Wirtschaft + Unternehmen
Von der Bügelsäge zu Konzept
Noch vor 25 Jahren ging es meist nur darum, das Stangenmaterial in ¿handlichen¿ Portionen aus dem Lager heraus zu bekommen. Da arbeiteten mehrere Bügelsägen und auch Kreissägen in gemütlichem Tempo vor sich hin. Reichte die Kapazität der Sägen nicht aus, so wurde eben noch eine dazu gestellt ¿ vielleicht sogar eine Bandsäge, weil man mit der etwas besser die Profilbündel ablängen kann. Niemandem, außer dem Schmied oder Schlosser, wäre es damals eingefallen, den Sägeschnitt schon als Endbearbeitung anzusehen: Selten wirklich gerade, fast nie exakt winklig, sehr rauhe Oberflächenstruktur ¿ Nein, das muss man noch mal nacharbeiten...
In unserem Zeitalter der optimierten und automatisierten Produktion kann sich solche Sichtweisen niemand mehr leisten. Meist gibt es das Langgutlager gar nicht mehr, weil das Material direkt zur Maschine ¿läuft¿. Und wenn solche Lager betrieben werden müssen, dann sehen sie ganz anders aus: Ein- und Auslagerung mit System, Automaten, Rechner, Ident-Technik, Datenvernetzung. Und wenn gesägt wird, dann unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten: Mit der optimalen Technologie, mit hohem Automatisierungsgrad, mit zeitgleichen oder nachfolgenden Bearbeitungsschritten. Und auch der Sägeschnitt sieht heute anders aus. Oft kann ihn auch der Mechaniker als Endbearbeitung akzeptieren.
Zu dieser Erfolgsstory einer Technologie hat der Sägen-Spezialist Behringer aus Kirchardt ¿ nahe der A 6, zwischen Sinsheim und Heilbronn ¿ ganz erheblich beigetragen. August Behringer war es, der 1919 das Unternehmen als kleine mechanische Werkstätte für Landmaschinen und Motorräder gründete. Mit der Entwicklung der ersten mechanischen Bügelsäge gegen Ende des Zweiten Weltkriegs begann eine neue Zeit für die Firma. Heute zählt Behringer zu den führenden Band- und Bügelsägenherstellern der Welt und exportiert in über 70 Länder. Tochterunternehmen in Deutschland, den USA, in Frankreich sowie Vertretungen weltweit sorgen für die Kundenbetreuung. Die Produktpalette umfasst Hochleistungs-Bandsägemaschinen und -anlagen, Kreissägemaschinen und -systeme sowie Bügelsägen. Im Einzelnen bietet das Unternehmen halbautomatische Bandsägemaschinen, Bandsägeautomaten, Gehrungsbandsägemaschinen, Spezial-Gehrungsbandsägeautomaten, Großbandsägemaschinen, Blockbandsägemaschinen und CNC-gesteuerte Sägeanlagen.
Wer aber heute am Markt als Komplettanbieter auftreten möchte, der muss auch Kreissägen aller Art im Programm haben. Selber entwickeln oder zukaufen ¿ so lautete die Frage. Behringer entschied sich für den Zukauf eines renommierten Unternehmens. Seit Anfang des Jahres 2001 gehört Eisele, der Kreissägenspezialist, zur Behringer-Gruppe. Wobei es kein Wunder ist, dass diese Häuser sich sehr gut ergänzen und auch gut verstehen, denn Eisele hat einen ähnlichen Ursprung:
Unmittelbar nach Kriegsende 1945 begann der Gründer Christian Eisele mit seinem Sohn Alfred zehn Jahre lang die unterschiedlichsten Maschinen herzustellen und wieder zu verwerfen. Je nach Absatzlage baute der junge Betrieb Putzmaschinen für Ziegelsteine, Tabakschneidmaschinen, mechanische Spielwaren, Fleischhack- und Speiseeismaschinen. Entwickler, Hersteller und ¿Spediteur¿ auf seinem Motorrad mit Anhänger waren Chef und Sohn Eisele persönlich. Die erste Metallkreissägemaschine kam Mitte der Fünfziger Jahre auf den Markt und mauserte sich rasch zu einem Verkaufsschlager. Andere Typen und Größen folgten. Heute steht Eisele für Kompetenz in Sachen Kreissägen ¿ von der manuellen über die halbautomatische bis zur CNC-Maschine.
Trends beim Sägen
Die üblichen Dinge wie solide Bauweise, Zuverlässigkeit, hohe Werkzeugstandzeit, größtmögliche Schnittgenauigkeit, Modulbauweise, Steuerungstechnik, Zubehör und auch die zertifizierte ISO-Qualität gelten als selbstverständliche Forderungen und müssen deshalb von allen Herstellern erfüllt werden. Doch schon bei Beratungsgesprächen, Planungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen scheiden sich die Geister. Sie werden als Kunde schnell erkennen, in welchem Hause die wirklich kompetenten Leute sitzen.
Da das Sägen immer näher an die Fertigungslinien heranrückt, sind kaum noch Insellösungen gefragt. Anbinden oder gar Einbinden, das sind die richtigen Stichwörter. Und wenn dabei das Kürzel CNC schon auftaucht, dann ist es nur ein kleiner Schritt zu weiteren Arbeitsgängen, die integriert werden: Bohranlagen, Lochstanz-Anlagen, Scheranlagen und auch Brenn-Schneidanlagen. So sind die meisten der sonst folgenden Arbeitsschritte in einem Rutsch und zeitgleich erledigt.
Mindestens genau so wichtig ist das Umfeld solcher Anlagen. Auch wenn die Spezialisten immer nur von ¿Peripherieeinrichtungen¿ reden, so sind Sie doch gut beraten, diese Peripherie in den Mittelpunkt Ihres Interesses zu rücken. Denn nur wenn die größeren Anlagen automatisch mit Material bedient werden und auch das Entladen und der Weitertransport laufen, können diese ihre Stärken voll ausspielen. Dazu gehören natürlich auch das Auf- und Abstapeln, das Puffern, das Sortieren und der Abtransport von Spänen, Anschnitten und Reststücken.
Und dann sind da noch all¿ die Dinge, die bei der Anlagenplanung oft noch zu kurz kommen: Während es in den Köpfen aller Beteiligten bei den ersten Planungen um Technologiefragen, um Maschinenauswahl, um Aufstellflächen, Energieversorgung, Materialfluss und andere ¿handfeste¿ Probleme geht, sollte die Zukunft (mit Anlage) nicht vergessen werden. Sobald nämlich das Grundkonzept steht, geht es um Finanzierung, Schulung, Service, Wartung und Ersatzteile. Auch auf dieser Ebene sollten Sie den Komplettanbieter auf den Prüfstand stellen: Müssen Sie kaufen oder können Sie leasen oder mietkaufen? Denn schließlich ist es das Ziel, eine Technologie nutzen zu können, ohne eigenes Kapital binden zu müssen. Wie viel Schulung ist wirklich erforderlich? Bedienerfreundliche Maschinen- und Steuerungstechnologie senkt den Schulungsaufwand. Sparen Sie nicht am falschen Ende: Gut geschultes Personal steigert die Effizienz der Maschinen und Anlagen gewaltig.
Und im Fall der Fälle sollte Hilfe auf schnellstem Wege kommen. Anlagenstillstand ¿ ein wirklich grausames Wort in den Ohren der Produktionsleiter. Deshalb gilt es erstmal vorzubeugen: Regelmäßige Wartung per Servicevertrag ist die beste Methode, um ungeplanten Maschinenstillstand oder Störungen zu vermeiden. Doch der Teufel steckt gewöhnlich im Detail und lässt sich auch bei sorgfältigster Vorsorge nicht ganz heraus halten: Sie brauchen eine Hotline, an deren anderem Ende genügend Problemlösungskompetenz vorhanden ist. Manchmal hilft ja schon der richtige Tipp, um weiter machen zu können. Doch sicherer ist die Teleservice-Anbindung. Sie erlaubt es den Maschinenspezialisten, von ihren Computern aus direkt in die Maschinensteuerung einzugreifen. Spezielle Diagnoseprogramme zeigen schnell und auf unbegrenzte Entfernungen die Schwachstellen. Software-Probleme werden sofort beseitigt. Hardware-Fehler können oft vom Anwender selbst durch Komponenten-Austausch unschädlich gemacht werden, denn die Ferndiagnose hat die Fehlerquelle genau erkannt. Hilft das alles nicht, so brauchen sie Ersatzteile oder den Service-Mann vor Ort. Fragen Sie ruhig mal beim Anlagenhersteller genau nach: Wie lange sind die Ersatzteile unterwegs, bis man sie wirklich in Händen hält? Ist das Servicenetz flächendeckend oder hetzen da zwei Mann mit schnellen Autos kreuz und quer durch Deutschland? Was ist, wenn die Anlage in der Nachtschicht ausfällt?
Das sind alles durchaus berechtigte Fragen. Hören Sie genau zu, was und wie man Ihnen antwortet. Wenn Ihre Gesprächspartner schon bei solchen Anfragen einen genervten Eindruck machen, dann werden sie auch im Ernstfall nur träge reagieren. Fragen Sie, testen Sie, fordern Sie ¿ Schließlich geht es nicht nur um Ihr Geld, Sie sind ja auf der Suche nach einem Partner. Und Sie werden sehen, dass die kompetenten Häuser immer offene Ohren für alle ihre Wünsche haben.
Technische Leckerbissen
Hier noch ein Blick auf einige Anlagen, die in der Entwicklung ganz vorne dran stehen. Sie sollen zeigen, was der Markt zu bieten hat und welche Möglichkeiten Ihnen als Anwender eröffnet werden.
Sägeband-Vorschub mit Servomotor: Dieses Konzept sorgt für kürzere Nebenzeiten, da das Band wesentlich schneller bewegt wird. Vor allem beim Sägen mit Hartmetallband kann exakter positioniert werden. Nicht nur die Schnittzeiten, sondern auch die Taktzeiten werden reduziert.
Neigung des Sägerahmens: Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die Neigung des Sägerahmens hin zum Bediener, was den Sägebandwechsel erheblich erleichtert. Ein zusätzliches Plus für Anwender, die verstärkt Vierkantmaterial oder Profile zu sägen haben: Realisierung einer Schrägstellung des Sägebandes von bis zu 4 Grad.
Nachschubzangen: Optimierte Nachschubzangen sichern einen reibungslosen Schnittguttransport, selbst wenn es sich um unebenes Material, Materialpakete oder schwere Schmiedestücke handelt, da auch die Festbacke beim Rückhub des Nachschubschlittens vom Material abgerückt werden kann. Das Material wird immer dann optimal gespannt, wenn die Spannbacken entsprechend der Materialbreite beweglich sind. Die standardmäßige Nachschublänge sollte auf Wunsch erweitert werden können. Wenn der Nachschubgreifer nah an das Sägeband herangefahren werden kann, können die Reststücklängen um über 50 Prozent reduziert werden.
Anschnitt-Geschwindigkeit: Beim Sägen von Aluminium sollte es die Steuerung ermöglichen, mit der Geschwindigkeit zu Schnittbeginn etwas herunter zu gehen. Das kommt der Präzision des Schneidergebnisses sehr entgegen.
Minimalmengen-Schmierung: Besonders beim Sägen von Rohren und Profilen bietet die Minimalmengen-Schmierung gewaltige Vorteile: Wenig Schmiermittel kommt mit Hochdruck genau dort hin, wo es benötigt wird. Solche Anlagen muss man nicht grundsätzlich verwenden, doch ihre Installation und das Zusammenspiel mit der Steuerung sollten vorgesehen sein.
Späneabfuhr: Späneförderer können Sägeanlagen weitgehend sauber halten, so dass der automatische Betrieb nicht gestört wird. Aus dem Hause Behringer-Eisele kommt aber noch eine Idee hinzu: Die haben bei der Kreissägen-Geometrie noch mal kräftig nachgedacht und dadurch erreicht, dass die Schnittkräfte überwiegend vom festen Anlagebacken und der Spannauflage aufgenommen werden. Das schont die Maschine. Außerdem ergibt sich aus der neuen Geometrie ein sehr günstiger Späneabflug, der die Maschine weitgehend spänefrei hält.
Maschinensteuerung: Die Steuerungen sollen alles können und doch mit zwei Handgriffen bedienbar sein. Eine ¿unmögliche¿ Forderung ¿ doch es gibt sehr gute Kompromisse! Achten Sie auf leichte Erlernbarkeit, selbst erklärende Anzeigen, Klartext, Normsymbole, Werkstofftabellen und eigene Speichermöglichkeiten. Natürlich sollten Sie auch mit Hartmetall-Werkzeugen arbeiten dürfen und bei Störungen schnell Abhilfe schaffen können (Diagnosesysteme, Fernwartung).
Dieter Capelle
Links: http://www.behringer.net








