Schleifen mit Robotern

Andreas Mühlbauer,

Flexibel, präzise und geschliffen

Bei einem Lohnfertiger in der Blechbearbeitung übernimmt Kollege Roboter das Schleifen. Dadurch spart das Unternehmen Zeit und erreicht eine hohe Qualität der Endprodukte.

In der Roboterzelle bei Robert Plersch Edelstahltechnik ist werkzeug- und werkstückgeführtes Schleifen möglich. © SHL

Bei Robert Plersch Edelstahltechnik in Hawangen fertigen rund 100 Mitarbeiter im Kundenauftrag Produkte aus Blechen, von Einzelteilen bis zu ganzen Baugruppen. Zur Oberflächen- und Schweißnahtbearbeitung von Edelstahlbauteilen nutzt das Unternehmen seit kurzer Zeit eine vollautomatisierte Roboterzelle. Konzipiert und realisiert wurde das System von SHL aus Böttingen gemeinsam mit dem Koopera-tionspartner 3M.

„Die Gründe dafür, die Bearbeitung der Schweißnähte und Flächen zu automatisieren, waren vielfältig“, sagt Geschäftsführer Georg Plersch. „Zum einen war das die Tatsache, dass bei uns das Oberflächenfinish, also Schleifen, Bürsten, Strahlen, im Produktionsprozess immer eine Engpassstelle war. Und unsere Kunden haben immer höhere Anforderungen, was die Replizierbarkeit und die Qualität angeht. Auch darauf mussten wir reagieren. Gerade im Bereich Edelstahl sind das meist Sichtteile, da legen die Kunden besonders großen Wert auf hohe Qualität.“ Auf der Suche nach einem passenden Partner für das Projekt sei man schließlich auf SHL gestoßen. Das Unternehmen ist seit Mai 2021 offizieller Kooperationspartner von 3M. Die Zusammenarbeit zwischen SHL und den Schleifmittel- experten von 3M ist aber schon seit einigen Jahren sehr gut, wie Berthold Kammerer, Verkaufsspezialist für Schleif- und Poliersysteme bei 3M, betont.

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Das Ergebnis ist eine sehr flexible Roboterzelle. Werkstückgeführt oder werkzeuggeführt kann der Roboter Werkstücke von der Größe eines Handys bis zu einer Größe von rund einem Kubikmeter bearbeiten – mit stationären und geführten Bandschleifern und geführten Werkzeugen in Scheibenform. „Neben maximaler Flexibilität waren natürlich für uns auch die Programmierzeiten sehr wichtig. Wir können es uns nicht leisten, dass die Anlage wegen einer Umprogrammierung lange stillsteht“, sagt Georg Plersch. Insgesamt spielt natürlich der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. „Gegenüber der manuellen Bearbeitung konnten wir die Zeiten durch die Roboterzelle mehr als halbieren“, sagt der Geschäftsführer.

Und natürlich spielt auch die Standzeit der verwendeten Schleifmittel eine große Rolle, denn weniger Wechsel bedeutet zusätzliche Zeit- und damit Kostenersparnis. „Wir verkaufen unseren Kunden kein Produkt, sondern eine Lösung für den Gesamtprozess, und dazu gehören auch leistungsstarke, universell einsetzbare Schleifbänder und Schleifscheiben von 3M“, sagt Thomas Magnussen, Head of Sales & Marketing bei SHL. Und so kommen in der Roboterzelle 3M Cubitron II Schleifbänder und Schleifscheiben zum Einsatz, die einen schnellen und kühlen Schliff ermöglichen. Für den Feinschliff werden Scotch-Brite-Vliesbänder verwendet.

„Die Schleifmittel haben natürlich einen erheblichen Einfluss auf einen solchen automatisierten Prozess, nicht nur wegen der Qualität der erzielten Oberfläche, sondern auch wegen der hohen Standzeiten“, sagt Magnussen. „Der große Vorteil des automatisierten Schleifens ist ja unter anderen das mannlose Arbeiten. Und wenn ich immer wieder das Schleifband wechseln muss, muss ich ja trotzdem einen Mitarbeiter bereitstellen, der diese Aufgabe übernimmt“, erläutert Plersch.

Einzigartige Gesamtlösung

„Eine solche Gesamtlösung gibt es nur einmal auf dem besonders hart umkämpften Markt der Lohnfertigung, und damit haben wir uns selbst ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen“ betont Georg Plersch. Das automatisierte Finishen ist übrigens nur ein weiterer Schritt hin zur umfassenden Automatisierung bei Robert Plersch Edelstahltechnik. „Die meisten Prozesse in unserer Firma sind bereits automatisiert beziehungsweise voll automatisiert – die letzte Abteilung war jetzt die Schleiferei. Damit haben wir versucht, den gesamten Produktionsprozess auf das gleiche Level zu bringen. Selbstverständlich werden weitere Automatisierungen folgen, das bringen die Zeit und der Wettbewerb mit sich, dieser Trend wird nicht aufzuhalten sein.“

Ein entscheidender Faktor ist nach Ansicht von Plersch auch der Fachkräftemangel, dem man mit solchen Inves-titionen entgegenwirken wolle. „Eine solche Arbeit will doch heute keiner mehr machen“, sagt er, nicht zuletzt aus Gründen der gesundheitlichen Belastung durch den Schleifstaub. Der wird übrigens in der Roboterzelle abgesaugt, obwohl sich beim Schleifen kein Arbeiter in der Zelle aufhält. Seit Oktober 2020 ist die Roboterschleifzelle in Betrieb, und Georg Plersch zieht ein positives Fazit: „Mit meiner Vision eines voll automatisierten Schleifprozesses haben wir Neuland betreten und sind natürlich auch ein gewisses Risiko eingegangen, denn wir konnten nicht auf eine Standard-lösung zurückgreifen. Aber mit SHL und 3M als Partner haben wir dieses komplexe und anspruchsvolle Projekt optimal realisieren können.“

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