Digitalisierung und MRK

Drei Fragen an…Henrik Schunk

Um die smarte Fabrik Realität werden zu lassen, braucht es automatisierte vernetzte Produktionssysteme. Wie Schunk dafür mit intelligenten Komponenten die Voraussetzungen für schafft und wie Intelligenz das industrielle Greifen verändern wird, erzählt Henrik Schunk im Vorfeld der Automatica.

Henrik A. Schunk, Geschäftsführender Gesellschafter, CEO, Schunk GmbH & Co. KG, Lauffen/Neckar (Bild: Schunk)

Herr Schunk, Sie sagten kürzlich, dass die Digitalisierung der Produktionsprozesse und die Mensch-Roboter-Kollaboration die industrielle Automation in den kommenden Jahren prägen werden. Was bedeutet das für Sie als Hersteller von Greifsystemen?
Schunk hat die Potenziale der Digitalisierung und der Kollaboration früh erkannt und versteht sich heute als Triebfeder und Wegbereiter der neuen Technologien. Unser Ziel ist es, die Vision der smarten Fabrik Realität werden zu lassen. Im Fokus stehen hochautomatisierte, vernetzte Produktionssysteme, die sich autonom auf die zu fertigenden Produktvarianten parametrieren und sämtliche Prozessschritte überwachen. Unsere Aufgabe als Kompetenzführer für Greifsysteme und Spanntechnik ist es, intelligente Komponenten zu entwickeln, mit denen genau das möglich ist. Sie schaffen die Voraussetzungen für die Vollintegration smarter Produktionsanlagen im Fertigungsumfeld und für deren Anbindung an Cloud-basierte Ökosysteme. Bestes Beispiel ist der intelligente Schunk-EGL-Parallelgreifer, der mithilfe von Inline-Messsystemen im laufenden Prozess Daten sammelt, dezentral auswertet und analysiert. Intelligentes Greifen umfasst also künftig zusätzlich zum Greifen das sensorgestützte Detektieren unterschiedlicher Prozessparameter, deren Verarbeitung sowie die Möglichkeit, angepasst zu reagieren. Dazu zählt auch die Kommunikation zwischen Greifer und Anlagensteuerung beziehungsweise übergeordneten Ebenen bis hin zur Webfähigkeit. Und zwar im Zusammenspiel mit jedem Roboter, jeder Schnittstelle und jeder Cloud.

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Mit Industrie 4.0 und Digitalisierung geht ein neues Datenverständnis einher, Maschinen werden „intelligent“. Wie geht Schunk auf diese Entwicklung ein?
Wir stellen uns darauf ein, dass sich das industrielle Greifen mit zunehmender Intelligenz grundlegend verändern wird. Dabei spielen auch die Möglichkeiten digitaler Schatten oder digitaler Zwillinge eine erhebliche Rolle. Letztlich geht es darum, Greifsysteme so intelligent zu machen, dass zumindest teilautonome Handhabungsprozesse möglich werden. Der Greifer selbst wird künftig wissen, wie das Werkstück zu greifen ist und im Zusammenspiel mit dem übergeordneten Roboter oder Linearsystem die optimale Greifstrategie entwickeln. Vor allem die Analysemöglichkeiten des Greifsystems, die taktile Intelligenz und die autonome Kollisionsüberwachung gewinnen an Bedeutung. Der intelligente Greifer selbst wird in der Lage sein, über Gut- und Schlechtteile zu entscheiden, Dokumentationen zu erstellen oder die Qualität des Bauteillieferanten zu bewerten. Digitale Services versetzen Greifer künftig in die Lage, Prozesse systematisch zu analysieren, Schwachstellen zu erkennen und die Optimierungsvorschläge direkt an die zuständigen Mitarbeiter weiterzugeben. Vergleichbar mit dem Menschen werden Greifsysteme künftig also lernen und individuell agieren, je nachdem welche Gegenstände sie handhaben.

Was werden Sie in diesem Jahr auf der Automatica präsentieren?
Auf der Automatica zeigt Schunk mithilfe smarter Greifer und Softwaretools, wie sich die Szenarien der Industrie 4.0 und der Mensch-Roboter-Kollaboration realisieren lassen. Das Spektrum reicht von intelligenten Komponenten zur integrierten Prozessüberwachung über DGUV-zertifizierte Co-act-Greifer für kollaborative Anwendungen bis hin zu Software, die die Auslegung und Konstruktion von Greifsystemen vereinfacht und die Simulation ganzer Handling- und Montagesysteme ermöglicht. Zudem werden wir erstmals einen kompletten Greifsystembaukasten für die Roboterarme von Universal Robots präsentieren.

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