Technologiemanagement
„Bis in die Tiefe hinein“
SCOPE: Das Technologiemanagement hat sich zum Treiber der Unternehmensentwicklung emanzipiert und sich zur Chefsache weiterentwickelt. Woran liegt das?
Siegbert E. Lapp: Das liegt daran, dass die Zusammenhänge relativ komplex sind. Wenn Unternehmen heute neue Produkte entwickeln, versuchen sie bis in die Tiefe hinein zu ergründen, wie man sie richtig macht. Deshalb muss auch das Management verbessert werden. Wenn ich das auf unsere eigene Unternehmensgruppe beziehe, dann sind wir vom Handwerksbetrieb zunächst zum Industriebetrieb geworden, und heute sind wir fast schon ein Konzern. Die Strukturen, die wir auf diesem Weg entwickelt und gelebt haben, sind irgendwann nicht mehr aufrecht zu halten und es bedarf einer Anpassung. Auch unser Innovations- und Technologiemanagement ist heute viel tiefgründiger und viel organisierter. Wir arbeiten etwa mit entsprechenden Templates, so dass die Gruppe schneller zu Ergebnissen kommt.
SCOPE: Wie muss ein sinnvolles Technologiemanagement heute aussehen und welche Voraussetzungen müssen Firmen dafür erfüllen?
Lapp: Zuerst einmal muss man Innovation als wichtiges Element für die Unternehmensentwicklung sehen und sich darüber im Klaren sein, dass Veränderungen nötig sind, um Innovationen auch schnell umzusetzen. Es ist zudem wichtig, dass dabei möglichst alle Unternehmensbereiche zusammenspielen. So hatten wir bei Lapp in der Entwicklung gewachsene Strukturen, die in der einen Unternehmung stärker, in der anderen weniger stark ausgeprägt waren. Heute arbeiten wir viel interdisziplinärer zusammen. Das ist enorm wichtig für den Erfolg: Alle Kräfte müssen, da wo es notwendig und sinnvoll ist, gebündelt werden..
SCOPE: Mit welchen Methoden und Instrumenten können Unternehmen ihr Technologiemanagement effektiv und zugleich wettbewerbsfähig gestalten?
Lapp: Es gibt hier verschiedene Methoden. Ich habe mich für die Stage-Gate-Methode von Cooper entschieden, die mir sehr zugesagt hat. Bisher wurde sie bei uns nur in Ansätzen genutzt, aber nicht als Gruppentemplate. Diese führen wir nun gerade ein und testen sie. Mein Ziel ist es, die Methode in diesem Jahr noch in der Gruppe auszurollen. Sicher gibt es auch noch andere erfolgreiche Methoden, aber für mich war sie eine gute Lösung. Es ist natürlich ein großer Aufwand und viel Arbeit. Stage Gate muss in der Gruppe so eingebracht werden, dass es überall da, wo Innovationen entstehen, auch gelebt wird. Deshalb habe ich externe Hilfe eingeholt, die dieses Projekt mit uns implementiert.
SCOPE: Große Unternehmen beziehen oft Externe in den Innovationsprozess ein. Stichwort ist hier Open Innovation. Wie sieht es da im Mittelstand aus?
Lapp: Wir sind ein sehr kundenorientiertes Unternehmen und arbeiten jeden Tag mit den Kunden an Innovationen. Verkaufsgespräche finden in der Werkstatt beim Meister statt, der unsere Ware verbaut und seine Ideen einbringt. Wir haben aber auch schon Strukturen, wie unsere Open Innovation-Plattform Lapp Ideas implementiert, die leider noch nicht ganz so zufriedenstellend laufen. Es entstehen deutlich mehr Innovationen durch den persönlichen, direkten Kontakt vor Ort. Einige Ideen, die über Lapp Ideas hereinkommen sind aber interessant und beflügeln uns, sich im einen oder anderen Bereich mehr zu engagieren. Also ja, wir betreiben auch Open Innovation und der Mittelstand ist gut angeraten, sich damit auseinanderzusetzen, aber man sollte nicht erwarten, dass man ein unendliches Füllhorn an Ideen bekommt.








