Umsatz- und Gewinnrückgang im 3. Quartal
Ernst & Young: Starker Euro bremst Dax-Konzerne
Der starke Euro hat den größten deutschen Konzernen im dritten Quartal einen Dämpfer versetzt. Trotz steigender Nachfrage und einer überwiegend guten Entwicklung im operativen Geschäft musste mehr als die Hälfte der deutschen Top-Konzerne Umsatzrückgänge vermelden. Das ergab eine Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) auf der Basis der Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Unternehmen.
So vermeldet mehr als die Hälfte der deutschen Top-Konzerne Umsatzrückgänge - trotz steigender Nachfrage und einer überwiegend guten Entwicklung im operativen Geschäft. Insgesamt ging der Umsatz der im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen um 1,6 Prozent auf 289 Milliarden Euro zurück.
Der Grund: Der im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegene Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen - immerhin 48 Prozent des Umsatzes erwirtschaften die Konzerne außerhalb Europas. 16 der im Dax gelisteten Industrieunternehmen verzeichneten im dritten Quartal einen Umsatzrückgang - ohne die negativen Währungseinflüsse wären es nur acht Unternehmen gewesen. Und auch die Gewinne gaben leicht nach: Bereinigt um eine hohe Abschreibung der Deutschen Telekom im Vorjahr lag der operative Gewinn (EBIT) der Unternehmen im dritten Quartal um 7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Insgesamt erwirtschafteten die Dax-Konzerne einen operativen Gewinn von 24,1 Milliarden Euro.
Thomas Harms, Partner bei EY, betont allerdings, dass die tatsächliche Lage der deutschen Konzerne keineswegs schlecht sei: "Die Bilanz des dritten Quartals ist viel besser, als sie zunächst aussieht." Ohne die Euro-Aufwertung wäre der Umsatz deutlich gestiegen, und der Gewinnrückgang sei zum einen auf hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückzuführen, vor allem aber auf die schwache Gewinnentwicklung der Energieversorger sowie einiger im Dax gelisteten Banken und Versicherungen. Die Industrieunternehmen (ohne Finanz- und Energieunternehmen) hingegen schafften trotz des starken Euro im Vergleich zum Vorjahr ein deutliches Gewinnplus von 7 Prozent.
Schwacher Yen macht deutschen Industrieunternehmen zu schaffen
Gegenüber allen wichtigen ausländischen Währungen hat der Euro im Vergleich zum Vorjahr an Wert gewonnen: Gegenüber dem US-Dollar und dem britischen Pfund um 5 Prozent, gegenüber dem Yen sogar um 25 Prozent. Diese Euro-Aufwertung stellt viele exportorientierte deutsche Unternehmen vor Probleme. So macht der schwache Yen der deutschen Automobilindustrie zu schaffen, da er in Japan produzierte Autos im Ausland billiger macht und im Ausland erzielte Umsätze bei der Umrechnung in Yen aufwertet. "Der schwache Yen gibt den japanischen Herstellern Rückenwind für ihren Angriff auf die in den vergangenen Jahren boomenden deutschen Autokonzerne, die ihrerseits mit dem Nachteil einer starken Währung kämpfen."
Deutsche und japanische Industrieunternehmen begegnen sich auf allen wichtigen globalen Exportmärkten. "Die Japaner können mit niedrigeren Preisen in den Markt gehen oder Rabatte gewähren, ohne dadurch ihre Marge zu belasten - die deutschen Unternehmen müssen dagegenhalten und dabei auch Gewinneinbußen hinnehmen", stellt Harms fest.
"Der starke Anstieg des Euro kam für viele Unternehmen unerwartet - sie hatten eher mit dem Gegenteil gerechnet. Entsprechend haben sie keine oder kaum Vorkehrungen durch entsprechende Absicherungsgeschäfte getroffen¿, sagt Harms. Die aktuelle Entwicklung dürfte die deutschen Industrieunternehmen in ihrer Strategie bestärken, den Produktionsausbau außerhalb Deutschlands weiter voranzutreiben und ihre Produkte verstärkt dort zu fertigen, wo die Nachfrage besonders dynamisch wächst. kf
Spar- und Flexibilisierungsprogramme zeigen Wirkung
"Deutschlands Top-Konzerne sind überwiegend in guter Verfassung - trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds in Europa." Grund sei zum einen die nach wie vor starke Nachfrage auf einigen Auslandsmärkten - vor allem in Nordamerika und China. Zudem hätten viele Unternehmen die vergangenen Monate genutzt, um ihre Kostenstruktur zu optimieren und sich besser aufzustellen. "Dank zum Teil erheblicher Sparanstrengungen haben viele deutsche Konzerne inzwischen deutlich an Schlagkraft gewonnen."
Weiter sagt Harms: "Aufgrund sinkender Margen und der schwachen Konjunkturentwicklung auf dem europäischen Heimatmarkt sind viele Unternehmen gezwungen, Kostensenkungs- und Effizienzprogramme durchzuführen. Diese Maßnahmen zeigen inzwischen erste Erfolge." 13 der 22 Industrieunternehmen (ohne Finanzbranche und Energie) konnten im dritten Quartal eine höhere Marge vorweisen als im Vorjahr.
Erfreulicherweise gingen die Sparanstrengungen zudem nicht auf Kosten der Beschäftigung. Im Gegenteil: Die Zahl der Mitarbeiter der Dax-Unternehmen stieg leicht an - um 1,2 Prozent auf 3,5 Millionen. Allerdings nahm nicht bei allen Unternehmen die Beschäftigung zu: Immerhin zehn Unternehmen beschäftigten zum 30. September 2013 weniger Mitarbeiter als ein Jahr zuvor.
Trotz der schwierigen Umsatz- und Gewinnsituation haben die Unternehmen zudem nicht an Investitionen in Innovation gespart: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Die F&E-Quote - also der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Umsatz - stieg im Jahresvergleich leicht von 4,1 auf 4,4 Prozent.








