Zerspanen

Werkzeuge einlagern

SCOPE: Herr Gebhardt, was empfiehlt die generative Technik ausgerechnet für das Ersatzteilwesen?

Gebhardt: Nehmen wir den Automobilbau: Hier ist die Zahl der Basistypen mittlerweile explodiert. Gab es vor 50 Jahren mit Limousine, Cabrio und Pritschenwagen gerade drei Kategorien, so sind es heute bereits 13 und inklusive der Sondermodelle sogar mehr als 25. Dies macht es auf Dauer kaum leichter, Ersatzteile zu beschaffen.

SCOPE: Nun schreibt die EU für Standardteile zehn und für Sicherheitsteile satte 20 Jahre Lieferbereitschaft vor. Wo bitte liegt insoweit das Problem?

Gebhardt: Man sollte anders herum fragen, wer denn insoweit ein Problem haben könnte. Wenn Sie die EU-Regelung 1400/2002 (Gruppenfreistellungsverordnung) vor dem Hintergrund einer immer kleinteiligeren Produktion sehen, steigen die Anforderungen an das Ersatzteilwesen drastisch: Lag das Durchschnittsalter deutscher Autos 1950 bei 3,7 Jahren, waren es 2005 bereits 12,3. Extrapoliert man dies auf die Zukunft – mithin: mehr Autos, größere Varianten, höhere Nutzungsdauer – droht mittelfristig Ersatzteilnotstand. Denn die Special Tools für Metall-, Kunststoff- und andere Teile werden nicht unbegrenzt eingelagert. Exakt hier kommen die Rapid Technologies ins Spiel.

SCOPE: Dass generativ gefertigte Ersatzteile die gleichen Eigenschaften hätten wie konventionell gebaute, wäre gleichwohl zu beweisen.

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Gebhardt: Die Rede ist hier weniger von Kurbelwellen oder Ventilen! Aber man sollte sehen, dass die Gesetzgeber nicht mehr alle Werk- und Verschleißstoffe zulassen, die zum Marktgang mancher Autos erlaubt waren. Silikone in Kunststoffen sind genau so verboten wie Bremsklötze mit Asbestanteil. In beiden Fällen würde weder die Ersatzteillagerung noch das Vorhalten der Werkzeuge etwas nützen, denn die für das Substitutionsmaterial ausgelegten Tools müsste man sowieso neu fertigen. Generative Techniken arbeiten hingegen werkzeuglos. Einzige Voraussetzung ist, dass das entsprechende Teil digitalisiert vorliegt.

SCOPE: Technische Gleichwertigkeit einmal unterstellt, wäre die Produktivität dennoch lausig. Was dürften generativ gebaute Teile kosten?

Gebhardt: Die Ersatzteilproduktion folgt eigenen Marktgesetzen. Egal wo und welche Teile geordert werden, es will mindestens eine Gitterbox voll gepackt sein. Dazu muss jemand Geld in die Hand nehmen, bestellen und zahlen. Bei zunehmend vereinzelten Kfz-Modellen wird das schwierig. Ich denke, die Verfügbarkeit schlägt hier die Produktivität und den Preis.

SCOPE: Dies auch mit Blick auf die Globalisierung?

Gebhardt: Auf jeden Fall, wenn hier auch seitenverkehrt: Durch die Arbeitsteilung in der Kfz-Branche ist vorstellbar, dass Ersatzteile in kleinen Einheiten an unterschiedlichsten Orten der Welt generativ gefertigt werden. Wolfgang Filì/hs

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