD-CAM REPORT
PNY Technologies Quadro GmbH, Würselen Tel. 02405/40848-0, www.pny.eu Hannover Messe: Halle 7, Stand B40








