VDMA-Studie

Maschinenbauer fürchten Plagiatsschwemme

38.000 Arbeitsplätze könnte die Maschinenbauindustrie mit dem Umsatzverlust sichern, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern 2013 durch Produktpiraterie entstanden ist, erklärte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge auf der Pressekonferenz des Verbandes anlässlich der Hannover Messe 2014 am Montag in Hannover.

Dr. Reinhold Festge

Eine aktuelle Studie des VDMA schätzt den Schaden durch kopierte Produkte auf 7,9 Milliarden Euro: "VDMA-weit sind 71 Prozent der Maschinen- und Anlagenbauer betroffen, ein neuer Rekordwert. Mit über 90 Prozent sind Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen tangiert, gefolgt von Textilmaschinen und Landtechnikherstellern."

Auch wenn die Volksrepublik China weiterhin unangefochtener Plagiatsweltmeister ist - fast Dreiviertel der Unternehmen gaben China als Ursprungsland der Fälschungen an - gibt es einen stetig wachsenden Teil von Plagiaten aus Deutschland. Knapp ein Viertel der Unternehmen zeigte mit dem Finger auch auf deutsche Wettbewerber.

Aufgrund des wachsenden Knowhow-Diebstahls werde der Verband am Montag auf der Hannover Messe eine Kooperationsvereinbarung mit dem Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, unterzeichnen. Ziel sei es, das Bundesamt für Verfassungsschutz als vertrauensvollen Kontaktpartner für die VDMA-Mitglieder zum Schutz des Know-hows zu etablieren.

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Umsatzplus erwartet

Dennoch prognostiziert der VDMA für die Maschinenbaubranche für 2014 ein Wachstum von drei Prozent - 2013 lag der Umsatz bei 206 Milliarden Euro.

Die Produktion in Deutschland stieg im Januar 2014 um 5,6 Prozent zum Vorjahresvergleich. Das sei an sich ein guter Start. "Den brauchen wir aber auch, denn unsere Produktionskapazitäten waren im Schnitt mit 84,4 Prozent nicht gut ausgelastet", berichtete der VDMA-Präsident in seinem Vortrag. Trotzdem liege die Zahl der Beschäftigten unverändert bei 993.000 Personen. "Wir brauchen also positive Wachstumsraten für die deutsche Produktion in den kommenden Monaten", betonte Festge.

Auftragseingang stagniert

In den ersten beiden Monaten des Jahres hat sich der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau mit plus ein Prozent gegenüber dem Vorjahr nur moderat positiv entwickelt. Die Nachfrage aus dem Inland verfehlte das Vorjahresniveau um zwei Prozent. Die Auslandsorders stiegen immerhin um zwei Prozent. "Doch ein Aufschwung sieht anders aus", so der VDMA-Präsident. "Während die Belastungen in Folge der Euro-Schuldenkrise zurückgehen, lässt die Wirtschaftsdynamik in den Schwellenländern nach wie vor deutlich zu wünschen übrig."

2013 lag der Umsatz bei 206 Milliarden Euro (2012: 207 Milliarden Euro). Die Exporte lagen mit 149 Milliarden Euro so hoch wie 2012. Die Importe lagen bei fast 55,8 Milliarden Euro, ein Minus von 0,7 Prozent zum Vorjahr (56,2 Milliarden Euro). Der VDMA-Präsident betonte, dass die Einfuhr aus den Euro-Partnerländern um 1,1 Prozent zulegen konnte, während die gesamten deutschen Importe von Maschinen und Anlagen ihr Vorjahresniveau um 0,7 Prozent knapp verfehlt haben. Die Einfuhr aus den EU-27-Partnerländern stieg sogar um 1,7 Prozent auf 34 Milliarden Euro. "Konkret: Wir sind für 16 von 27 EU-Partnerländern der größte Auslandsmarkt für Maschinenbauerzeugnisse. Insgesamt decken die EU-Partnerländer etwa 62 Prozent der gesamten Maschinenimporte Deutschlands ab. Deutschland ist daher bei den Importen entscheidender Konjunkturtreiber für den Maschinenbaumarkt der EU-Partnerländer. Das sollte bei der Diskussion um den deutschen Leistungsbilanzüberschuss, der ohne Frage entscheidend auch auf dem Maschinenbau beruht, gesehen werden. Deutschland zieht die Partnerländer als Konjunkturmotor mit."

Nach ersten Berechnungen der VDMA-Volkswirte wurden 2013 weltweit Maschinen und Anlagen im Wert von 2.225 Millarden Euro produziert. Damit wurde der Vorjahreswert von 2.230 Milliarden Euro knapp verfehlt. Deutschland ist mit 246 Milliarden Euro Umsatz und einem Anteil von elf Prozent drittgrößtes Herstellungsland. Mit einem Umsatzwert von 766 Milliarden Euro hat China einen überragenden Weltanteil von 34 Prozent. Die USA folgen mit 326 Milliarden Euro auf Platz zwei, Japan auf Platz vier mit 193 Milliarden Euro.

100 Tage GroKo

Die ersten 100 Tage der großen Koalition bewertet der VDMA eher kritisch. Die Erfolge der Agenda 2010 werden zurück gedreht. Eine Rentenpolitik aus dem letzten Jahrhundert sei nicht geeignet als Motivationsprogramm für unternehmerische Zukunftsinvestionen. Festge: "Ganz konkret warten wir immer noch darauf, dass die Politik ihr Versprechen umsetzt und Innovationen - gerade im industriellen Mittelstand - durch steuerliche Forschungsförderung flankiert."

Auch die Energiewende könne technologisch gelingen, betont der VDMA, denn insgesamt sei sie eine große Chance für den Maschinenbau und für das Gütesiegel German Engineering. Positiv bewertet der VDMA auch die Einbeziehung des energieintensiven Mittelstandes in die Ausnahmetatbestände des EEG. Dies helfe, die für die deutsche Industrie so entscheidenden Wertschöpfungsketten zu erhalten. "Der wunde Punkt der EEG-Reform ist aber, dass die Möglichkeiten der Energieeffizienz sträflich vernachlässigt werden", sagte der VDMA-Präsident. Studien zufolge könnten allein mit Effizienzmaßnahmen im Stromsektor bis zu 28 Milliarden Euro bis 2050 eingespart werden. hs

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