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Artikel und Hintergründe zum Thema

Umfrage

Mara Hofacker,

Lieferengpässe verursachen Verluste von durchschnittlich fast 1 Mio. Euro

Eine Umfrage von Reichelt Elektronik zeigt, welche Folgen die globale Ressourcenknappheit und Lieferengpässe für deutsche Unternehmen haben und welche Maßnahmen sie in der Krise ergreifen.

Grafik zur Umfrage zu Lieferengpässen. © Reichelt Elektronik

Seit Anfang 2020 sind auch die Lieferketten weltweit immer instabiler und anfälliger geworden, so Reichelt Elektronik. Der Nachschub von essenziellen Komponenten wie etwa Chips oder auch einzelnen Rohstoffen ist ins Wanken geraten und deutsche Unternehmen leiden unter den Folgen. Audi musste erst vor kurzem wieder 10.000 Arbeiter in Kurzarbeit schicken, nicht weil Covid-19 sie dazu zwingt, sondern weil wichtige Chips in der Produktion fehlen.

Eine von Reichelt Elektronik in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, welche Auswirkungen Lieferengpässe auf deutsche Unternehmen haben und wie sie der Krise trotzdem die Stirn bieten.

Durchschnittlich 35 Tage Produktionsstillstand

95 Prozent der Befragten bestätigen, dass es aufgrund von Lieferengpässen seit Beginn 2020 zu Produktionsstillständen in ihrem Unternehmen kam. Gründe sind verspätete Lieferungen oder fehlenden Komponenten. Ein Großteil der betroffenen Unternehmen (41 Prozent) musste sogar einen Produktionsausfall von mehr als einen Monat in Kauf nehmen.

Jeder Tag, den die Maschinen stillstehen, kostet die Unternehmen immense Summen. Kleine Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeiter hatten mit einem Minus von durchschnittlich knapp 100.000 Euro zu kämpfen, während mittlere Betriebe (50-250 Mitarbeiter) bereits einen Umsatzausfall von gut einer halben Million Euro kompensieren mussten. Größenübergreifend ergab die Umfrage, dass die befragten deutschen Betriebe seit Januar 2020 Verluste im Durchschnitt in Höhe von 924.000 Euro verzeichneten. Fast ein Drittel hat mindestens 500.000 Euro an Umsatz eingebüßt. 

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Darüber hinaus erlebte die Produktion weitere negative Folgen der krisengebeutelten Supply Chain. 39 Prozent bestätigen, dass die Preise für bestimmte Komponenten deutlich anstiegen. Ein Drittel (33 Prozent) gab an, dass die Produktion zwar nicht stillgelegt werden musste, aber doch mit deutlichen Verzögerungen zu rechnen war. Ebenfalls 33 Prozent der befragten Unternehmen mussten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, während ein Fünftel (20 Prozent) sich sogar gezwungen sah, Arbeitskräfte zu entlassen.

Keine Hoffnung auf schnelle Besserungen

Fast 60 Prozent hoffen, dass sich die Lage auf dem Markt in den nächsten 12 Monaten entspannt. 30 Prozent hingegen sehen keinen Hoffnungsschimmer am Horizont und rechnen damit, dass sich auch innerhalb eines Jahres nichts ändern wird. Als Faktoren, die die Versorgung mit Komponenten und Materialien weiterhin belasten könnten, werden vor allem der Mangel an begehrten Rohstoffen (44 Prozent), eine steigende Nachfrage nach bestimmten Komponenten (37 Prozent) und die Möglichkeit von zukünftig vermehrt auftretenden Pandemien (36 Prozent) genannt.

Daher haben viele Unternehmen sich intensiv mit Möglichkeiten und Wegen durch die Krise auseinandergesetzt. Besonders verlässlich schneiden dabei Distributoren als Bezugsquelle ab. Hier gab die Hälfte (50 Prozent) der Befragten Entscheider an, dass ihr Unternehmen nun Distributoren als Lieferanten für Komponenten und Güter nutzt, um einen reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Krise sind eine höhere Lagerhaltung der entsprechenden Teile (44 Prozent) und der Bezug direkt beim Hersteller (35 Prozent). Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) ist sogar dazu übergegangen, kritische Komponenten selbst herzustellen.

Für nachhaltige Lösungen ist auch die Politik gefragt

Um für zukünftige Lieferengpässe gut aufgestellt zu sein, streben Unternehmen an, grundsätzlich mehr Vorräte anzulegen (41 Prozent) und mehr Komponenten lokal zu beziehen (36 Prozent). Weitere 34 Prozent wollen gar ihr Produktportfolio anpassen.

Doch Unternehmen sind in ihrem Einflussbereich auch eingeschränkt. Hier liegt es auch in der Verantwortung der Bundesregierung, so Reichelt Elektronik, die deutsche Wirtschaft zu stärken und krisenresistenter zu machen. So wünschen sich beispielsweise 38 Prozent der befragten Unternehmen, dass die Politik mehr Mittel und Förderung in die Forschung von Zukunftstechnologien und die Produktion essenzieller Komponenten steckt. In Handelsfragen sieht über ein Drittel (36 Prozent) eine Notwendigkeit für mehr Zusammenhalt in der EU gegenüber anderen Handelspartnern.

Umfrage:
Die Zahlen wurden vom internationalen Umfrageinstitut OnePoll für Reichelt Elektronik erhoben und umfassen 1.900 Teilnehmer aus Europa, davon 500 aus Deutschland.

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