Kugeldrehverbindung für Tagebaugerät
Entschuldigung, hätten Sie eine Vier-Meter-Kugeldrehverbindung?
Im Tagebau Garzweiler sorgen riesige Tagebaugeräte für einen schnellen und effizienten Abbau von Braunkohle. Als für ein älteres Verkippungsgerät eine neue Kugeldrehverbindung mit einem Durchmesser von fast vier Metern benötigt wurde, konnte der Antriebstechnikspezialist Rodriguez helfen.
RWE Power ist eines der führenden Unternehmen der Energiegewinnung und -erzeugung in Deutschland. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Braunkohle, aus der nach wie vor noch rund ein Viertel des Stroms in Deutschland gewonnen wird. Rund die Hälfte der Braunkohle, die in Deutschland verstromt wird, stammt aus dem rheinischen Revier im Städtedreieck Köln – Aachen – Mönchengladbach. Hier befindet sich das größte geschlossene Braunkohlevorkommen in Europa: Insgesamt lagern in dem Gebiet etwa 35 Milliarden Tonnen wirtschaftlich gewinnbarer Vorräte. RWE Power fördert pro Jahr knapp 100 Millionen Tonnen des wertvollen Rohstoffs und beschäftigt auf der rund 9.000 Hektar großen Betriebsfläche gut 10.000 Mitarbeiter.
Kohle gewinnen, Abraum verkippen
Der Tagebau Garzweiler liegt westlich von Grevenbroich. Die Braunkohle ist hier in drei Flözen abgelagert, die zusammen durchschnittlich 40 Meter stark sind. Die Kohle liegt zwischen rund 40 und maximal 210 Metern unter der Erdoberfläche. Um die Braunkohle freizulegen, bewegt der Tagebau jährlich gut 140 Millionen Kubikmeter Abraum, also Löß, Kies und Sand. Deshalb gliedert sich der Tagebau in zwei wesentliche Bereiche: die Gewinnungsseite, wo Schaufelradbagger Braunkohle und Abraum gewinnen, und die Verkippungsseite, wo Absetzer den Abraum verteilen und somit bereits ausgekohlte Bereiche des Tagebaus wieder verfüllen.
Im Tagebau Garzweiler ist unter anderem der Absetzer 743 im Einsatz. Er wurde 1959 gebaut und hat ein Dienstgewicht von 2.540 Tonnen bei einer Förderleistung von 110.000 Kubikmetern pro Tag. Der gewaltige Absetzer besteht aus einem Hauptgerät und einem Stützwagen, die über eine Bandbrücke miteinander verbunden sind. Über mehrere Förderbänder gelangen Kies, Sand und Ton auf den bis zu 100 Meter langen, höhenverstellbaren und schwenkbaren Abwurfausleger. Von dort aus stürzt der Abraum auf die Kippe.
Überdimensionales Ersatzteil
Schon allein aufgrund der rauen Einsatzbedingungen sind Absetzer so robust konstruiert, dass sie viele Jahrzehnte lang ohne Probleme ihren Dienst tun können. Nach über 50 Jahren im Dauerbetrieb bestand beim Absetzer 743 jedoch Überholungsbedarf: Unter anderem musste eine gigantische Kugeldrehverbindung ersetzt werden. „Diese Komponente übernimmt die Verlagerung von der Bandbrücke zum Stützwagen und gleicht hier die unterschiedlichen Fahrbewegungen des Hauptgerätes aus“, erklärt Stephan Collet vom Technikzentrum Tagebau von RWE. „Eine Beschaffung über den Original-Hersteller war ausgeschlossen, sodass wir uns auf die Suche nach einem neuen Lieferanten machten.“
Die Spezifikationen waren durchaus ungewöhnlich: Benötigt wurde eine Doppel-Axial-Kugeldrehverbindung mit den Maßen 3.990 mal 3.600 mal 215 Millimetern in einer Ausführung mit optimierter Abdichtung und zusätzlicher Schmierung.
Kein Problem für Rodriguez: Der Antriebsspezialist aus Eschweiler hat Erfahrung mit Sonderanfertigungen. „Individuell gefertigte Lager werden bei uns häufig nachgefragt“, bestätigt Produktmanager Martin Stremmel. „An solchen maßgeschneiderten Lösungen führt unter anderem dann kein Weg vorbei, wenn wie beim vorliegenden Anwendungsfall die ursprünglich in einer Maschine verbauten Lösungen nicht mehr als Standardprodukt auf dem Markt verfügbar sind.“ as














