Wirtschaft + Unternehmen
Ro-Ber: Frischzellenkur für den Roboter-Oldie
1998 hat die Ro-Ber Industrieroboter bei einem weltweit operierenden Unternehmen aus dem Bereich "Türen und Zargen" eine umfangreiche Kommissionieranlage errichtet.
Herzstück der Anlagentechnik im Bereich Türenkommissionierung bilden dabei fünf Roboter vom Typ FP300, die jeweils eine Fläche von 126 Quadratmeter überdecken und somit Zugriff auf 24 Abstellplätze haben. Diese Abstellplätze können als Quelle des Kommissioniervorganges mit sortenreinen Türenstapeln, als Platz für Unterlagenpaletten und Ziel für die Kundenpalette genutzt werden. Die Roboter sind über vier Verschiebewagen untereinander verkettet, so dass auch Kundenaufträge auf einer Zielpalette von verschiedenen Robotern zusammengestellt werden können. Ebenso wird die Quellware über diese Verschiebewagen bereitgestellt und die fertigen Paletten abtransportiert.
Die Kommissionieraufträge werden vom überlagerten Planungssystem zusammengestellt und via Datenaustausch in Form von "Pick-Aufträgen" und "Drop-Aufträgen" an die Roboter gegeben. Restriktionen bei der Kommissionierung bilden dabei immer die Grundfläche der Tür und die maximale Belastung im Stapel.
Ausgerüstet sind die Roboter mit kombinierten Saug- und Klemmgreifern. Die Türen werden dabei mit Sauggreifer angehoben und mittels Klemmgreifer gesichert. Mit dem Klemmgreifer wird gleichzeitig auch die Positionsvermessung der Tür vorgenommen, so dass ein exakt ausgerichteter Stapel gebildet wird.
Jede Tür braucht bekanntlich auch eine Zarge. Die Zargen werden hier durch drei Linienportalroboter LP300 kommissioniert. Der hochflexible Sauggreifer wird dabei in Abhängigkeit von der Zargenabmessung vollautomatisch auf das jeweilige Produkt eingestellt, so dass ein sicherer Greifprozess gewährleistet ist.
Bei dieser Anlagenkonstellation werden die Quellpaletten jeweils auftragsgerecht nacheinander den "Zargenrobotern" zugeführt. Die Roboter erhalten auch hier wieder die Kommissionieraufträge vom überlagerten Leitsystem und berechnen eigenständig die optimale Ablageposition auf der Palette. Da die Flächenbelastung eines Zargenpaketes nicht so hoch ist, werden sogenannte Schonplatten durch die Roboter zwischen die einzelnen Lagen gelegt.
Während die Mechanik, sowohl von Seiten des Roboters selbst als auch von Seiten der Peripheriegeräte, keinen bzw. kaum Änderungen unterliegt und Ersatzteile sehr lange verfügbar sind, dreht sich die Entwicklungsspirale im Bereich Steuerungstechnik wesentlich schneller.
Daher wurde vom Betreiber der Anlage im Jahr 2012 ein Umbau der kompletten Steuerungstechnik beauftragt. Dies betraf das Leitrechnersystem, die Steuerungstechnik der Fördertechnik als auch die von der Ro-Ber gelieferte Steuerungs- und Antriebstechnik für die Roboter und Greifer.
Bei der Entwicklungshistorie der Steuerungstechnik Ro-Enc war es oberstes Ziel, ein Steuerungs-Upgrade ohne Änderungen des Sourcecodes durchführen zu können.
Dies war auch bei dieser Umrüstung der Fall, so dass sowohl die SPS-Programmtechnik als auch die NC-Programmtechnik ohne jegliche Anpassungen übernommen werden konnten. Lediglich die Kommunikation zum Leitsystem musste technologiebedingt von einem H1-Protokoll auf Ethernet TCP/IP gemäß Ro-Ber Standard Interface (Ro-SI) umgestellt werden.
Es war möglich, den Steuerungsumbau inkl. Anbindung an das Leitsystem innerhalb von zehn Arbeitstagen vorzunehmen, wobei im Bereich der Robotertechnik sowohl die Steuerungshardware als auch die Steuerungssoftware umgestellt wurden. Der vom Betreiber geplante Stillstand der Anlage konnte damit unterboten werden. bw









