Krananlagen für Pumpspeicherwerk modernisiert
200-Tonnen-Generatoren mit einer Hand heben
Im Pumpspeicherkraftwerk Witznau im Südschwarzwald müssen die mehr als 200 Tonnen schweren Generatorpolräder zur Revision – dafür modernisiert das Schluchseewerk die Krananlagen. Daher hat Konecranes veraltete Komponenten demontiert und die Maschinenhaus-Zweiträgerbrückenkrane mit neuen Hilfshubwerken und digitalen Features ausgestattet.
Rund um den Schluchsee liefern fünf Pumpspeicherkraftwerke des Schluchseewerks umweltfreundliche Energie. Das Wasser aus dem See treibt die Turbinen der Kraftwerke an. Sie erzeugen mit ihren Generatoren Strom – jährlich rund 2,2 Milliarden Kilowattstunden. Seit 1943 ist das Pumpspeicherkraftwerk Witznau in Betrieb. Hier fällt das Wasser des Schluchsees aus 250 Meter Höhe in den mehr als neun Kilometer langen Druckstollen; rund 130 Kubikmeter Wasser drücken pro Sekunde gegen die Rotorblätter der Turbinen. Sie treiben die vier Generatoren an, die den Strom erzeugen – mit einer Leistung von 220 Megawatt.
Jetzt müssen die jeweils mehr als 200 Tonnen schweren Generatoren zur Revision. Dafür benötigt das Schluchseewerk extrem tragfähige Krane. Sie sollen die Generatorenwellen präzise positionieren und Kollisionen zwischen Rotor und Stator beim Anheben verhindern. Konecranes hat deshalb wichtige, in die Jahre gekommene Komponenten der Krananlagen demontiert und ersetzt sowie die Katzbahn eines der beiden Maschinenhaus-Zweiträgerbrückenkrane exakt vermessen und geprüft.
Um die Sicherheit beim Ein- und Ausbau sowie beim Transport der Generatorenkomponenten zu erhöhen, hat Konecranes die Krananlagen mit neuer Antriebs- und Steuerungstechnik ausgestattet. „Das hier ist eine besondere Aufgabe, weil keine Konstruktionszeichnungen der beiden Maschinenhauskrane mehr existieren“, erklärt Andreas Scheerer, Leiter der Modernisierungsabteilung bei Konecranes. Zudem erfolgte die Montage der Komponenten in Einzelteilen, weil in der Kraftwerkshalle zwischen Träger und Hallendecke kein Platz für den Einsatz eines Autokrans ist. Konecranes hat im Kraftwerk Witznau unter anderem neue Hilfshubwerke, Getriebemotoren und Schmiersysteme für die Zweiträgerbrückenkrane installiert. Zusätzlich hat der Kran- und Hebetechnikhersteller beide Maschinenhauskrane mit rückspeisefähigen Frequenzumrichtern für stufenloses Heben und Fahren ausgestattet sowie die Schaltschränke und elektrischen Anschlüsse komplett modernisiert.
Eine Fernsteuerung für zwei Krane im Tandembetrieb
Um Komponenten und die Generator-Polräder zu heben, haben die zwei Maschinenhauskrane im Kraftwerk Witznau jeweils ein Haupthubwerk mit 120 Tonnen und ein Hilfshubwerk mit 12,5 Tonnen Tragkraft. Die Hilfshubwerke konnten nicht mit der geforderten Technik nachgerüstet werden, deshalb wurden die beiden alten Hilfshubwerke gegen neue ausgetauscht. Sie drehen bei 30 Meter Hubhöhe jetzt Komponenten während der Montagearbeiten in die richtige Position und unterstützen so die Haupthubwerke. Zugleich lassen sie sich komplett autark nutzen. Bei den Hebeprozessen bieten neueste Features höhere Sicherheit und Effizienz. „Mit dem Master/Slave-Modus lenkt ein Kranführer mit einer Funkfernsteuerung gleichzeitig beide Krane“, sagt Andreas Scheerer. „Die Krane lassen sich so im Tandembetrieb absolut synchron steuern.“ Wo früher zwei Kranführer die Kranbewegungen per Zuruf koordinieren mussten, ist heute jede Kranbewegung im Sekunden-Takt synchronisiert.
Für zusätzliche Sicherheit während des Transports der Generator-Polräder sorgen die lasergesteuerten Zusammenfahrsicherungen und die Lastmessung samt Überlastschutz. Auch beim Heben „denken“ die beiden Maschinenhauskrane mit: Sie sind mit einem intelligenten System zur Drehzahlrückführung ausgestattet, das prüft, ob sich die Seilwinden korrekt drehen. Entspricht die aktuell gemessene Drehzahl nicht der vom Kranführer via Fernsteuerung vorgegebenen, korrigiert das System automatisch die Synchrongeschwindigkeit zwischen Master- und Slavekran.
Ein wichtiger Bestandteil der Anlagenmodernisierung im Pumpspeicherkraftwerk Witznau ist die Inspektion der rund 13 Meter langen Katzbahn einer der beiden Hilfshubwerkskatzen mit der Geo-Q-Methode. Dafür haben die Konecranes-Experten die Katzbahn mit Laser vermessen, ein 2D-Modell erstellt und die gesammelten Daten zu Spannweite und Geradheit der Katzbahnen sowie zur Höhendifferenz der Schienen ausgewertet. „Das Prüfergebnis ist hervorragend. Alle Werte liegen in den, nur wenige Millimeter großen, Toleranzbereichen. Damit ist sichergestellt, dass die Hilfshubwerkskatze einwandfrei auf der Katzbahn fahren kann“, sagt Andreas Scheerer.
Anlagenprogrammierung per Touchdisplay
Um Verlässlichkeit und Sicherheit der Maschinenhauskrane zusätzlich zu erhöhen, wurden weitere Anlagenkomponenten modernisiert, etwa die Katz- und Kranfahrgetriebemotoren, die Hubseile und Getriebemotoren inklusive Magnetscheibenbremsen der Haupthubwerke, die Stromzuführungen und die gesamte Kranverkabelung. In den ebenfalls ausgetauschten Schaltschränken ist jetzt ein Bildschirm mit Touchdisplay integriert, über das sich die Zyklen der Zentralschmieranlage einstellen lassen. as














