Kreditvergabe

Ohne Kredite keine Wettbewerbsfähigkeit

Zur Finanzierung ihrer Investitionen in die digitale Transformation, aber auch zur Finanzierung des Tagesgeschäfts benötigen Unternehmen häufig kurzfristige Darlehen. Bürokratie sowie heterogene IT-Strukturen auf Bankenseite erschweren jedoch die schnelle Kreditvergabe. Dies kann mittelständische Betriebe durchaus in exis-tenzbedrohende Schwierigkeiten bringen.

Bild: Shutterstock

Dass sich die Produktionstechnik derzeit in einem gewaltigen Umbruch befindet, beweist schon der Blick in die Investitionsplanungen für 2018. Für acht von zehn Industrieunternehmen steht laut dem „Finanzierungsmonitor 2018“ die digitale Transformation ganz weit oben auf der Liste. Nur sehr wenige Firmen verweigern sich noch Investitionen in Industrie 4.0. Doch der technologische Fortschritt könnte aus unerwarteter Richtung ausgebremst werden. Um die Fabriken fit für die Zukunft zu machen, ist erst einmal auch eine Menge Geld notwendig – und die Banken zeigen sich wenig freigiebig.

Das trifft vor allem mittelständische Unternehmen, die nötige finanzielle Ressourcen nicht aus eigener Kraft aufbringen können. Mehr als ein Drittel benötigt eine externe Finanzierung für Digitalisierungsprojekte. Doch der Zugang zu Krediten der Hausbanken hat sich im vergangenen Jahr für rund die Hälfte der Firmen spürbar verschlechtert, wie der bereit zum dritten Mal vom digitalen Mittelstandsfinanzierer Creditshelf erhobene „Finanzierungsmonitor“ zeigt, für den 200 Finanzentscheider aus dem deutschen Mittestand befragt wurden. Und damit nicht genug. Für 2018 erwarten sechs von zehn Unternehmen, dass sie noch schwieriger an Darlehen kommen werden.

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Dabei ist von Anlageinvestitionen in Richtung Industrie 4.0 noch gar nicht die Rede, schon bei der Finanzierung des Tagesgeschäfts über Betriebsmittelkredite tut sich die Industrie schwer. Vor allem die Bürokratie bei der Vergabe macht den Unternehmen zu schaffen. 42 Prozent sehen sich dabei mit Problemen konfrontiert. Banken sind hier zugegebenermaßen in der Zwickmühle. Auf der einen Seite sind gerade viele Hausbanken schon allein durch jahrzehntealte Vertrauensverhältnisse durchaus kundenorientiert. Das bestätigt auch die Industrie, wo vier Fünftel der Unternehmen von einem partnerschaftlichen Umgang sprechen. Andererseits unterliegen die Geldhäuser hohen rechtlichen Auflagen. Ein anderes Problem ist hausgemacht: Während ihre Industriekunden mit Hochdruck an autonomen Systemen und Smart Data auch in indirekten Unternehmensbereichen arbeiten, bremsen sich viele Geldinstitute noch mit heterogenen IT-Systemen aus. Das trägt nicht gerade zur Geschwindigkeit der Finanzierungszusagen bei, 30 Prozent der Industriebetriebe halten sie für zu langsam.

Unternehmen läuft die Zeit davon

Prof. Dr. Dirk Schiereck, TU Darmstadt

Kurzfristig bewilligte Betriebsmittelkredite sind eben das, was Unternehmen benötigen. Jeweils 36 Prozent der Studienteilnehmer können maximal vier beziehungsweise zwei Wochen auf die Finanzierungszusage warten. 15 Prozent bleibt sogar weniger als eine Woche. Kein Wunder also, dass eine rasche Entscheidung für 92 Prozent der Betriebe ein entscheidendes Kriterium ist. Speziell im jetzigen Boom kann eine zögerliche Kreditvergabe durch die Banken sogar den wirtschaftlichen Erfolg des Mittelstandes gefährden. „Die Auftragsbücher sind randvoll gefüllt. Das bedeutet aber auch, dass Unternehmen vermehrt in Vorleistung treten müssen. Gerade Mittelständler tun sich schwer, hier ausschließlich auf den eigenen Cashflow zurückzugreifen“, beschreibt Prof. Dr. Dirk Schiereck von der TU Darmstadt, der den „Finanzierungsmonitor 2018“ wissenschaftlich begleitet hat, die missliche Lage vieler Betriebe. Ohne ausreichende Finanzierung könne es zum Beispiel zu Lieferverzögerungen oder gar kompletten Lieferausfällen kommen. Das schadet nicht nur dem aktuellen Geschäftsergebnis, sondern langfristig auch der Reputation.

Hohe Zinsen

Auch was die Konditionen für Betriebsmittelkredite angeht, herrscht ein gewisser Unmut in der mittelständischen Industrie. Selbst wenn alle bürokratischen Hürden genommen sind, winkt nicht unbedingt eine günstige Finanzierung. Fast 40 Prozent der Unternehmen halten die Zinsen für zu hoch. Das gilt noch weit stärker für unbesicherte Kredite, die sich sieben von zehn Firmen aufgrund der Kosten nicht leisten können. Für viele stellt sich die Frage aber überhaupt nicht, denn ohne dingliche Sicherheiten erhalten rund 90 Prozent des industriellen Mittelstandes derzeit überhaupt keine Finanzierung.

Dabei wäre rund die Hälfte der Unternehmen bereit, dafür moderat höhere Zinsen in Kauf zu nehmen. Die meisten Firmen haben bis zu zwei Drittel ihrer Betriebsmittelkredite mit Sicherheiten unterlegt. Großer Spielraum für weitere besicherte Finanzierungen bleibt ihnen damit nicht. Doch gerade jetzt benötigen die Firmen Geld. Die Industrie muss nicht nur ihre eigene Produktion zukunftsfest machen, sondern auch ihre Produkte in Richtung digitale Transformation vorantreiben. Das schlägt sich zum Beispiel spürbar bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung nieder, wo 44 Prozent der Betriebe externe Finanzierungen in Anspruch nehmen wollen.

Trotz der hervorragenden wirtschaftlichen Lage droht dem deutschen Mittelstand also ein Investitionsstau, der gerade jetzt im weltweiten Wettlauf um Industrie-4.0-Lösungen durchaus die technologische Exzellenz des Standorts beschädigen könnte. Unternehmen müssen also nach Alternativen zur Hausbank suchen, die sie bei den Fintechs finden. Bereits jetzt können sich 75 Prozent der Industriebetriebe vorstellen, künftig unkomplizierte Online-Plattformen zu nutzen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erhofft sich davon auch schnellere Kreditentscheidungen. Dr. Daniel Bartsch/am

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