Schnelle Konfiguration von Transportsystemen

Schienen und Shuttles organisieren sich selbst

Der Schweizer Hersteller Montratec stärkt mithilfe des 3D-Produktkonfigurators P’X5 von Perspectix den Vertrieb seines modular aufgebauten Transportsystems Montrac. Einfach umzusetzende Produktauslegungen, eine mitlaufende Kostenkalkulation sowie eine automatische Stücklistenberechnung beschleunigen die Angebotserstellung und ermöglichen eine rasche Reaktion auf Kundenanfragen. Montratec berichtet von bis 90 Prozent schnelleren Projektierungen.

Grafisch, interaktiv und dreidimensional: Anschaulicher Planungsvorschlag für einen Kunden. (Fotos: Perspectix)

Das Transportsystem Montrac setzt seit 1996 Maßstäbe in Intralogistik und Fördertechnik. Das von der Schweizer Montech entwickelte modulare und selbststeuernde System hat bis heute nichts an seinem innovativen Charakter eingebüßt: Ohne SPS transportieren selbstfahrende Shuttles Güter oder Werkstücke mit einem Gewicht bis 30 Kilogramm auf einem Monoschienen-System. Die Shuttles kommunizieren mit der Strecke via Infrarot und können an jeder Prozessstation aktuelle Anweisungen empfangen. Die Steuerungslogik „Chaos Technology“ sorgt dafür, dass Schienen, Weichen und Shuttles sich selbst zur Lösung der logistischen Aufgabe organisieren. Hohe Flexibilität, höchste Verfügbarkeit und Effizienz sind die Ergebnisse.

Jetzt aus dem Schwarzwald

Anfang 2011 übernahm die Freudenstädter Schmid Group, global operierender Hersteller von System- und Prozesslösungen für die Photovoltaik, das Montrac-System von Montech und gliederte es in die hundertprozentige Tochter Montratec ein. Das Engagement der Schmid Group stärkt das Auslandsgeschäft von Montratec und öffnet die immer wichtiger werdenden asiatischen Märkte, insbesondere China. Aber auch andere aufstrebende Regionen, wie Indien oder die Türkei, sind mittlerweile bedeutende Absatzmärkte. Binnen kurzer Zeit wuchs die Anzahl der Beschäftigten von 17 auf über 50.

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Von der Schablone zur 3D-Konfiguration

„Als wir das System 1996 entwickelt haben, waren wir der Zeit eigentlich noch voraus. Erst heute mit der fortschreitenden Zunahme einer kundenindividuellen Produktion gewinnt eine hochflexible Intralogistik immer mehr an Wert“, sagt Giuseppe Arena, Vertriebsleiter bei Montratec. Die strikte und umfassende Modularität des Systems sichert den Einsatz für vielfältige Anwendungsfälle ab.

Der 2-Plan zeigt wichtige Informationen, wie die Länge der verbauten Segmente – alle Informationen stammen aus dem digitalen Produktbaukasten.

Gleichzeitig verlangt die Auslegung der individuellen Kundenlinien eine perfekte und hochgradig detaillierte Planung. Früher setzten die Montratec-Mitarbeiter dies anhand eines Hallenlayouts im CAD-System AutoCAD um. Jedes einzelne Element einer Strecke, jede Prozessstation und die einzelnen Shuttles mussten dazu exakt platziert werden. Mehrere Stunden konzentrierte Arbeit benötigte ein erster Entwurf einer Anlage. Selten war dieser auch das endgültige Ergebnis. Zahlreiche Änderungsschleifen mit ihrem zusätzlichen Zeitaufwand gehörten zum Alltag. Preisvergleiche ließen sich nur aufgrund von Schätzungen oder kompletten Stücklisten anstellen, die weiteren Arbeitsaufwand für den Vertrieb bedeuteten.

Um diesen Prozess etwas zu beschleunigen und möglichst frühzeitig mit den Kunden Alternativen zu besprechen, führte Montratec ihren ersten „Konfigurator“ ein: Eine kleine etwa DIN A5 große Plastikschablone, mit der Linien und Kurven standardisiert auf Papier gezeichnet wurden. Der Versuch, eine softwaregestützte Konfiguration mit einem 3D-CAD-System zu realisieren, wurde schnell als zu kompliziert verworfen.

Die Lösung brachte die Züricher Perspectix mit ihrem 3D-Produktkonfigurator P’X5. Die AutoCAD-kompatible Standardsoftware ermöglicht es, ohne CAD-Vorkenntnisse modulare Systeme zusammenzustellen und das Ergebnis dreidimensional visualisiert darzustellen. Die integrierte Produktlogik sichert fehlerfreie Konfigurationen ab, während eine mitlaufende Kalkulation sofort Aussagen über Kosten und Alternativen erlaubt.

Die vorgeschlagenen Artikel können nach Verfügbarkeitsprüfung ausgewählt und geändert werden.

Neben der parametergesteuerten Top-Down-Konfiguration mit sogenannten 150-Prozent-Stücklisten unterstützt P’X5 ebenso die Bottom-Up-Methode, mit der die Gesamtlösung Stück für Stück durch dynamisches Verbauen von Einzelteilen entsteht. Dies ermöglicht auch bei Anwendungsfällen mit einer unbegrenzten Lösungsvarianz, wie in der Transfertechnik, die regelbasierte Beschreibung von beliebig großen Konfigurationen. „Der Perspectix-Ansatz war die passende Lösung für unser modular aufgebautes System. Ohne große Mühen konnten wir die Produktlogik in die Software einpflegen“, erinnert sich Giuseppe Arena.

Zu 90 Prozent schneller

Auf Basis der P’X5-Technologie entwickelte Montratec den „Montrac-Konfigurator“, der mittlerweile seinen festen Platz im Unternehmen erworben hat. Er begleitet ein Projekt von Anfang bis zum Ende – von einer vorläufigen Kostenschätzung der ursprünglichen Idee bis zur Ausleitung der Stückliste und Montageanweisungen. Um ein Angebot auszuarbeiten, wird zunächst der Hallenplan aus einer 2D-Zeichnung in dxf- oder dwg-Format in den Konfigurator eingelesen. Per Drag&Drop fügt der Montratec-Projektmanager aus einem Baukastensystem die einzelnen Montrac-Komponenten zu einer Gesamtlinie zusammen. Vordefinierte Schnapp-Punkte an den 3D-Objekten vereinfachen die passgenaue Konfiguration. Vorhandene, gespeicherte Projekte stehen als Grundlage für ähnliche Anlagen bereit und können durch wenige Parameterveränderungen an neue Begebenheiten angepasst werden. Das Ergebnis lässt sich wahlweise als 2D-Übersicht oder in verschiedenen 3D-Ansichten am Bildschirm betrachten. Die mitlaufende Artikel-Auflösung spiegelt sich in Listen und Artikelbeschreibungen, mit Stückzahlen und Preisen – die dann sofort in Form von Angeboten ausgedruckt werden können.

Neben der kaufmännischen Kalkulation erfolgen auch technische Berechnungen, wie der Stromverbrauch, im Konfigurator. Weitere aufwandsreduzierende Funktionen erzeugen auf Knopfdruck Bemaßungselemente, nummerieren die Fahrstrecken durch, oder verbauen nach einer vorgegebenen Logik automatisch Steuerungssensoren über die gesamte Fahrstrecke.

Ein Angebot wird erstellt und mit allen Daten als pdf ausgegeben.

Die Zeitersparnis gegenüber der Arbeit mit CAD-Systemen im gesamten Änderungsverlauf schätzt Giuseppe Arena auf bis zu 90 Prozent: „Der heutige Markt verlangt schnelle Reaktion auf Anfragen. Nur mit dem Konfigurator bleiben wir in der Hinsicht wettbewerbsfähig.“

Mehrwert für Kunden und Vertrieb

Eine Konfigurator-Version ohne Preisinformationen steht Kunden auf der Unternehmenshomepage kostenlos zum Download bereit. Anfänglich war die Idee, dass Kunden ihre Montrac-Systeme eigenständig erstellen und nur noch die Projektvorschläge an den Montratec-Außendienst zur Kalkulation schicken. Aber durch den immer stärker werdenden Termindruck in der Industrie haben viele Kunden nicht mehr die Zeit, die Funktionalität der Software zu erlernen. Daher konfigurieren wie gehabt die Montratec-Mitarbeiter die Systeme der Kunden.

Dennoch erbringt die Kundenversion als Viewer-Lösung wertvollen Mehrwert. Zum einen ist sie ein Eye-Catcher, der durch 3D-Visualisierungen die Modularität des Systems sehr professionell demonstriert. Auf Messen erleben Interessierte das umfassende Lösungsspektrum mit allen Optionen hautnah und wissen bereits vor der Anfrage, dass ihr Anwendungsfall umgesetzt werden kann. Zum anderen erleichtert ein vereinfachter Austausch der Montrac-Projekte die Kommunikation mit internationalen Kunden. bw

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