Zweiachsen-Drehtisch

BAZ-Produktivität steigern

Die Schweiz als Herstellungsland zählt gewissermaßen als Qualitätsversprechen. Dessen ist sich der Werkstück-Spannspezialist Gressel aus Aadorf (Thurgau) bewusst. Qualität wird daher bei seinen Produkten, aber auch bei seinem Equipment großgeschrieben. Um die Produktivität und Flexibilität zu maximieren, setzt das Unternehmen auf zwei vertikalen Bearbeitungszentren zusätzliche Drehtische von pL Lehmann aus Bärau im Emmental, Kanton Bern, ein.

Macht aus einem dreiachsigen Bearbeitungszentrum eine produktive 5-Achs-Maschine: der Zweiachsen-Drehtisch T1-520520.ORR varioX von pL Lehmann.

Das im Jahre 1923 gegründete Schweizer Unternehmen Gressel AG ist ein typischer Vertreter wesentlicher Schweizer Eigenschaften: Die innovativen Produkte von hoher Qualität werden ausschließlich am Heimatstandort Aadorf gefertigt, sind aber auch außerhalb der Alpenrepublik sehr gefragt. Dabei handelt es sich um eine breite Produktpalette, die sich während der vergangenen 90 Jahre rund um das Kerngeschäft Werkstück-Spanntechnik entwickelt hat. Sie umfasst Einfach-, Doppel- und Mehrfachspanner für den Einsatz auf halb-/vollautomatisierten Universalfräsmaschinen und Bearbeitungszentren. Außerdem gehören individuelle Werkstück-Spannlösungen und kundenspezifische Konzepte für die automatisierte Produktion mit zum Programm. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Adaption von Standardprodukten auf Paletten und Spanntürmen. Aber auch klassische Schraubstöcke und Handwerkzeuge für den Werkstatteinsatz werden seit zig Jahren erfolgreich verkauft. Ein Highlight jüngeren Datums ist der Werkstückspeicher P60 für 60 Kleinpaletten, eine vollautomatisierte Komplettlösung zur Steigerung der Produktivität.

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Um die Qualität bewährter und neuer Produkte durchgehend gewährleisten zu können, produziert die Gressel AG mit einem sehr hohen Grad an Eigenfertigung. Geschäftsführer Joerg Maier beschreibt: "Wir bekommen Stahl in 3 m-Stangen, Rohgussteile und Normteile angeliefert. Den Rest machen wir selbst." Und er weiß um die daraus resultierenden Vorteile: "So halten wir das Verarbeitungs-Know-how im Haus und können auf anspruchsvolle Kundenwünsche flexibel reagieren."

Innovationen bei Produkten und in der Fertigung

Da Gressel in der Fertigung die eigene Spanntechnik einsetzt, haben die Mitarbeiter ein besonderes Gespür für Innovationen auf ihrer Produktseite entwickelt. Sie wissen, was ihre Kunden (und sie selbst) benötigen, um die Zerspanung zu optimieren. "Hohe Effizienz ist heutzutage überlebenswichtig", sagt Joerg Maier und weist darauf hin, dass die meisten Schweizer Unternehmen unter dem teuren Schweizer Franken leiden. "Auch wir sind deshalb gezwungen, unsere Produktivität permanent zu verbessern. Dazu brauchen wir eine innovative Ausstattung der eigenen Fertigung."

Gressel stellt seinem hochqualifizierten Fachpersonal modernste Produktions- und Logistikmittel zur Verfügung. Ein hoher Automatisierungsgrad mit einem Fastems-Regal- und Palettensystem trägt bei den Horizontalmaschinen dazu bei, neben zwei Tagschichten eine mannlose Nachtschicht zu fahren. Ähnlich ist es um die vertikalen Bearbeitungszentren bestellt. Darunter befindet sich seit 2009 ein dreiachsiges Toyoda-BAZ, das mit einem zusätzlichen Getriebedrehtisch (vierte und fünfte Achse) der Firma pL Lehmann ausgestattet ist. Die Maschine lässt sich aus dem 60 Plätze umfassenden Werkstückspeicher P60 - einem Gressel-Produkt - automatisch bestücken. Maier erklärt: "Damit können wir unsere kubischen Kleinteile rund um die Uhr bearbeiten. Zudem erfüllt diese Maschine noch weitere Aufgaben: Sie dient der Erprobung unserer neuen Spann- und Automatisierungssysteme unter realen Bedingungen sowie als Demonstrationsobjekt für interessierte Kunden."

Bearbeitungszentrum mit hoher Flexibilität

Da sich die Kombination aus 3-Achs-BAZ und Zwei-Achsen-Drehtisch im Produktionsalltag bewährt hat, entschlossen sich die Verantwortlichen im letzten Jahr, ein weiteres derartiges System anzuschaffen. Geordert wurde ein der Toyoda-Maschine sehr ähnliches vertikales Bearbeitungszentrum von AWEA, eine AF-1250, mit Heidenhain-Steuerung iTNC 530 und einem Zweiachsen-Drehtisch T1-520520.ORR varioX von pL Lehmann - komplett geliefert von der Walter Meier (FL) AG, MATO CNC-Maschinen, in Berneck (Schweiz).

Der Maschinenauswahl lagen laut Geschäftsführer Maier folgende Überlegungen zugrunde: "Wenn wir ein erfolgreiches System haben, nehmen wir es gerne ein zweites Mal - auch aus Redundanzgründen. Die vertikale Toyoda-Maschine, damals in Deutschland gekauft, haben wir in der Schweiz nicht bekommen und uns daher für die AWEA entschieden, die sehr ähnlich aufgebaut ist. Sie ist auch mit der gleichen Steuerung ausgestattet, um im Notfall CNC-Programme 1:1 austauschen zu können." Beide Maschinen haben einen sehr großen Maschinentisch, der neben der Installation des zweiachsigen Getriebedrehtischs noch erlaubt, verschiedene mechanische Spannmittel aus eigener Herstellung zu montieren. Werner Schoch, Leiter Kleinteilebearbeitung, verrät den Grund: "Somit können wir Interessenten unsere Produkte unter Span vorführen. Außerdem nutzen wir die Maschine zu einem großen Anteil für die Bearbeitung von einfachen Prototypen, Ersatzteilen, Funktionsmustern etc. Den Lehmann-Drehtisch lasten wir vor allem im Zusammenspiel mit der automatisierten Bestückung aus."

Die automatisierte Serienfertigung spielt bei der neuen Konfiguration AWEA-BAZ AF-1250 mit Lehmann-Drehtisch T1-520520 die Hauptrolle. Schoch führt aus: "Deshalb haben wir nur einen normalen Schraubstock neben dem Lehmann-Tisch montiert, um eine gewisse Flexibilität zu bewahren. Aber zu fast 100 Prozent arbeiten wir mannlos über den Werkstückspeicher P60 auf dem Lehmann-Tisch."

Lehmann-Drehtisch als ideale Ergänzung

Dass der Zwei-Achsen-Getriebedrehtisch bei der Firma pL Lehmann gekauft wurde, liegt nicht allein daran, dass es sich um einen Schweizer Anbieter handelt. Maier begründet: "Wir haben natürlich eine Evaluation vorgenommen und festgestellt, dass dieser Drehtisch eine Steifigkeit mit enormen Feststellmomenten bietet, wie kaum ein anderer. Die Haltekraft der vierten Achse liegt bei 2000 N und die der fünften bei 4000 N. Insofern ist das für unseren Zweck die beste Lösung."

Schoch lobt neben den Leistungsdaten auch den Service: "Der ist hervorragend. Wir haben damit schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Als einmal nach einer Kollision eine Reparatur notwendig war, ging das ruckzuck. Nach einer Woche war der Tisch voll funktionstüchtig wieder da."

Dazu kommt, dass sich die beiden Unternehmen schon seit langem kennen und gegenseitig die Qualität ihrer Produkte schätzen. Auch Lehmann zählt nämlich zu den Gressel-Kunden und setzt in der Fertigung unter anderem das mechanische Nullpunktsystem gredoc ein.

Erfolgreiche Serienproduktion

Auf dem AWEA/Lehmann-System produziert Gressel vor allem Spannbacken in verschiedenen Breiten und Längen. Die Teile sind zumeist bis zu faustgroß und müssen von fünf Seiten bearbeitet werden. Schoch vergleicht die heutige Fertigung mit der von früher: "In der Zeit vor unseren automatisierten Zentren mussten wir auf einer normalen 3-Achs-Maschine jedes Teil in drei Aufspannungen bearbeiten. Mit der zusätzlichen vierten/fünften Achse, unserem automatisierten Werkstückspeicher und unseren Spanntürmen bearbeiten wir acht Teile in einer Aufspannung und produzieren so 96 Backen pro mannloser Nachtschicht." Um eine derartige Rüstzeitreduzierung zu erreichen, geht Gressel folgenden Weg: Für die zu bearbeitenden Rohteile werden Spanntürme konfiguriert, die aus dem eigenen Standard-Spannprogramm stammen. Sie können jeweils acht Rohlinge aufnehmen und werden im Werkstückmagazin P60 bevorratet. Von dort entnimmt ein dreiachsiges Portalhandlingsystem jeweils einen Spannturm und transportiert ihn zum Lehmann-Drehtisch. Hier nimmt ihn das direkt auf dem Lehmann-Tisch montierte Schunk Vero S Nullpunktsystem positionsgenau auf, ein angetriebenes System, das sich zum vollautomatisierten Bearbeiten eignet. Zur hochgenauen Bearbeitung der acht Bauteile nutzt Gressel dann die vierte und fünfte Achse jeweils in angestelltem Zustand. "Das heißt, wir positionieren, fixieren die Achse, bearbeiten, drehen, fixieren, bearbeiten. Für unsere Bauteile genügt das. Eine Fünfachssimultanbearbeitung - die mit dem Lehmann-Drehtisch auch möglich wäre - benötigen wir nicht."

Werkstück-Spanntechnik von A bis Z

Die vor 90 Jahren als mechanische Werkstätte gegründete Gressel AG ist heute ein kompetenter Anbieter hochwertiger Spannmittel, die von der klassischen Anwendung bis zur Automation eingesetzt werden. Das Schweizer Unternehmen mit ca. 60 Mitarbeitern verfügt sowohl über großes Know-how in Sachen Werkstück-Spanntechnik als auch über die Kompetenz für Systemlösungen in der Werkstück-Bevorratung und im Handling. Der Kunde erhält "schnittstellenbereinigt" eine funktionstüchtige Lösung aus einer Hand - inklusive Installation, Inbetriebnahme und Service. Die Gressel AG befindet sich bis heute in Familienbesitz, gilt in der Schweiz als Marktführer und ist in den Industrieländern Europas bestens etabliert.

Innovative Schweizer Drehtischtechnik

Zu den Stärken von pL Lehmann gehören bekanntlich seit vielen Jahren die hohe Geometriegenauigkeit und Steifigkeit aller Drehtische, besonders auch der Zweiachsdrehtische. Mit der "edition 2" schließt seit kurzem die Baureihe 500 an den Erfolg der Baureihe 400 an: Gezielte Maßnahmen beseitigten anfängliche Schwächen in Steifigkeit und Genauigkeit. Außerdem ist die Austauschbarkeit einzelner Module bei solchen zweiachsigen Drehtischen wesentlich einfacher und zuverlässiger geworden. Die modulare Konstruktion ermöglicht jederzeit einen nachträglichen Umbau und/oder eine entsprechende Erweiterung. Der Anwender kann dadurch neuen Bearbeitungsaufgaben gerecht werden, ohne in einen komplett neuen Drehtisch investieren zu müssen. Auch die Servicefreundlichkeit legte deutlich zu. So kann zum Beispiel der Referenzpunkt bzw. die Bereichsendlage von außen und ohne Demontage des Drehtisches bei allen Ausführungen eingestellt bzw. verändert werden. Was die Zuverlässigkeit anbelangt, erfuhr vor allem der im Gehäuse kompakt integrierte Druckübersetzer einen kräftigen Schub nach vorne. Da die Lehmann-Drehtische auf vielen verschiedenen Werkzeugmaschinen in Kombination mit unterschiedlichen CNC-Steuerungen eingesetzt werden, stellt pL Lehmann eine Vielzahl von spezifischen Inbetriebnahme-Unterlagen bereit. Zudem wurde in den letzten Monaten massiv in das internationale Vertriebs- und Servicenetz investiert. Derzeit hat das Unternehmen 16 Vertretungen und ist in 25 Ländern aktiv, so dass für eine schnelle Ersatzteilversorgung sowie Firstlevel-Service mit meist eigenen Servicetechnikern gesorgt ist.

Getriebedrehtische von pL Lehmann sind live zu sehen auf der EMO 2013 (16. bis 21. September) am Messestand der Peter Lehmann AG (Halle 13, Stand A78). Der Stand der Gressel AG befindet sich in Halle 5 A21. kf

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