Industrieauftrag für die Hauptstadtregion

Melanie Steinbeck,

Siemens und Stadler liefern 350 neue Züge für Berlin

Die Berliner S-Bahn wird in den kommenden Jahren umfassend erneuert. Die S-Bahn Berlin, Siemens Mobility und Stadler Deutschland haben das Vergabeverfahren für das Berliner S-Bahn-Netz gewonnen. Mit dem Erhalt des Zuteilungsbescheids ist die Vergabe rechtskräftig.

Die Auftragsvergabe hat auch Auswirkungen auf die Industrie: Die Fahrzeuge werden in Berlin gefertigt, die Instandhaltung soll dauerhaft in der Region verbleiben. Damit verbunden ist die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung entlang der gesamten Liefer- und Betriebskette. © Siemens Mobility

Das Konsortium aus Betreiber, Fahrzeughersteller und Technologieunternehmen übernimmt damit mehrere Aufgaben, die bislang getrennt betrachtet wurden: Es liefert neue Fahrzeuge, kümmert sich langfristig um deren Instandhaltung und übernimmt den Betrieb zweier Teilnetze.

Geplant ist die Bereitstellung von 350 vierteiligen, durchgängigen Zügen. Die Instandhaltung ist für einen Zeitraum von 30 Jahren vorgesehen. Der Betrieb der Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn soll für 15 Jahre übernommen werden.

„Die S-Bahn sichert seit mehr als 100 Jahren die Mobilität von heute täglich 1,4 Millionen Menschen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden und unseren starken Partnern freue ich mich sehr, diese verantwortungsvolle Aufgabe auch in Zukunft mit Leidenschaft anzupacken“, sagt Heiko Büttner, Chef der S-Bahn Berlin GmbH.

Ein Auftrag mit Wirkung über die Schienen hinaus

Die Vergabe betrifft nicht nur den Nahverkehr in der Hauptstadtregion. Sie hat auch Auswirkungen auf die Industrie: Die Fahrzeuge werden in Berlin gefertigt, die Instandhaltung soll dauerhaft in der Region verankert bleiben. Damit verbunden ist die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung entlang der gesamten Liefer- und Betriebskette.

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Für Siemens Mobility ist der Auftrag auch eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der Hauptstadt. Michael Peter, CEO Siemens Mobility, sagt:
„Berlin verdient ein leistungsfähiges, nachhaltiges und zukunftsorientiertes S-Bahn-System. Als Technologieunternehmen mit Berliner Wurzeln fühlen wir uns dieser Stadt seit Generationen verbunden. Gemeinsam mit unseren Partnern leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu, die Mobilität von Millionen Berlinerinnen und Berlinern auch in Zukunft voranzubringen. Mit digitalen Technologien, intelligenter Instandhaltung und nachhaltigen Mobilitätslösungen schaffen wir die Grundlage für einen leistungsstarken und zukunftsfähigen S-Bahn-Verkehr in Berlin.“

Weiterentwicklung statt Neustart

Bei den neuen Fahrzeugen setzen Siemens und Stadler auf ein bereits erprobtes Konzept. Grundlage ist die aktuelle Baureihe, die beide Unternehmen für das Ringnetz der Berliner S-Bahn entwickelt und geliefert haben. Die Fahrzeuge wurden nach Angaben der Unternehmen pünktlich ausgeliefert und haben seit ihrer Inbetriebnahme mehr als 120 Millionen Kilometer zurückgelegt.

Für die neuen Einsatzgebiete Stadtbahn und Nord-Süd wurde dieses Konzept weiterentwickelt. Änderungen betreffen unter anderem den Führerstand, den Brandschutz und die Cybersicherheit. Auch der Antrieb wurde überarbeitet. Ziel ist ein geringerer Energieverbrauch über die gesamte Nutzungsdauer.

Das äußere Erscheinungsbild der Fahrzeuge bleibt erhalten. Damit wird ein Design, das Fahrgäste bislang vor allem von der Ringbahn kennen, künftig schrittweise im gesamten S-Bahn-Netz sichtbar.

Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident der Stadler Rail AG, sagt:
„Ich freue mich außerordentlich über diesen wichtigen Auftrag, den Stadler gemeinsam mit unseren Partnern von der S-Bahn Berlin und Siemens nun mit voller Kraft und großem Elan umsetzen wird. In den Verhandlungen habe ich mich persönlich dafür eingesetzt, dass Berlin möglichst rasch jene modernen S-Bahn-Züge erhält, die diese großartige Stadt verdient. Mit diesem Auftrag stellt Stadler künftig sämtliche modernen U-Bahn- und S-Bahn-Züge für Berlin her. Die 350 Züge werden in Berlin und für Berlin gebaut.“

Mehr Platz für unterschiedliche Anforderungen

Bei der Entwicklung der Innenräume standen vor allem Barrierefreiheit und flexible Nutzung im Mittelpunkt. Stadler hat dafür ein neues Innenraumkonzept entwickelt, das verschiedene Fahrgastgruppen berücksichtigen soll.

Der Mehrzweckbereich bietet unter anderem einen Rollstuhlstellplatz, einen Sitzplatz für kleinwüchsige Personen sowie zusätzliche Möglichkeiten für Begleitpersonen mobilitätseingeschränkter Fahrgäste.

Auch die Klimatisierung wurde neu konzipiert. Eine Anlage mit umweltfreundlichem Kältemittel ohne Halogene und Kaltwassertechnologie soll für stabile Temperaturen im Fahrzeuginnenraum sorgen – auch bei hohen Außentemperaturen. Zusätzlich werden USB-C-Ladeanschlüsse an jedem zweiten Sitzplatz vorgesehen.

Wartung mit Daten statt festen Intervallen

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die digitale Instandhaltung. Siemens Mobility setzt dafür das System 'Railigent X' ein, eine Plattform zur datenbasierten Steuerung von Betrieb und Wartung.

Die Fahrzeuge, die Infrastruktur und die Train-IT werden miteinander vernetzt. Zustandsdaten sollen kontinuierlich ausgewertet werden, um Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen. Der Railigent Fleet Manager überwacht dazu den Fahrzeugzustand in Echtzeit, analysiert Betriebsdaten und unterstützt die Planung von Arbeitsaufträgen.

Der Ansatz folgt dem Prinzip der vorausschauenden Instandhaltung: Nicht erst ein Defekt soll eine Wartung auslösen, sondern Hinweise aus den Betriebsdaten sollen mögliche Probleme frühzeitig sichtbar machen. Digitale Prozesse sollen dabei helfen, Material, Anlagen und Personal effizienter zu planen.

Ergänzende Cybersecurity-Services wie Software Maintenance und Vulnerability Monitoring sollen den sicheren Betrieb der Systeme und Fahrzeuge gewährleisten.

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