Maschinenautomatisierung mit Movi-C
Durchgängig automatisiert, fix verpackt
Mit dem Automatisierungsbaukasten Movi-C ermöglicht SEW-Eurodrive die Automatisierung kompletter Maschinen – von der Steuerung bis zum Getriebemotor. Ein Beispiel aus der Verpackungsbranche zeigt, wie sich das Engineering für die Maschinenbauer deutlich vereinfacht.
SEW-Eurodrive einen ist als Hersteller von Getriebemotoren und als Anbieter von Komponenten für die Antriebsautomatisierung bekannt. Auf Basis des kürzlich vorgestellten Automatisierungsbaukastens Movi-C fertigt das Unternehmen aus Bruchsal nun auch komplette Lösungen für die Maschinenautomatisierung. Der Baukasten umfasst das gesamte erforderliche Produktspektrum: Ausgehend von Hardware-Getriebemotoren, Frequenzumrichter und Steuerungstechnik über die Software-Module, die für die Integration der Antriebe in die Maschine sorgen, Bedienoberfläche und Visualisierung bis zur Kommunikation über offene Feldbussysteme zur Anbindung weiterer Komponenten. Movi-C ermöglicht so ein bequemes Engineering und eine komfortable Inbetriebnahme und Bedienung.
Die Firma 3SL Pactec beschäftigt sich mit der Entwicklung und Herstellung von Kartonier- und End-of-Line Verpackungstechnik. Das Produktionsprogramm des Allgäuer Unternehmens umfasst den gesamten Sekundärverpackungsbereich, bis hin zu Robotik-basierenden Endverpackungsmaschinen. Als Lieferant von Gesamtlösungen, integriert das Unternehmen Primär-, Sekundär- und Endverpackungstechnik zu kompletten Verpackungslinien für den weltweiten Nahrungsmittel- und Gebrauchsgütermarkt. Für die Antriebsautomatisierung arbeitet das Unternehmen mit SEW zusammen.
Toploadkartonierer mit Movi-C-Komponenten ausgestattet
Eine integrierte Verpackungslösung von 3SL Pactec für Produkte aus den Bereichen Food und Non-Food ist die Verpackungsmaschine FMC 250. Dieser vollautomatische, servogesteuerte Toploadkartonierer wurde für Kunden der Konsumgüterindustrie konzipiert. Er stellt eine flexible Lösung dar, um 250 Produkte pro Minute in Faltschachteln, Umverpackungen oder Displaykartons zu verpacken, beispielsweise Schokoladensticks, Lebkuchen und Non-Food-Produkte. SEW stattete die gesamte Maschine mit Komponenten aus dem Automatisierungsbaukasten Movi-C aus. Je nach Antriebsaufgabe – ob hochdynamische Servoachse oder Fördertechnikachse – wurden unterschiedliche Getriebemotoren verbaut: Synchronmotoren mit Drehgeber, Asynchronmotoren geberlos und mechatronische Antriebseinheiten Movigear, ebenfalls geberlos. Sie alle werden angesteuert durch die Applikationsumrichter der Gerätefamilie Movidrive modular, die Bestandteil des neuen Automatisierungsbaukastens ist. Insgesamt zehn Doppelachsen sind – platzsparend und leicht zugänglich – auf dem Dach der Verpackungsmaschine untergebracht. Die gesamte Maschine benötigt also keinen separaten Schaltschrank und lässt sich gut im Container transportieren.
SEW hat mit dem Movi-C Controller power die komplette Automatisierung der Verpackungsmaschine durchgeführt. Dazu gehört das Abfragen und verarbeiten der I/O-Schnittstellen, die Steuerung und Überwachung aller Synchron- und Asynchronachsen sowie die Ablaufsteuerung und Visualisierung der Gesamtmaschine, basierend auf PackML (Packaging Machine Language) nach dem OMAG Standard Norm S88. Alle zehn Doppelachsmodule, also 20 Achsen, werden innerhalb einer Abtastrate von einer Millisekunde verarbeitet. Davon läuft ein Maschinenmodul mit einer elektronischen Kurvenscheibe, an der vier Achsen im Camming Mode gekoppelt sind und zusätzlich an einer Achse noch zwei Leimnocken angebaut sind, die ebenfalls innerhalb der Abtastrate gesteuert werden. In zwei Maschinenmodulen wird die Steuerung von je einem Roboter Drei-Achs/Zwei-Achs realisiert. Zwei weitere Maschinenmodule werden für die Steuerung zweier Fächerketten verwendet, wobei eine die Taktung von bis zu 250 Takten je Minute ermöglicht.
Für die sicherheitsgerechte Funktionen ist die Sicherheitssteuerung UCS B von SEW zuständig. Sie ist über das Maschinennetzwerk mit dem Movi-C Controller power verbunden. Diese Sicherheitssteuerung überwacht sämtliche Not-Aus-Einrichtungen wie Schutztüren und Sicherheitsklappen in der gesamten Anlage. Beim Ansprechen der Sicherheitseinrichtung werden alle Doppelachsmodule in den STO-Zustand (Sicher abgeschaltetes Drehmoment) geschaltet.
Automatisierte Abläufe
Für die Produktion wird die Maschine mit vorgestanzten, flachen Kartonzuschnitten aus dem Zuschnittmagazin beladen. Diese Zuschnitte werden in der Maschine zu geleimten Displaykartons geformt. Von der vorgelagerten Primärverpackung gelangen die verpackten Einzelprodukte über ein Förderband zur Sekundärverpackung. Im Maschinenmodul „Aufrichter“ wird mittels Abzieher ein Kartonzuschnitt aus dem Magazin mit Vakuumsaugern abgezogen und auf das Shuttle gelegt. Dieses transportiert den Karton unter den Leimpistolen hindurch über das Ausformwerkzeug, wo es von einer X-Z-Kinematik übernommen wird. Diese Einheit drückt den flachen Zuschnitt zuerst durch das Formwerkzeug und übergibt den zu einem Displaykarton geformten Zuschnitt an das nächste Modul, das CMS (Carton Management System). Der Ablauf dieses Maschinenteils (Equipmentmodul) erfolgt über eine elektronische Kurvenscheibe für synchronisierte Achsbewegungen aus dem Softwarebaukasten Movikit Multimotion Camming. Ein Nockenschaltwerk steuert die Leimpistolen an. Im Maschinenmodul CMS transportieren zwei Riemen, die mit Vakuumkassetten bestückt sind, abwechselnd einen Karton vom Übergabeplatz am Aufrichter zur Beladeposition und weiter zur Entnahmeposition.
In der Verpackungsmaschine FMC 250 übernimmt eine schnelltaktende Fächerkette pro Sekunde vier Einzelprodukte aus einem endlosen Produktstrom. SEW bietet für Maschinenmodule vorgefertigte Softwarelösungen an. Daher braucht sich der Anwender keine Gedanken machen, wie er die Fächerkette programmiert. Eingebettet in das Automation Framework AFW von SEW bekommt er ein Anwendungsmuster. Der Programmierer muss nur seine eigenen Parameter für die Länge der Fächerkette und die Anzahl der Produkte eingeben, dann führt das Maschinenmodul die geforderten Antriebsbewegungen aus. Somit kann er die Fächerkette an maximal einem halben Tag leicht in Betrieb nehmen – einschließlich der Visualisierung.
Deltaroboter für die Endverpackung
In zwei weiteren Arbeitsschritten kommen zwei Deltakinematiken zum Einsatz. Die erste Kinematik übernimmt nach dem Toploaderprinzip je sechs gruppierte Produkte in dem kurzen Zeitfenster aus der ruhenden Fächerkette und setzt die Produkte in den Displaykarton. Nach vier Zyklen ist ein Karton gefüllt und er wird unter die Entnahmekinematik weitertransportiert. Diese zweite Kinematik verschließt über eine speziell optimierte und mit der Pneumatik synchronisierte Bahnkurve den Karton und setzt ihn um 90 Grad gedreht auf das Ausschleuseband um. Die Mechanik dieses Pick-and-Place-Roboters Codian D2 fertigt die niederländische Firma Codian Robotics. Die Koordinatentransformationen, die Software und das Teachen übernimmt SEW. Hierbei kommt das Robotikpaket für Handhabungstechnik bei klassischen Pick-and-Place-Anwendungen zum Einsatz und darauf aufbauend die Software- und Maschinenmodullösung „Toploader“.
Das von SEW bereitgestellte Automation Framework ist eine Softwareplattform, mit der Programmierer die Maschinensoftware klar und einfach strukturieren können. Auf Basis PackML programmiert, erfüllt es den internationalen Standard zur Steuerung von Verpackungsmaschinen und ist damit weltweit akzeptiert und bekannt. Die Vorteile dieser Lösung sind eine durchgängige Diagnose, Alarmhandling und Rezepturverwaltung. Der Programmcode der Maschine ist auch für außenstehende, neue Programmierer leicht beherrschbar. Das eigentliche Know-how der Maschinenbauer bleibt über Jahrzehnte nutzbar und die Aufwände für Softwarepflege sind minimal. Große Hersteller aus dem Lebensmittelbereich schätzen sehr, dass sie auf diese Weise alle Maschinen in einer Produktionshalle in gleicher Weise bedienen können. Die PackML-Struktur ist für jede beliebige Maschine anwendbar.
Mit dem kompakten und flexiblen Automatisierungsbaukasten Movi-C lassen sich alle Antriebe ansteuern. Auch Sicherheitssteuerungen und Visualisierungen können die OEM von SEW beziehen. Weil die Bruchsaler vorgefertigte Softwarebausteine anbieten, kann viel Zeit beim Engineering eingespart werden. Auch die Endkunden können großen Nutzen aus dem Automatisierungsbaukasten ziehen: SEW ist in 49 Ländern auf allen Kontinenten mit Beratung und Service vor Ort, außerdem erhalten sie ein einheitliches Bedienkonzept, das internationalen Ansprüchen gerecht wird. Heiko Füller/as
















