Wirtschaft + Unternehmen

Zylinder von der Scheibe

Wer automatisierte Fertigungsstraßen baut, kommt an Pneumatikzylindern jedweder Art nicht vorbei. Kompakt und kostengünstig bewegen sie Werkstücke, bringen sie in Position. Meist handelt es sich um Standardbauteile, die immer und immer wieder neu von Hand zu zeichnen kaum lohnenswert erscheint. Um sich die Arbeit zu erleichtern, greifen Konstrukteure mit Vorliebe zu CAD-Katalogen, an die sie bestimmte Forderungen stellen: Ohne Schnickschnack, schnell und funktionell sollen sie sein. Daß Sie solche Kataloge und sogar noch mehr bekommen, lesen Sie in dem folgenden Beitrag.
Mittwoch, 14.30 Uhr, irgendein Unternehmen in Deutschland. Kaum eine Menschenseele läuft durch die Produktionshalle. Trotzdem herrscht reger Betrieb. Es schiebt, hebt, dreht, stoppt, setzt um: Die Werkstücke auf den Bändern kommen nicht zur Ruhe. Von der einen Fertigungsstation geht es automatisch weiter zur nächsten. Bis dann am Ende die Palette wartet. Verpackungsautomat, Lager und schließlich ab zum Kunden, so heißen die folgenden Stationen.

Nichts besonderes so eine Situation, denn die automatisierte Fertigung ist lange schon Realität. Den Sondermaschinenbauern kann es nur recht sein; sie haben alle Hände voll zu tun. Komplette Fertigungslinien nur aus Standardbauteilen? Illusion. Denn an manch einer Stelle will der Standard einfach nicht passen. Und außerhalb der Linie? Keine Frage, da bringen eigens dafür konstruierte Automaten die Fertigung auf Trab.

Ohne geht¿s nicht mehr
Einige davon kommen von Rohwedder. Seit Jahren plant, konstruiert und baut das mittelständische Unternehmen Automatisierungsanlagen, Bandstraßen oder Prüfstände für renommierte Kunden wie die Autobauer aus dem Schwäbischen und Bayerischen, für Bosch oder VDO. Mindestens seit sieben Jahren haben die Unternehmenslenker das Zeichenbrett aufs Altenteil verbannt. Doch halt, da steht noch eines!? ¿Das ist für Ideenskizzen da¿, lacht Clemens Schulta über meine erstaunte Nachfrage.

Vor fünf Jahren begann der gelernte Maschinenbautechniker als Konstrukteur und Systembetreuer bei dem Sondermaschinenbauer aus Markdorf. Sukzessive wurde dort von Brett und Tusche auf Rechner und Plotter umgestellt. Heute hält Schulta ein Netzwerk aus zehn CAD-Arbeitsplätzen in Schwung, ¿pflegt¿ und ¿füttert¿ es mit Daten. Wie inzwischen üblich kommen diese von CD-ROM, die Unternehmen wie Afag, Balluf, Bosch, Deutsche Star, Festo oder Kabelschlepp zur Verfügung stellen.

¿Ich bin froh um jeden CAD-Katalog, den ich bekommen kann¿, läßt mich der erklärte Computerfreund wissen. Wobei er und seine Kollegen nicht mit allen der 40 bis 50 Kataloge auf Datenträger regelmäßig arbeiten. Warum? Zum einen schauen die Konstrukteure nach Funktionalität und Schnelligkeit. Auf Schnickschnack wie schöne bunte Bildchen und Animationen können sie gut verzichten. Sie wissen, wie die Komponenten aussehen. Kataloge, die schnelles und unproblematisches Arbeiten ermöglichen, führen deshalb die Hitliste an.

Zum zweiten werden ¿ je nach Konstruktion ¿ bestimmte Normbauteile immer wieder benötigt. Daß sie vom Datenträger kommen, versteht sich da von selbst, denn wie überall gilt in Konstruktionsabteilungen: Zeit ist Geld. Und mit den fertigen Bauteilzeichnungen von der CD konstruiert es sich wesentlich schneller.

Weiter, weiter, weiter
Oft gefragt sind beispielsweise Pneumatikzylinder und deren Anbauten. Kein Wunder, in der automatisierten Fertigung (und dafür konstruieren die Mitarbeiter des Unternehmens ihre Maschinen) spielen gerade sie ihre Stärken aus, sind somit unverzichtbar. Den CAD-Katalog Datagraphic von Festo hat Schulta denn auch auf dem Server laufen. Alles andere wäre Unsinn, zumal die Programmierer des Katalogs ihn so konzipierten, daß er den Vorstellungen des Systembetreuers, was Datenvolumen und Stabilität angeht, sehr entgegenkommt.

Wie es mit der Benutzerfreundlichkeit aussieht, will ich von ihm wissen. ¿Das Programm läßt sich wirklich ganz einfach bedienen¿, lautet die Antwort. ¿Sie werden richtig geführt und brauchen eigentlich immer nur ,Weiter¿, ,Weiter¿, ,Weiter¿ zu klicken.¿ Ganz so einfach ist es zwar nicht. Aber einem erfahrenen Konstrukteur fallen die einzelnen Schritte bis zum fertigen Zylinder überhaupt nicht schwer.

Ein Beispiel gefällig? Als erstes wählen Sie den Zylindertyp: Norm- oder Kurzhubzylinder beispielsweise. Die Obergruppe wird weiter in spezielle Typen unterteilt, von denen Sie sich für den gewünschten entscheiden. Aus vorgegebenen Listen suchen Sie nach dem passenden Kolbendurchmesser und der für den Einsatz optimalen Hublänge. Sie können sich nicht vertun, das Programm zeigt nur die tatsächlich möglichen Maße an (wenn Sie andere brauchen, handelt es sich bestimmt um eine Sonderkonstruktion). Werden Anbauteile gewünscht? Welche Ansicht soll in der Zeichnung zu sehen sein? Solche Entscheidungen sind zu fällen, bevor das Programm automatisch die exportfähige DXF-Datei erzeugt. Danach heißt es nur noch: Zylinder in der CAD-Zeichnung plazieren; Fertig.

¿In der Regel rufen Sie vier Masken hintereinander auf. Das ist alles¿, erklärt mir mein Gesprächspartner. Wobei er die Stücklistenfunktion noch nicht erwähnt hat. Die hochnotwendige Liste, die zu erstellen kaum einem Konstrukteur so rechten Spaß bereitet, generiert die Software parallel zu den erwähnten Schritten.

Aktuell muß er sein
Was nutzt der beste CAD-Katalog, wenn er hinter der Bauteilentwicklung hinterherhinkt? Nichts, und deshalb sorgt der Pneumatikhersteller aus dem Schwabenland dafür, daß die Konstrukteure bei Rohwedder (und selbstverständlich bei allen anderen Kunden) immer auf dem neuesten Stand bleiben. Schulta bezeichnet das als vorbildlich, als Service, der die Entscheidung erleichtert, von welchem Hersteller man seine Pneumatikzylinder bezieht.

Solches Lob spornt die Softwaretruppe bei Festo an. Seit neun Jahren unterstützen sie ihre Kunden beim Einkauf und bei der CAD-Konstruktion mit aktuellen Auslegungsprogrammen, Auswahlhilfen, Software für Pneumatikschaltpläne und Preislisten. Das hieß bisher, daß Programme und Updates auf (diversen) CD-ROMs ins Haus kamen. Mit dem Erscheinen des Pneumatik-Katalogs auf der silbernen Scheibe soll das sukzessive anders werden. ¿Wir wollen Preislisten und Konstruktionssoftware integrieren und nach und nach die Stand-alone-Lösungen zusammenbringen.¿ Software-Produktmanager Manfred Kanal, und seine Kollegen planen zudem, die Konstruktions-Software in Richtung 3D auf Vordermann zu bringen. Außerdem sollen die Programme, mit denen sich Komponenten für die Handhabungs- und Montagetechnik auswählen und berechnen lassen, weiter optimiert werden.

Neues aus dem Netz
Aber das ist noch nicht alles. Denn in Zukunft soll auch das Internet eine gewichtige Rolle spielen. Aber nicht nur mit netten Imageseiten, denn das ¿Netz der Netze¿ birgt wesentlich mehr Potential. Und deshalb wird in Esslingen momentan mit Hochdruck daran gearbeitet, daß sich der Aufruf der Adresse ¿http://www.festo.de¿ richtig lohnt. Schon jetzt kann man sich Programme und Demoversionen runterladen (downloaden wie es im Internet-Sprachgebrauch heißt). Das soll weiter verbessert werden. Und der elektronische Katalog im World Wide Web ist auch schon eine feste Größe im Projektplan der Internet-Gruppe. In den nächsten eineinhalb Jahren wird sich einiges tun. Und spätestens zur Hannover Messe 1999 sollen Kunden wie Rohwedder darauf zurückgreifen können.

Claudia Treffert / Dezember 1997

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